Fahrbericht Ohne Reichweitenangst entspannt im Skoda Enyaq unterwegs

Von Andreas Grimm 5 min Lesedauer

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Mit dem Enyaq ist Skoda ein Überraschungserfolg geglückt. Das 2024er Facelift hat das Modell in Sachen Reichweite nochmals nach vorn gebracht. Für entspannte Urlaubsreisen mit der Familie bringt der Fünfsitzer gute Voraussetzungen mit.

Skoda hat mit dem Enyaq ein erfolgreiches E-Modell im Angebot. Am Modell wird regelmäßig gearbeitet.(Bild:  Grimm – VCG)
Skoda hat mit dem Enyaq ein erfolgreiches E-Modell im Angebot. Am Modell wird regelmäßig gearbeitet.
(Bild: Grimm – VCG)

Skoda hat dem ersten E-Modell der Marke, dem Enyaq, schon nach zweieinhalb Jahren ein Facelift verpasst. Vom Verkaufserfolg her, hatte der Tscheche den Boost nicht unbedingt nötig, denn das Modell kommt bei den Kunden gut an. 14 Prozent am Skoda-Absatz bestritt der Enyaq im vergangenen Jahr. Zwölf Prozent sind es in diesem Jahr (bis Ende November) – bekanntlich läuft Elektro in diesem Jahr einfach nicht und die Konkurrenz im Elektro-SUV-Segment ist gewachsen. Positiv auf der Habenseite hat der Enyaq auch, dass er schon mehrfach das meistverkaufte E-Modell im Monatsranking war.

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Im Test hatte die Redaktion ein Modell mit der großen 82-kWh-Batterie. Zum einen, um das Fahrzeug richtig ausfahren zu können. Zum anderen weil das Facelift am kleinsten Modellvertreter, dem Enyaq 60 vorbeiging. Die Skoda-Kunden bevorzugen ja eh eher die gut ausgestatteten Varianten des tschechischen Fabrikats – sagt jedenfalls der Hersteller. 210 kW/286 PS leistet der Elektromotor des getesteten Modells in der Spitze, die Vor-Facelift-Variante Enyaq iV 80 kam nur auf 150 kW/204 PS.

Wie es sich für ein Sports Utility Vehicle gehört, ging es auf der Testfahrt mit dem Enyaq über Straßen aller Art, von der Autobahn bis zum Feldweg, und das möglichst ohne Tankstopp. Von Würzburg führten der Weg über Crailsheim bis nach Langenburg ins Hohenloher Land. Dort, wo die Versorgung mit Schnellladern abseits der Autobahn immer noch nicht so üppig ist (wahrscheinlich weil die geschäftstüchtigen Hohenloher auf jeder möglichen Dachfläche eine Solaranlage haben und zu Hause laden), ist die Landschaft zwar schön. Ob man deshalb aber stundenlang Strom tanken will, sei mal dahingestellt.

Mit Umsicht sinkt der Verbrauch stark ab

Wer regional unterwegs ist, braucht sich wegen Reichweite auch keine Sorgen zu machen. 450 Kilometer Reichweite hat der Enyaq 85 laut WLTP, und speziell auf der Landstraße erlebt man mit dem Auto auch keine Überraschungen. 120 Kilometer lang war der Hinweg, vorwiegend über die Autobahn. 80 Kilometer der Rückweg ausschließlich über Landstraßen. Noch ein paar Um- und Abwege dazugerechnet standen am Ende 220 Kilometer auf dem Tacho – und der Akku hatte rund 37 kWh verloren.

Sprich der Verbrauch laut Bordcomputer lag etwas über 16 kWh pro 100 Kilometer. Da gibt es weitaus schlechtere Wert im E-Auto-Feld. Immerhin wiegt der überarbeitete Enyaq 2.137 Kilo und hatte zwei ausgewachsenen Testpersonen an Bord. An dieser Stelle merkt man deutlich das technische Facelift. In der Ursprungsvariante wichen Echtverbrauch und WLTP-Angaben doch spürbar voneinander ab. Die „Autozeitung“ hatte beim Vorgänger eine Differenz von rund 22 Prozent konstatiert, was andere Modelle allerdings noch deutlich übertreffen. Trotzdem: Am Verbrauch des Enyaq gibt es nichts auszusetzen – allerdings war es trocken und warm, fast schon Idealbedingungen für die Batterie.

In Sachen Sparsamkeit lässt sich übrigens einiges mit der Schaltwippe am Lenkrad erreichen. Wer vorausschauend fährt – und bremst – kann einiges an Energie zurückgewinnen. Auch deshalb dürfte die Testfahrt so sparsam verlaufen sein. Wer allerdings stark bremsen muss, sollte jedoch unbedingt das dafür vorgesehene Fußpedal nutzen.

Ruhig über weite Distanzen

Wenn Strom rausfließt, muss er auch wieder rein. Der Anschluss ans Stromnetz klappte problemlos, die Ladeleistung von maximal 135 kW ist zwar keine Bestleistung, aber in vielen Fällen ausreichend. Positiv ist, dass sich die Batterie im Vorfeld einer Ladung vorkonditionieren lässt, sodass der Ladevorgang auch Batterie-intern optimal läuft. Wenn man den Enyaq verbrauchsarm fährt, also auch auf der Autobahn nur selten die 120 km/h überschreitet, kommt man ja locker auf 400 Kilometer Reichweite – dann ist die Zeit für eine längere (Lade-)Pause eh gekommen. Bei höheren Geschwindigkeiten steigt der Verbrauch natürlich signifikant, aber nie extrem. Bei 180 km/h ist übrigens Schluss mit Speed.

Der Enyaq rollt gelassen über die Straßen, der tiefe Schwerpunkt drückt das Auto förmlich auf die Straße, ohne die Agilität einzuschränken (nein, der Enyaq ist deshalb kein Sportwagen, beschleunigt sein Gewicht aber problemlos – auf 100 km/h kommt das BEV in 6,6 Sekunden). Der Wagen rollt auf seinen 21-Zoll-Felgen sicher voran, in der Lenkung spürt man kein Flattern. Wer die Hände (verbotenerweise) mal vom Lenkrad nimmt, kann lange geradeaus fahren, wenn es die Straßenführung zulässt. Kommt man dem Randstreifen zu nahe, greift natürlich der Fahrassistent ein.

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Grundsätzlich könnte man sicher mehr Kilometer in einem Rutsch abreißen als die Akkukapazität zulässt, denn komfortabel ist das Familienauto durchaus. Vorne fühlt man sich selbst als 1,82 Meter großer Mann fast ein wenig verloren, die Beinfreiheit ist enorm. Gleichzeitig haben die Passagiere im Fond ebenfalls genügend Raum. Dabei fällt das E-SUV mit einer Gesamtlänge von 4,65 Metern nicht aus dem Rahmen seiner Klasse.

Neben dem Raumkomfort für die Insassen hat der Enyaq natürlich Skoda-typisch viel Platz fürs Gepäck. 445 Liter fasst der Kofferraum – mit nur zwei Personen an Bord können es 1.435 Liter werden. Das SUV sieht nicht nur nach Utility aus, sondern schluckt bei Bedarf wirklich was weg. Mit einer niedrigen Ladekante und ebenem (doppelten) Ladeboden lassen sich auch schwere Gegenstände leicht verstauen. Eine Ebene darunter ist Platz für Kleinteile. Das Ladekabel lässt sich übrigens prima am Radkasten verstauen – sprich man weiß, wohin damit, selbst wenn der Kofferraum beladen ist.

Fazit: Losfahren und entspannen

Kurz und gut, mit dem Enyaq ist man richtig gut unterwegs. Das Design passt innen wie außen, die Werkstoffe sind hochwertig, die Verarbeitung ebenso. Das schlägt sich dann allerdings doch im Preis nieder. 62.190 Euro kostet der Testwagen laut dem mitgelieferten Datenblatt, was überwiegend allerdings dem Ausstattungspaket „Maxx“ für 10.120 Euro geschuldet ist. Auch die Lackierung Moon-Weiß-Perleffekt schlägt sich mit 620 Euro nieder. Als Basis-Lack gibt es nur einen Blauton. Für das Geld gibt es dann natürlich wieder viel Simply-Clever-Einfälle der Designer und Konstrukteure, ordentlich Sound auf die Ohren und viele Einstellmöglichkeiten im Bordcomputer. Letztlich aber lässt sich im Enyaq vor allem gut reisen.

Daran wird sich vermutlich auch 2025 nichts ändern, wenn die nächste Enyaq-Stufe gezündet wird. Denn während sich das Facelift vor allem auf die inneren Werte konzentrierte, wird sich nun die Optik ändern. Der Enyaq erhält wie der neue, kleinere Bruder Elroq das Modern-Solid-Design. Das erkennt man auf den ersten Blick, denn statt des gefiederten Pfeils setzt Skoda künftig auf die Wortmarke als Erkennungszeichen.

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