Der Autosalon in Paris hat mehr als eine Million Besucher angezogen. Damit verlief der Publikumszuspruch trotz fehlender automobiler Zugpferde „sehr befriedigend“. Statt PS lockte die Mobilität von morgen die Besucher in die Hallen.
Auf dem Pariser Autosalon gab es nicht sehr viele Weltpremieren, jedoch ausreichend Publikum.
(Bild: Mondial de l'auto)
Die Pariser Autoshow „Mondial de l'auto“ ist nach Angaben ihres Direktors Jean-Claude Girot gut verlaufen, obwohl ihr Branchenbeobachter einen Bedeutungsverlust attestieren. Trotz der von 16 auf 11 Tage verkürzten Laufzeit kamen bis zum Torschluss am Sonntag nach seinen Aussagen „mindestens eine Million Besucher“. Das wären dann nur unwesentlich weniger Interessierte als bei der letzten und längeren Messe-Auflage, als 1,073 Millionen Gäste auf das Messegelände bei Versailles gekommen waren.
Die erreichte Besucherzahl von mehr als einer Million sei „sehr befriedigend“, so Girot. Er hatte im Vorfeld auf die Wünsche der Aussteller reagiert, die aus Kostengründen nicht mehr 16 Tage lang ausstellen wollten. Die kürzere Laufzeit habe funktioniert, sagte der Messe-Chef der Zeitung „Le Figaro“. Aus seiner Sicht habe die Autoshow mit neuen Technologien einschließlich der Elektroautos, aber auch mit diversen Neuheiten die Besucher angezogen.
Trotzdem ist es mit den Neuheiten nicht so ganz weit her. Bereits die letzten Auflagen der Messe, die seit 120 Jahren besteht und alle zwei Jahre stattfindet, hatten wenig Premieren der Hersteller angezogen. In diesem Jahr waren zudem große Marken der Messe ferngeblieben, darunter Volkswagen, Opel, Fiat, Jeep, Alfa Romeo, Ford, Nissan, Volvo und Mitsubishi. Sie stellen derzeit zusammen fast 40 Prozent der europäischen Neuwagen-Verkäufe.
Dennoch wählte etwa der erste vietnamesische Autobauer Vinfast die Pariser Automesse als Bühne für die Enthüllung seiner ersten beiden Modelle, der Limousine Lux A 2.0 und des SUVs Lux SA 2.0. Ebenfalls eine Weltpremiere erlebte der neue BMW 3er. Skoda gab mit der seriennahen Studie Vision RS einen Ausblick auf den Nachfolger des Rapid. Und auch Toyota präsentierte zwei wichtige Modelle: die nächste Generation des Kompaktfahrzeugs, das wieder Corolla heißen darf, sowie den Camry.
Auch manche Stromer-Studie gaben den Besuchern einen Eindruck von der Zukunft des Automobils. Ein Hingucker mit Heimspiel-Charakter war das Peugeot E-Legend Concept, das optisch eine Hommage an das legendäre 504 Coupé aus den späten 60er Jahren ist. Die klassische Karosserie mit der langen, flachen Motorhaube und dem eingezogenen Heck kommt ohne Außenspiegel und Türgriffe aus, dafür gibt es Mini-Kameras und Sensoren, die die Türen elektrisch öffnen.
Hie und da überraschen die Hersteller ihre Fans sogar noch auf Automessen. So gehörte für die Messebesucher der Porsche Speedster Concept sicherlich in die Kategorie „definitiv sehenswert“. Dabei handelte es sich um die seriennahe Variante eines Modells, das im kommenden Jahr in einer Auflage von 1.948 Stück (das Jahr, in dem der erste Porsche auf der Straße fuhr) ausgeliefert wird. Eine hochemotionale Art und Weise, der Baureihe 991 Lebewohl zu sagen, bevor wahrscheinlich Ende November der 992 vorgestellt wird.
Reichlich absurd wurde es am Renault-Stand: Anstelle des erwarteten und wohl auch sinnvollen neuen Clio zeigt Renault in Paris die überzeichnete Studie „EZ-Ultimo“. Das natürlich vollelektrische und natürlich vollautonome Konzept als Lounge für drei Personen misst gewaltige 5,70 Meter in der Länge und ist einfach formuliert: angsteinflößend. Eine Negativ-Studie, von der in einem Serien-Renault wohl nichts zu sehen sein wird.
Dann schon lieber der Renault K-ZE, ein elektrisch betriebenes Mini-SUV, das mit nur 3,68 Meter Länge Twingo-Maße hat und ein gutes Stück kleiner ist als der aktuelle Elektro-Kleinwagen Zoe. Unter dem Blech steckt die Plattform des bislang nur in Indien angebotenen Kwid, optisch wirkt der K-ZE wie ein verspielter Captur. Die Reichweite (noch nach NEFZ-Messung) soll bei 250 Kilometern liegen, über Akku und Antrieb verliert Renault noch keine Worte.
Elektrisch umgepolt zeigte sich ein Käfer, Typ 1302, aus dem Jahr 1971 auf dem Messegelände. Auf den ersten Blick sieht er original aus, doch aus dem Heck schlängelt sich ein grünes Elektrokabel zur Ladestation. Der Käfer tankt Strom, weil die französische Firma Brouzils dem Oldie ein modernes neues Innenleben eingebaut hat. Anstatt des luftgekühlten Boxers ist jetzt ein Elektromotor an Bord, der aus 37 Lithium-Ionen-Akkus mit einer Kapazität von 22 kWh versorgt wird. Damit kommt der Käfer auf 39 kW/53 PS, ist 160 km/h schnell und soll eine Reichweite von 250 Kilometern schaffen.
Eine weitere Skurrilität made in France hat Jerome Dauffy geschaffen, der einen typischen Strandbuggy samt Heckpropeller mit einem großen Gleitschirm gekreuzt hat. Damit gelang es ihm, den Ärmelkanal zu überfliegen. Der Pilot war auf dem verlassenen Militärflughafen in Ambleteuse bei Calais gestartet und hatte nach einer 59 Kilometer langen Reise über den Kanal westlich der englischen Stadt Dover wieder festen Boden unter den Rädern. Für das Abheben reichte eine Strecke von knapp 100 Metern. Einmal abgehoben, kann der Buggy mit Namen Pegasus 3.000 Meter hoch fliegen und bis zu 80 km/h schnell sein.
Stand: 08.12.2025
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