Reifenmarkt Noch immer kein Vor-Corona-Niveau

Von Jan Rosenow

Um rund zwei Prozent wuchs der Absatz an Consumer-Reifen 2021 im Vergleich zum Vorjahr. Das ist erfreulich, reicht aber nicht, um frühere Verluste auszugleichen, meldet der BRV.

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Der Reifenverkauf in den Kfz-Betrieben kam auch 2021 nicht so richtig in Gang.
Der Reifenverkauf in den Kfz-Betrieben kam auch 2021 nicht so richtig in Gang.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Ein starker Rückgang im Pkw-Flottenbereich, die um rund 4 % gesunkene durchschnittliche Jahresfahrleistung und deutlich geringere Pkw-Neuzulassungen: Das sind die Gründe für den weiterhin mäßigen Absatz auf dem Reifenmarkt. „Die Branchenlage hat sich leicht erholt, ohne jedoch auf das Vor-Corona-Niveau aufschließen zu können“, resümiert Michael Schwämmlein, Geschäftsführer Technik und Marktdaten-Spezialist des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV). „Im Vergleich zu 2019 liegt der Mengenabsatz im Gesamtmarkt noch um etwa neun Prozent zurück.“

Die Aufwärtsprognose des Verbands vom März vergangenen Jahres hat sich damit in der Tendenz zwar bestätigt. Jedoch fiel der Zuwachs im Jahr 2021 im Geschäftssegment Consumer-Reifen mit rund 2 % auf insgesamt 43,7 Millionen Stück geringer aus als erhofft. Consumer-Reifen, bestehend aus den beiden Produktgruppen Pkw-/Offroad(4x4)- und Leicht-Lkw-Reifen (LLkw), bilden das mit Abstand größte Marktsegment.

In der Produktgruppe Pkw- und Offroad-Reifen (4x4) wurden 2021 rund 39,8 Millionen Reifen verkauft. Das entspricht einem Plus von 1,2 % im Vergleich zur Vorjahresmenge. Gewinner waren hier erneut die Ganzjahresreifen, von denen mit knapp 10,8 Millionen Stück 11,5 % mehr abgesetzt wurden als 2020.

Der Zuwachs ging hauptsächlich zulasten von Winterreifen. Hier sank der Absatz um 5,1 % auf 16,3 Millionen Stück, während der Absatz an Sommerreifen für Pkw und Allradfahrzeuge um 1,8 % auf 12,7 Millionen stieg.

Trotz des leichten Mengenzuwachses im Vergleich zum Vorjahr blieb der Absatz in der Produktgruppe Pkw-/4x4-Reifen 2021 um rund 11 % hinter dem Ergebnis von 2019 zurück. Auch hier stieg der Anteil der Ganzjahresreifen zulasten der Saisonspezialisten erneut um etwa 2,5 Prozentpunkte auf jetzt rund 27 % (Winterreifen: 41 %, Sommerreifen 32 %).

Deutliches Wachstum bei den Transporterreifen

In der ebenfalls zum Consumer-Segment zählenden Produktgruppe leichte Nutzfahrzeuge (Leicht-Lkw bzw. LLkw) lag der Stückabsatz 2021 bei 3,84 Millionen. Das bedeutet einen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr um 12,6 %. Der LLkw-Reifenmarkt profitierte damit von einer weiterhin starken Entwicklung im Kurier- und Lieferdienst, verursacht durch Zuwächse im Onlinehandel, sowie von der hohen Nachfrage nach Handwerksleistungen.

Die Ganzjahresreifen stehen in dieser Produktgruppe mittlerweile kurz davor, die dominierende Bauart zu werden: Mit einem Absatzplus von 21,4 % im Vergleich zum Vorjahr machen sie inzwischen einen Anteil von knapp 38 % aus (Winterreifen 42 %, Sommerreifen gut 20 %).

2022 schwierig zu prognostizieren

Betrachtet man das Segment Consumer insgesamt, erwiesen sich die Ganzjahresreifen mit einem Absatzplus von 12,6 % 2021 wie erwartet als Hauptwachstumssegment. Die Entwicklung ging primär zulasten von Winterreifen (–4 %), während Sommerreifen mit +2 % immerhin einen leichten Zuwachs erreichen.

Die Prognose für den Reifenmarkt in diesem Jahr ist angesichts der anhaltenden Pandemie und des Kriegs in der Ukraine schwierig zu erstellen. Der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (WDK), die Interessenvereinigung der Reifenhersteller, hat erst kürzlich auf die schwerwiegenden Folgen der Wirtschaftssanktionen gegen Russland für seine Mitglieder hingewiesen – beispielsweise kam bislang ein Drittel des zur Reifenfertigung nötigen Industrierußes aus Russland.

Kostentreiber auf allen Seiten

Hinzu kommen die enorm erhöhten und weiter steigenden Kosten für Rohstoffe, Teile, Transport und die für die Fertigung benötigte Energie. Auch auf der Verbraucherseite ist mit steigenden Produkt-, Treibstoff- und Energiepreisen zu rechnen, was zu einer erhöhten Inflation führt und entsprechenden Konsumverzicht auslösen kann. Relevant für das Reifenersatzgeschäft wären hier beispielsweise eine weiter sinkende Pkw-Fahrleistung, aufgeschobene Ersatzbeschaffungen und ein Verzicht auf Neuinvestitionen.

Vor diesem Hintergrund schränkt der BRV seine Wachstumserwartung für die Produktgruppe Pkw-/SUV-/4x4-Reifen auf derzeit rund 3 % ein, wobei sich voraussichtlich erneut das Segment Ganzjahresreifen am stärksten entwickeln wird.

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Gedämpft sind auch die Aussichten für die Produktgruppe LLkw-/Transporter-Reifen: Hier hält der Verband zurzeit 4 bis 5 % Absatzzuwachs für möglich.

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