„Online-Ankauf von privat nicht anderen überlassen!“

Autor Christoph Seyerlein

Internet-Plattformen haben den Gebrauchtwagen-Ankauf längst als lohnendes Geschäftsfeld entdeckt. Branchenexperten rieten auf dem „Mobile.de Weckruf“ dem klassischen Automobilhandel, diese Renditepotenziale nicht Dritten zu überlassen.

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(Bild: Achter)

Autohäuser müssen beim Ankauf von Privatautos neue Onlineplattformen nicht fürchten, sollten in diesem Bereich aus wirtschaftlichem Eigeninteresse aber selbst aktiver werden: Zu diesem Fazit kam eine Expertenrunde beim „Mobile.de Weckruf 2016“ in dieser Woche im Vogel Convention Center in Würzburg. Die Fachmedien »kfz-betrieb« und »Gebrauchtwagen Praxis« hatten gemeinsam mit der Onlinebörse zu dem Fachkongress für digitalen Automobilhandel eingeladen.

Ansgar Klein vom Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) ermahnte den Handel, den Trend zum Online-Ankauf von privat „trotz der vielen anderen Aufgaben im Tagesgeschäft“ nicht zu verschlafen. „Gefährlich werden Entwicklungen immer dann, wenn wir sie zu spät erkennen. Der Handel ist hier in letzter Zeit in Bewegung gekommen, aber da geht noch wesentlich mehr, schließlich ist das Thema Ankauf von privat renditeträchtig“, betonte der geschäftsführende Verbandsvorstand. Klein merkte selbstkritisch an, dass Verbände bei politischen Themen wie diesen noch stärker ihrer Leuchtturmfunktion für jene Unternehmen erfüllen müssen, die in ihnen organisiert sind.

Mobile.de Weckruf 2016: Das Forum für digitalen Automobilhandel
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Zuvor hatte Carl Biedermann von der Berliner Autohausgruppe Koch in einem Impulsvortrag über die Erfahrungen seines Unternehmens mit einer eigenen Ankaufplattform berichtet. Diese hatte Koch-Automobile vor gut zwei Jahren eingeführt, auch als Reaktion auf neue Wettbewerber in diesem Bereich wie beispielsweise „Wir-kaufen-dein-Auto.de“ beziehungsweise „Auto1.com“.

„Autohäuser sollten den Ankauf von Privatwagen über das Internet nicht komplett den anderen überlassen“, riet Biedermann den anwesenden Händlerkollegen. Dies sei auch wichtig, da sich auf klassischem Weg kaum noch ähnlich hohe Quoten bei der Inzahlungnahme erzielen ließen wie früher: „Der Kunde von heute ist online und kommt nicht mehr direkt ins Autohaus, um seinen Gebrauchten in Zahlung zu geben.“

Koch hat deshalb den Online-Ankauf als eigene Marke etabliert. Neben seiner Vertriebsmarke „AutosKauftManBeiKoch.de“ gibt es nun auch die Trade-In-Plattform „AutosVerkauftManAnKoch.de“. Kunden können dort ihr Fahrzeug online bewerten und direkt einen Termin im Autohaus vereinbaren.

Seit der Einführung im September 2014 hat Koch laut Biedermann auf diesem Weg rund 3.000 Autos bewertet. Zehn Prozent der Fahrzeuge nahm der Händler letztlich auch tatsächlich in Zahlung.

Eigene Plattform als Renditebringer

Im Durchschnitt seien die bewerteten Gebrauchten bislang rund 6.500 Euro wert gewesen, sagte Biedermann. „Das zeigt: Wir verdienen mit unserer Strategie durchaus Geld.“ Deswegen sei er der festen Überzeugung, dass die Händler, die rein auf etablierte Online-Plattformen setzen, Renditepotenziale verschenken.

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