Offenheit für neue Technologien und ein breit aufgestelltes Geschäftsfeld zeichnen die freie Werkstatt aus Hohenwart aus. Das überzeugte die Jury und sicherte dem Betrieb einen Platz in den Top Ten des Deutschen Werkstattpreises 2020.
Ein Familienbetrieb mit Leidenschaft und Weitblick für das Werkstattgeschäft der Zukunft: Pickl Automobile in Hohenwart.
(Bild: Schreiner/»kfz-betrieb«)
Man nehme das klassische Service- und Reparaturgeschäft einer freien Werkstatt mit Privat- und Gewerbekunden und mische es mit einer Spezialisierung auf Elektromobilität in Kooperation mit der Deutschen Post. Abgeschmeckt mit einer guten Prise Abschleppdienst wurde daraus das Erfolgsrezept für die freie Werkstatt von Rudolf Pickl, Inhaber von Pickl Automobile im oberbayerischen Hohenwart.
Von Pickl selbst im Jahr 1998 gegründet, wurde es für seine freie Werkstatt bereits 2007 in den ursprünglichen Gebäuden zu eng, weshalb er mit den damals drei Mechanikern das heutige Firmengelände von einem VW-Händler in Hohenwart übernahm. Inzwischen beschäftigt er fünf Mechaniker, Service- und Abschlepppersonal. Eine Besonderheit bei Pickl: Auch seine beiden Söhne arbeiten im Betrieb mit und tragen zum Erfolg des Familienunternehmens wesentlich bei.
Ein Blickfang auf dem Gelände von Pickl Automobile sind die gelben Streetscooter-Transporter der Post. Seit vier Jahren ist Pickl im Servicegeschäft mit den Aachener E-Transportern tätig und damit ein Betrieb der ersten Stunde. Entsprechend hoch ist die Hochvoltkompetenz bei dem oberbayerischen Betrieb. Wie Pickl erklärt, verfügen alle Werkstattmitarbeiter sowie die Abschleppfahrer mindestens über die HV-Qualifikation Level 1. Pickl selbst und sein Werkstattmeister sind sogar auf Level 3.2 geschult.
Der Servicevertrag für die regionale Streetscooter-Flotte von 55 Fahrzeugen ist für Pickl in doppelter Hinsicht wichtig: Einerseits konnte er in seinem Betrieb dadurch früh das Hochvolt-Know-how entwickeln und sich so in seinem Einzugsgebiet einen guten Ruf als Experte für Elektromobilität aufbauen.
Parallel hilft ihm das E-Transportergeschäft dabei, ein möglichst ausgewogenes Verhältnis zwischen Gewerbe- und Privatkunden zu haben, was Teil seiner Strategie ist. Aktuell macht der Gewerbekundenanteil laut Pickl zwar etwa 60 Prozent aus. Damit sich Privat- und Gewerbekunden wieder die Waage halten, will Pickl mit einem neu eröffneten Standort des Unternehmens in Wolnzach vor allem neue Privatkunden für sich gewinnen.
Standbein Abschleppdienst
Dabei gab laut Pickel die Akquise von Privatkunden nicht den Ausschlag für die Gründung des zweiten Standorts. Vielmehr wird es auf dem Hohenwarter langsam zu eng, was nicht zuletzt an einem weiteren Standbein des Unternehmers liegt: Pickl Automobile betreibt einen Abschleppdienst mit vier Fahrzeugen. Zwei davon sollen künftig in Wolnzach stationiert werden. Damit könne er seinen Einsatzradius erweitern und gleichzeitig die Fahrzeugflotte am Hauptstandort reduzieren, so Rudolf Pickl. Für das Abschleppgeschäft hat der Unternehmer unter anderem Verträge mit der Polizei sowie mit Partnern wie dem GDV und dem AvD. Etwa zehn Prozent der abgeschleppten Fahrzeuge kommen laut Pickl anschließend zudem auch für die Reparatur in seine eigene Werkstatt: ein willkommenes Zusatzgeschäft für die freie Werkstatt.
Dass er für diese in modernes Equipment investiert, ist für den Unternehmer selbstverständlich, wie etwa bei der frisch installierten Scherenhebebühne, die für bis zu sechs Tonnen ausgelegt ist. Seine Mechaniker nutzen sie zudem für die Fahrzeugvermessung bei der Unfallinstandsetzung. Zu weiteren Anschaffungen zählen ein AU-Gerät sowie ein neuer Bremsenprüfstand. Auch die Direktannahme nimmt bei Pickl eine wichtige Rolle ein und so gibt es dafür eine eigens gebaute Halle, in der auch Hauptuntersuchungen durchgeführt werden können.
Kompetenz durch Kooperationen
Um im privaten Servicegeschäft solide aufgestellt zu sein, setzt Pickl hier ebenfalls auf Kooperationen und Partnerschaften, etwa über Werkstattkonzepte. Neben AD-Autodienst kooperiert der Unternehmer auch mit Eurorepar. Während Pickl bereits schon länger AD-Autodienst-Betrieb ist, entschloss er sich erst vor Kurzem dazu, sich auch dem Eurorepar-Konzept anzuschließen. Wie der Unternehmer erklärt, seien aufgrund der Nähe zu Ingolstadt zwar etwa 80 Prozent seiner Kundenfahrzeuge aus dem VAG-Konzern. Dennoch sei der Anteil beispielsweise an Autos der PSA-Gruppe in der jüngeren Vergangenheit deutlich gestiegen. Ein Umstand, dem er nun über das Eurorepar-Konzept besser gerecht werden könne, so Pickl.
Für das Autoglasgeschäft kooperiert er ebenfalls über G.A.S mit AGS-Autoglas-Spezialist. Das gläserne Zusatzgeschäft hat sich bei Pickl gut etabliert – etwa 20 Scheiben wechseln die Hohenwarter pro Monat, wovon etwa 20 Prozent über das gesteuerte Geschäft in den Betrieb kommen. Den größten Anteil des Geschäfts führt Pickl dabei auf seine gewerbliche Fuhrparkkundschaft zurück. Das gesteuerte Glasgeschäft ist für Pickl ein wichtiger Umsatzfaktor, den er auch anderen freien Werkstätten empfiehlt.
Stand: 08.12.2025
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Transparent und ehrlich
Es sei zwar auch mit einem gewissen Dokumentationsaufwand verbunden, allerdings ist dies für den Unternehmer ein wichtiges Element für einen guten Werkstattprozess. Egal ob gesteuertes Geschäft oder Privatkunde: Jeder Auftraggeber sollte einen transparenten Nachweis über Kostenvoranschläge und Reparaturaufwände erhalten können. Deshalb investiert der Unternehmer aktuell in eine neue Werkstattsoftware, über die Aufträge erfasst und durch den Werkstattprozess gesteuert werden. Jeder Mitarbeiter soll einen Laptop erhalten, mit dem er die Aufträge digital für seine Arbeitsschritte bearbeiten, auf Reparaturleitfäden zugreifen und auch den Aufträgen Fotos hinzufügen kann. Nicht zuletzt könne man solide und transparente Kostenvoranschläge inklusive Bilddokumentation für die Reparatur- und Zahlungsfreigabe erstellen. „Das sollte Stand der Technik in jeder Werkstatt sein“, so Pickl.
Es ist nicht zuletzt diese Transparenz und Ehrlichkeit gegenüber seinen Kunden, auf die Pickl den Erfolg seines Unternehmens zurückführt. Aber auch mit den Mitarbeitern lebt man bei der Hohenwarter freien Werkstatt eine familiäre und wertschätzende Atmosphäre, die sich auszahlt: Viele seiner Mitarbeiter sind seit vielen Jahren bei dem Unternehmer tätig und kennen dementsprechend die Kunden – samt ihrer Fahrzeuge und individuellen Wünschen. Ein Umstand, der wiederum bei den Kunden gut ankommt.