Neuzulassungen Pkw-Markt profitiert im August ein letztes Mal von Sondereffekt

Von Dr. Martin Achter 2 min Lesedauer

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Fast 40 Prozent mehr Neuzulassungen: Im vergangenen Monat konnte das Pkw-Geschäft wohl ein vorerst letztes Mal umfassend vom E-Auto-Boom bei gewerblichen Haltern profitieren. Allerdings sorgt sich die Branche wegen der Auftragslage.

Im August erlebte der Pkw-Markt erneut ein deutliches Zulassungsplus – aufgrund von Sondereffekten.(Bild:  Wehner – VCG)
Im August erlebte der Pkw-Markt erneut ein deutliches Zulassungsplus – aufgrund von Sondereffekten.
(Bild: Wehner – VCG)

Im August konnte die Automobilwirtschaft noch einmal umfassend von der staatlichen Förderung von E-Autos für gewerbliche Halter profitieren – die Neuzulassungen stiegen massiv gegenüber dem Vorjahresmonat an. Insgesamt wurden im abgelaufenen Monat in Deutschland 237.417 Pkw zugelassen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Dienstag in Flensburg mitteilte. Das entsprach einem Plus von 37,3 Prozent im Vergleich zum August 2022.

Gewerbliche Halter ließen 51,2 Prozent mehr Fahrzeuge zu. Dieser Haltergruppe waren nach Angaben des Beratungsunternehmens EY zuletzt rund 70 Prozent der Neuzulassungen von E-Autos zuzuschreiben. Seit dem 1. September gibt es für dieses Kundensegment keine staatliche Förderungen mehr für die Zulassung von E-Autos. Deswegen dürfte das Plus im August massiv durch diesen Effekt getrieben worden sein. Der Privatmarkt legte nur um 13,5 Prozent zu.

Verbrenner mit kleineren Anteilen

Ein großer Anteil der Neuzulassungen im August entfiel dementsprechend auf Elektrofahrzeuge: Nur 27,6 Prozent der Fahrzeuganmeldungen waren Benzinern zuzuschreiben, 14,5 Prozent den Diesel-Fahrzeugen.

Entsprechend dem starken Zulassungsplus für den Gesamtmarkt profitierten auch die meisten Marken von deutlichen Zuwächsen. Unter den volumenstarken Fabrikaten verzeichnete Volkswagen einen Anstieg von 21,1 Prozent gegenüber dem Vorjahrsmonat. Audi legte um 22,1 Prozent zu, BMW um 31,6 Prozent. Mercedes konnte 25,7 Prozent mehr Neuzulassungen verbuchen.

Aus Sicht von Marktbeobachtern sind die auf den ersten Blick positiven Zahlen für den Gesamtmarkt mit Vorsicht zu genießen. Constantin M. Gall von der Unternehmensberatung EY wies darauf hin, dass der Pkw-Markt trotz des starken Wachstums im August noch immer 13 Prozent unter dem Vorkrisenniveau aus dem August 2019 lag.

Dazu kommt die auslaufende E-Auto-Förderung für gewerbliche Halter. Der hohe Marktanteil dieser Haltergruppe im August sei vor diesem Hintergrund durch „Last-Minute-Neuzulassungen“ geprägt gewesen. Gall rechnet deswegen mit einer „deutlichen Delle bei den gewerblichen Neuzulassungen von Elektroautos“. Ab Januar 2024 reduziert sich zudem die Förderung für private Kunden. Das werde den Markt bremsen.

Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und Sprecher des Fabrikatshandels in Deutschland, verweist noch auf zwei weitere Sondereffekte, die den Markt aktuell treiben: Momentan „bauen einige Hersteller nach wie vor ihren hohen Auftragsvorlauf ab. Und wir werden erleben, dass einige Hersteller bis zum Jahresende noch Fahrzeuge zulassen, um die Flottengrenzwerte zu erreichen oder Marktanteile zu gewinnen, um damit ihre Jahresziele zu erfüllen“. Das ändere nichts daran, dass die Auftragslage derzeit schwierig sei – gerade bei Elektrofahrzeugen seien im Handel die Auftragseingänge deutlich rückläufig.

Neue Förderungen nötig?

Reinhard Zirpel, Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), forderte angesichts der Situation von der Bundesregierung neue Förderbedingungen rund um die E-Mobilität: „Um 15 Millionen E-Autos, wie von der Bundesregierung beabsichtigt, zu erreichen, müssten die Zulassungen weiter deutlich ansteigen. Ein neues Gesamtkonzept mit passenden finanziellen Rahmenbedingungen für alternative Antriebe ist daher dringend notwendig.“

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