Analyse Privatmarkt wächst im ersten Halbjahr gar nicht

Von Andreas Grimm 2 min Lesedauer

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Vor allem Gewerbekunden treiben derzeit das Neuzulassungsplus. So weit, so bekannt. Wie wenig Impulse noch aus dem Privatkundenmarkt kommen, zeigt ein Blick in die Zahlen der Marktforschung Dataforce.

Halb voll oder halb leer – wo steht der Pkw-Markt? Die Privatkunden sind jedenfalls zögerlich.(Bild:  Grimm – VCG)
Halb voll oder halb leer – wo steht der Pkw-Markt? Die Privatkunden sind jedenfalls zögerlich.
(Bild: Grimm – VCG)

Die Krise des Privatmarkts ist nicht mehr zu übersehen – beim Blick aufs erste Halbjahr wird der Befund aber besonders deutlich. Während das Gewerbekundengeschäft die Zulassungszahlen nach oben treibt, verharrt der Privatmarkt im gesamten ersten Halbjahr quasi auf dem Niveau des Vorjahres. Das geht aus Zahlen der Marktforschung Dataforce hervor.

Konkret kamen zwischen Januar und Juni 484.000 Neuwagen über Firmen- und Gewerbekunden auf die Straßen. Das waren 93.000 Einheiten oder 23,8 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die privaten Neuzulassungen wuchsen im ersten Halbjahr dagegen nur um gut 1.000 Einheiten – oder 0,2 Prozent.

Die schwachen Zahlen des Privatmarktes resultieren dabei auch aus den stark rückläufigen Ergebnissen der ersten beiden Monate. Doch auch in den anderen vier Monaten blieb die Entwicklung des Privatgeschäfts deutlich hinter der Dynamik der Gewerbezulassungen zurück. Besonders signifikant ist dieser Befund im Juni: Während die Privatzulassungen um – immerhin – 7,2 Prozent zulegten, schossen die Erstanmeldungen durch Firmen um 39,3 Prozent in die Höhe. „Im Privatmarkt lassen sich schon Zeichen eines sich abkühlenden Marktes erkennen“, urteilt denn auch Dataforce.

Vor allem in den Gewerbekunden-Flotten herrscht hoher Ersatzbedarf nach den Produktions- und Lieferschwierigkeiten der letzten Jahre. Hier werden die Fahrzeuge weiterhin getauscht, weil die Unternehmen ihre Mitarbeiter mobil halten wollen und müssen. Dagegen sitzt bei den Privatkunden das Geld angesichts diverser Krisen und Unsicherheiten nicht mehr so locker wie in der Vor-Corona-Zeit.

Juni-Zahlen bestätigen den generellen Trend

Herausragend entwickelt haben sich im Juni insbesondere die Zulassungen durch die Autovermieter. Mit einem Plus von 65,7 Prozent wuchs dieser Absatzkanal stärker als jeder andere. Die Vermieter lassen damit inzwischen fast wieder so viele Neuwagen zu wie vor der Pandemie. Im ersten Quartal war die Entwicklung noch deutlich verhaltener. Allerdings könnte die Entwicklung bereits getrieben sein von „taktischen Zulassungen, welche im normalen Markt keinen Abnehmer mehr finden konnten“, mutmaßen die Dataforce-Marktbeobachter.

Auch ein genereller Trend könnte die Zahlen beeinflussen: Autoabos werden diesem Kanal zugeschlagen. Da diese Form des Autobesitzes bei Privat- wie Gewerbekunden zunehmend Interesse findet, werden die Absatzzahlen in die Höhe getrieben.

Noch unterdurchschnittlich entwickeln sich weiterhin die Eigenzulassungen des Handels und der Hersteller/Importeure. Während die Vertriebspartner wieder vermehrt zum Mittel Kurz- und Eigenzulassungen greifen (+21,1 % im Vergleich zum Juni 2022), halten die Produzenten die Eigenzulassungen fast stabil (+0,9 %). Ob es bei dieser Zurückhaltung bleibt, wenn sich die Konsumstimmung auch bei den Gewerbekunden eintrübt, bleibt abzuwarten. Die rückläufigen Neuaufträge würden sich laut ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn „spätestens im vierten Quartal negativ auf die Zulassungszahlen auswirken“.

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