Reifenmarkt Reifenabsatz rutscht zweistellig ins Minus

Autor: Jan Rosenow

Elf Prozent weniger Reifen wurden im Jahr 2020 verkauft – das entsprach der Marktprognose des BRV vom Herbst. An einem Segment jedoch ging die Coronakrise nahezu spurlos vorbei.

Luft raus aus dem Reifenmarkt? Nicht ganz, aber die elf Prozent Rückgang sind ein schwerer Schlag.
Luft raus aus dem Reifenmarkt? Nicht ganz, aber die elf Prozent Rückgang sind ein schwerer Schlag.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Rund 47,4 Millionen Reifen wurden im vergangenen Jahr im Reifenersatzgeschäft in Deutschland verkauft. Damit ist der Absatz im Durchschnitt aller Produktsegmente um rund 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Das berichtet der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) nach Auswertung der Marktzahlen 2020. „Der Absatzrückgang liegt auf dem erwarteten Niveau“, kommentiert BRV-Geschäftsführer Yorick M. Lowin.

Den mit Abstand größten Anteil am Markt besitzt die Produktgruppe Pkw- und Offroad-Reifen (4x4). Knapp 39,4 Millionen Stück wurden in diesem Segment im vergangenen Jahr verkauft – das entspricht einem Rückgang von 12,1 Prozent im Vergleich zur Vorjahresmenge (44,8 Millionen). Gewinner waren hier erneut einzig die Ganzjahresreifen, von denen mit rund 9,7 Millionen Stück 7,3 Prozent mehr verkauft wurden als 2019. Ihr Marktanteil stieg um etwa 4,5 Prozentpunkte auf jetzt rund 24,5 Prozent. Der Absatz an Pkw- und 4x4-Winterreifen sank hingegen um 18,4 Prozent auf 17,2 Millionen Stück, der an Sommerreifen um 15 Prozent auf 12,5 Millionen.

Transporterreifen verlieren weniger

In der Produktgruppe der Reifen für leichte Nutzfahrzeuge lag der Stückabsatz 2020 bei 3,41 Millionen und ging damit im Vergleich zum Vorjahr um 8,8 Prozent zurück. Auch hier gewinnen die Ganzjahresreifen mit einem Absatzplus von 2,1 Prozent weiter an Boden. Sie machen mittlerweile einen Anteil von 35 Prozent aus (Vorjahr: 31 Prozent). Klassische Sommerreifen scheinen auszusterben; ihr Marktanteil beträgt nur noch rund 22 Prozent.

Im Jahr 2021 rechnet der Verband zwar mit moderatem Wachstum, aber noch nicht mit einer Rückkehr zu den Absatzzahlen von vor der Krise. Der Markt für Pkw- und Offroad-Reifen soll um 6,4 Prozent auf knapp 41,9 Millionen Stück wachsen, der für Transporterreifen um knapp 11 Prozent auf 3,78 Millionen. Michael Schwämmlein, BRV-Geschäftsführer Technik, erklärt dazu: „Auch wenn man davon ausgeht, dass die auf der niedrigen Basis von 2020 fußenden Zuwachsraten erreicht werden können, ist dennoch klar, dass das Mengenvolumen von 2019 frühestens 2022 wieder erreicht werden kann.“

Reifenbetriebe mit negativer Marge

Traditionell ermittelt der BRV auch jährlich die Marktanteile der einzelnen Distributionskanäle. Hier gab es allerdings zum Vorjahr praktisch gar keine Änderungen. Die meisten Reifen (64 Prozent) werden über den Reifenfachhandel sowie über freie Kfz-Werkstätten verkauft. Markenautohäuser halten 23 Prozent Anteil. 8 Prozent aller Reifen werden direkt an Endverbraucher geliefert – also im Internet bestellt –, während Fachmärkte, Tankstellen und Baumärkte nur noch 5 Prozent Marktanteil halten.

Trotz der deutlich rückläufigen Absatzmengen zeigt der BRV-Jahresbetriebsvergleich, dass die Reifenfachbetriebe den Umsatz je Outlet in etwa auf Vorjahresniveau halten konnten. Dies resultiert in erster Linie aus dem wachsenden Geschäft mit dem Reifenservice und dem Autoservice. Besonders die Unternehmen, die nicht zu Filialketten gehören, konnten hiervon offenbar profitieren.

Das betriebswirtschaftliche Ergebnis von minus 1,7 Prozent im Branchendurchschnitt ist nach Ansicht des BRV in Anbetracht des Volumenrückgangs noch akzeptabel. „Angesichts des schwierigen allgemeinwirtschaftlichen Umfelds, in dem das Reifengewerbe von März bis Dezember agiert hat, kann man den Geschäftsverlauf insgesamt als annehmbar bezeichnen – auch wenn wir uns das Jahr 2020 natürlich anders gewünscht hätten“, erklärt Michael Schwämmlein.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group