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Oldtimermessen: Anzeichen für eine Marktsättigung

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Oldtimer werden immer populärer. Da verwundert es kaum, dass die Zahl der entsprechenden Messen in den letzten Jahren gefühlt inflationär gestiegen ist. Doch mit deren Erfolg ist es (noch) nicht so weit her.

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Am Angebot kann es nicht gelegen haben: Zur Bremen Classic Motorshow kamen 2018 weniger Besucher als im Jahr zuvor.
Am Angebot kann es nicht gelegen haben: Zur Bremen Classic Motorshow kamen 2018 weniger Besucher als im Jahr zuvor.
(Bild: Dominsky/»kfz-betrieb«)

„Size is everthing“ („Größe ist alles“), sagen die Amerikaner. Doch wie jeder weiß: Auch die Qualität sollte stimmen. Bezogen auf das rostigste Hobby der Welt und sein regelmäßiges Zelebrieren in Form großer Messen gilt gleichfalls, dass Masse nicht gleich Klasse ist. Einst gab es über Jahre hinweg eine relativ gleichmäßig große oder eben kleine Zahl an Auto-Oldtimermessen. Im Fokus standen die „Big three“: Weit vorne die Techno Classica in Essen, dahinter mit stetig aufholender Tendenz die Retro Classics in Stuttgart sowie mit Abstand die Classic Motorshow in Bremen.

Doch dann entdeckten irgendwann weitere Messebetreiber bzw. -veranstalter, dass man mit Oldtimermessen offenbar gutes Geld verdienen kann. Und so entstanden weitere Veranstaltungen wie die Motorworld Classics in Berlin (seit 2015) und die Hamburg Motor Classics (Seit 2017). Und auch die Erfinder der Retro Classics zauberten nicht etwa nur eine weitere, sondern gleich zwei neue Messen zum Thema aus dem Event-Hut: die Retro Classics Bavaria in Nürnberg (seit 2016) sowie die Retro Classics Cologne in Köln (seit 2017). Doch benötigt der Kreis der Fans automobilen Kulturguts solch ein (Über-)Angebot? „Scheinbar nicht“ bzw. „nur bedingt“ ist man geneigt zu sagen, schaut man auf die nackten Fakten, nämlich die Zahlen, genauer die Besucherzahlen.

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2017 kam die Trendwende

So musste die Siha, Veranstalter der Techno Classica, im vergangenen Jahr erstmals einen Rückgang vermelden, einen deutlichen sogar. Während die Großveranstaltung 2016 mit 201.000 Besuchern erstmals die 200.000-Marke geknackt hatte, folgten 2017 nur 185.000 Jünger dem Ruf ins Oldie-Mekka nach Essen. Das waren sogar weniger als der über die letzten Jahre kontinuierliche Zuspruch von rund 190.000 Teilnehmern.

Nach Plan verläuft es hingegen seit Jahren bei der Retro Classics in Stuttgart: Wenn auch nicht in Sachen Besucherzahlen, so doch bezogen auf die Ausstellungsfläche rühmen sich die Macher mittlerweile, die „weltgrößte Klassik-Fahrzeugmesse“ auf die Beine zu stellen. Zur „Retro“ ins schwäbische Messezentrum strömten 2017 gut 89.000 Besucher. Offenbar von so viel Erfolg angetrieben, riefen die Stuttgarter ihre beiden Ableger ins Leben. Die Erstauflage der Bayern-Variante besuchten 26.500 Altauto-Affine. Und die Zweitauflage? „Nichts Genaues weiß man nicht!“, lautet die Antwort. Der Veranstalter hat entgegen der üblichen Praxis im Nachgang keine Besucherzahlen veröffentlicht.

Gleiches gilt für die Erstauflage der Zwillingsschwester in Köln im letzten November: keine Angaben zum zahlenmäßigen Zuspruch, trotz mehrfacher Nachfrage. „Viel besser hätte eine Erstveranstaltung wohl kaum laufen können“, verkündet eine Pressemitteilung lapidar nach der Messe. Die Geheimniskrämerei kann eigentlich nur einen Grund haben: Die Zahlen sind nicht das, was man sich erhofft hat oder gehen im Fall Retro Bavaria keinesfalls (steil) nach oben.

Auch Bremen im Rückwärtsgang

Besagte Trendwende durfte die Oldie-Sause erleben, die traditionell den Auftakt der „Big three“ in jedem Jahr bildet: die Classic Motorshow im Bremen. Ihr folgten Anfang Februar knapp 41.000 Oldie-Fans und damit satte zehn Prozent weniger als 2017. Über die Gründe kann man nur spekulieren, Fakt ist aber, dass im letzten Jahr in der Nachbarschaft die erste Hamburg Motor Classics stattfand. Zu der pilgerten rund 18.000 Menschen. Gut möglich, dass die 4.000 in Bremen fehlenden Besucher mit dabei waren.

Man muss vermutlich kein Prophet sein, um die These zu vertreten, dass genug irgendwann genug ist. Einerseits profitieren Besucher von einer größeren Anzahl an Messen, weil der Weg zum jeweiligen Mekka sinkt und der Anreiseaufwand damit schrumpft. Andererseits geht das auf Kosten des Angebots, denn kaum ein Aussteller kann es sich leisten, auf allzu vielen Messen vertreten zu sein. Und da die Eintrittspreise wie im Fall der neuen kleinen Retro-Classics-Schwestern mit 20 Euro für das Tagesticket exakt so hoch ausfallen wie das der Mutter, die beiden aber gerade mal nur rund ein Drittel bzw. halb so viel Ausstellungsfläche umfassen, kann man aus Besuchersicht nicht zwangsläufig von einem „Schnäppchen“ sprechen – im Gegenteil.

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