Nissan-Handel zwischen Eigenzulassungen und Elektroaufbruch

Redakteur: Andreas Grimm

Immer weniger Neuzulassungen bei viel zu vielen Eigenzulassungen, dazu strukturelle Probleme beim Importeur und hohe Elektroziele – die Nissan-Händler haben viele Baustellen. Wie sie damit umgehen, verrät Markus Walter vom Nissan-Händlerverband.

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(Foto: Nissan)

Redaktion: Nissan und die Partner haben ein schwieriges Jahr hinter sich. Welche Erwartungen haben Sie für die nächsten Monate?

Markus Walter: Wir müssen es wieder schaffen, zu einem gesunden Geschäft zurückzukommen. Entscheidend ist, dass wir mit dem Verkauf von Fahrzeugen wieder Geld verdienen. Die Händler leiden unter den zu vielen Eigenzulassungen. Da müssen wir davon wegkommen. Das haben alle erkannt. Unser gemeinsames Ziel ist es, langfristig vom Push- zum Pull-System zurückzukehren.

Im vergangen Jahr lagen die Eigenzulassungen bei 45 Prozent. Haben die Händler einen Rückgang gespürt?

Ja, das ist bei den Händlern angekommen. Nissan schraubt die Eigenzulassungen langsam zurück – und hält auch daran fest. Für die ersten Monate 2019, dem vierten Quartal im Nissan-Geschäftsjahr, hat der Importeur ein Verkaufsförderungsprogramm aufgelegt, das den Abverkauf unterstützt.

Stehen die Höfe noch immer so voll?

Es ist eine Herkulesaufgabe für den Handel zum Jahresbeginn. Alle Händler sind gefordert.

Was stimmt sie für 2019 positiv?

Der Markt für Elektromobilität entwickelt sich positiv. Davon profitieren wir. Hier ist Nissan mit dem Leaf und dem E-NV 200 gut aufgestellt.

Nissan ist seit Jahren ein Vorreiter in puncto E-Mobilität. Aber als der Umweltbonus eingeführt wurde, war von Nissan zunächst wenig zu sehen. Woran lag’s?

Nicht jeder, der in den Showroom kommt, will ein Elektroauto. Wenn er sich aber für eines entscheidet, dann können wir liefern. Das gilt sowohl für den E-NV 200, der für Handwerker interessant ist, als auch für den neuen Leaf mit einer 62-kWh-Batterie.

Nissan will 2019 rund 10.000 Elektroautos verkaufen. Kann das klappen?

Das ist realistisch.

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Der Fahrzeugabsatz ist eine Seite, der Service die andere. Wie sieht es hier aus?

Auch im Service gibt es Verbesserungsbedarf. Der administrative Aufwand muss einfach geringer werden. Für unsere Motivation sind die IT-Systeme ein wichtiger Punkt. Hier gibt es diverse Schwierigkeiten, die wir als Händlerverband seit Jahren anmahnen. Nissan weiß, dass sich hier etwas ändern muss.

Die schwierige Situation bekommen natürlich nicht nur die Partner zu spüren, auch der Importeur. Wie wirkt sich das auf die Zusammenarbeit mit dem Händlernetz aus?

Wir spüren, dass einiges in Bewegung ist. Nicht auf alle Fragen bekommen wir die gewünschten Antworten. Aber die Nissan-Geschäftsführung strengt sich an und ist engagiert. Sie versucht Lösungen zu finden; das bewerten wir sehr positiv.

Nennen Sie bitte ein Beispiel.

Obwohl die Situation in Brühl schwierig ist, will Nissan nun seinen Außendienst verstärken. Dadurch soll die Betreuung vor Ort besser werden. Das hat der Händlerverband schon lange gefordert.

Gerade in so schwierigen Zeiten ist es entscheidend, dass die Importeure und Partner zusammenarbeiten. Klappt dies?

Der Händlerverband hat eine gute Kommunikationsebene mit den Chefs in Brühl. Man hört uns zu, man geht auf uns ein. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals so viele Telefonkonferenzen gab. Schon allein das zeigt, dass die Situation nicht einfach ist. Aber wir müssen Brühl bescheinigen, dass sie die Themen mit voller Transparenz angehen.

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Nun hat sich der Händlerverband auch noch neu aufgestellt. Der einstige Präsident ist durch ein rollierendes System ersetzt. Was ist der Vorteil?

Nachdem Präsident Frank Perez sein Amt niedergelegt hat, ist das System zunächst aus der Not geboren. Jeder unserer vier Vorstände steht für ein Quartal an der Spitze. Das funktioniert so gut, dass wir es nun auch in der Satzung festgeschrieben haben. Wir brauchen keinen festen Präsidenten.

Das klingt erst einmal ungewöhnlich …

Einem im Betriebsalltag stehenden Unternehmer ist ein solches Ehrenamt in einem aktiven Verband nicht mehr zuzumuten. Das kann er einfach nicht leisten. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns vor vier Jahren für einen Vollzeit-Geschäftsführer entschieden, der die Vorstände entlastet.

In der Geschäftsführung gab es zu Jahresbeginn auch einen Wechsel: Jörg Seemann ging, Thorsten Herzog kam. Welche Erwartungen haben Sie?

Er muss natürlich die Interessen der Mitglieder vertreten und möglichst optimale Rahmenbedingungen beim Importeur erkämpfen. Offiziell hat Thorsten Herzog noch nicht begonnen, aber er wirkt bereits mit. Er läuft sich quasi im Hintergrund warm.

Was sind die wichtigsten Aufgaben, die auf ihn zukommen?

Als Speerspitze des Verbandes muss er sich um die großen strategischen Themen genauso kümmern, wie um individuelle Themen einzelner Mitglieder. Das geht einfacher, wenn Nissan ihn in seinem Amt akzeptiert.

Sind Nissan und seine Partner gewappnet, gemeinsam die Trendumkehr zu schaffen?

Ja, auch wenn 2019 für uns ein sehr schwieriges Jahr wird. Ich hoffe, dass wir die Wende in den nächsten Monaten hinbekommen. Spätestens mit neuen Modellen.

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