Opel will höhere Verkaufspreise durchsetzen

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Neue Opel-Modelle stehen künftig allesamt auf PSA-Plattformen. Im Jahr 2024 soll dann auch der letzte Opel französische Gene haben. „Das hilft uns bei unserem Ziel, die Kosten pro Fahrzeug um 700 Euro zu senken“, sagte Lohscheller. Bis 2020 kündigte er neun neue Autos an – Karosserievarianten und Facelifts sind dabei allerdings inbegriffen. Den Anfang macht 2018 eine neue Combo-Generation, 2019 kommt dann ein neuer Corsa. Beim Stichwort Combo sprach Lohscheller außerdem davon, das Geschäft mit leichten Nutzfahrzeugen als stärkeren Umsatzbringer etablieren zu wollen. Den Nutzfahrzeug-Absatz will das Fabrikat bis 2020 um 25 Prozent steigern.Dabei hat Opel auch neue Märkte wie die Türkei im Blick.

Aber bei den Pkw hat Opel viel vor – und nimmt auch Märkte außerhalb Europas ins Visier. „Opel wird endlich eine globale Marke“, sagte Lohscheller. Bis Mitte des nächsten Jahrzehnts sollen mehr als zehn Prozent der weltweit verkauften Fahrzeuge nicht nach Europa gehen. „Wir können uns vorstellen, bis 2022 auf mehr als 20 neuen Märkten aktiv zu werden – aber nur, wenn die Geschäfte profitabel sind“, so Lohscheller. Für attraktiv hält er beispielsweise China und Brasilien. Komplettes Neuland betritt Opel damit nicht. So war die Marke sogar schon einmal in China aktiv. Jenes Projekt hatte der Hersteller aber 2015 wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Im Jahr 2013 hatte Opel auf dem größten Automarkt der Welt beispielsweise nur 4.365 Fahrzeuge verkauft. Auch in anderen Regionen außerhalb Europas war das Fabrikat in der Vergangenheit gescheitert. Dementsprechend mutet das jetzige globale Streben der Rüsselsheimer fast schon großspurig an.

Auch die Elektrifizierung spielte bei der Pressekonferenz in Rüsselsheim eine Rolle. Bis 2024 will Opel sein gesamtes Portfolio elektrifizieren – für jedes Auto soll es neben den klassischen Verbrennungsmotoren entweder einen reinen Batterieantrieb oder einen Plug-in-Hybrid geben. Das soll Opel dabei helfen, die CO2-Richtlinien der EU einhalten zu können. „Wir wollen eine führende Rolle bei der CO2-Reduzierung einnehmen. Opel wird elektrisch“, sagte Lohscheller.

Die Werke in Deutschland will der Hersteller unter anderem dadurch auslasten, dass er weniger Fahrzeuge aus Korea importiert. Außerdem kündigte Lohscheller an, dass in Eisenach ab 2019 ein SUV vom Band laufen soll. In Rüsselsheim sei außerdem der Bau eines neuen Modells aus dem D-Segment geplant. Nähere Angaben zu beiden Projekten machte der Manager aber nicht.

Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim soll nach Aussagen von Tavares und Lohscheller eine bedeutende Rolle im PSA-Konzern einnehmen. Unter anderem soll der Standort Kompetenzzentrum für die Entwicklung von Brennstoffzellen, ausgewählten Assistenzsystemen und Technologien für das autonome Fahren werden. In Rüsselsheim sollen auch alle neuen Fahrzeuge von Opel und Vauxhall entwickelt werden – auch wenn Antriebe und Plattformen aus Frankreich kommen. So will der Hersteller die Komplexität in der Produktion reduzieren. Die Zahl der Plattformen soll von 9 auf 2 schrumpfen, die Zahl der Antriebsfamilien von 10 auf 4.

„Die Treppe wird von oben gekehrt“

Der Druck auf Michael Lohscheller in der ganzen Geschichte ist groß. So sagte Carlos Tavares etwa: „Die Führungsqualität des Managements wird eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung des Plans spielen. Die Geschäftsführung muss endlich ihre wichtigste Aufgabe erfüllen: das Unternehmen führen.“ Lohscheller folgte diesem Aufruf bereits am Donnerstag, er kündigte an, das Board of Directors bei Opel von bisher neun auf künftig sechs Mitglieder zu verkleinern. Auch den Stab an Führungskräften, die direkt an ihn Berichten, will der CEO verschlanken, und zwar von 20 auf 10 Personen. „Die Treppe wird von oben gekehrt“, verkündete Lohscheller.

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