Plug-in-Hybride Die Brückentechnologie hat ihren Dienst erfüllt

Von Andreas Grimm

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Der Anteil der Plug-in-Hybride an den europäischen Neuzulassungen stagniert. Mittelfristig werde er zurückgehen, erwarten die Marktforscher von Dataforce. Noch gibt es allerdings Nischen für die Antriebsart.

Die große Zeit der Plug-in-Hybride ist nach Einschätzung der Marktforscher von Dataforce vorbei. Reine E-Autos werden immer wichtiger.(Bild:  Mercedes-Benz)
Die große Zeit der Plug-in-Hybride ist nach Einschätzung der Marktforscher von Dataforce vorbei. Reine E-Autos werden immer wichtiger.
(Bild: Mercedes-Benz)

Mit dem Ende der staatlichen Förderung der Plug-in-Modelle gerät die Zukunft der Technologie ins Wanken. Diese Entwicklung ist nach Angaben der Marktforschung Dateforce europaweit erkennbar, da die PHEV-Förderungen in verschiedenen Staaten auslaufen. Damit scheint nun auch von der Nachfrageseite her das Schicksal der Brückentechnologie besiegelt. Denn die Angebotsseite, die Hersteller, drängt es schon länger zum reinen E-Auto ohne Verbrennerkomponente.

Nach einer stürmischen Entwicklung der PHEV-Modelle, deren Anteil an allen Neuzulassungen in Europa in den Jahren 2019 bis 2021 von 1,0 Prozent auf 8,4 Prozent wuchs, stagniert die Nachfrage inzwischen: In den ersten acht Monaten des Jahres verharrte der PHEV-Marktanteil auf diesem Wert.

Weniger Zulassungen von Plug-ins

Wegen des allgemeinen Marktrückgangs sinkt die absolute Zahl der Neuzulassungen sogar. Der Anteil der batterieelektrischen Modelle an den Neuzulassungen steigt dagegen europaweit weiter: Seit dem zweiten Quartal 2021 haben sie die PHEV in der Zulassungsstatistik durchgängig überholt.

Allerdings ist die Entwicklung nicht durchgängig gleich, die regionalen Unterschiede sind erheblich. So können die PHEV-Verkäufe überall dort noch wachsen, wo keine ausreichende Ladeinfrastruktur zur Verfügung steht. In diesen Ländern oder Regionen dienen Plug-in-Modelle weiterhin als Brückentechnologie in eine elektrifizierte Zukunft.

Zu sehen ist diese Entwicklung insbesondere in Spanien und Italien sowie in den meisten Länder Osteuropas. In Spanien kletterte der PHEV-Anteil von 4,5 Prozent auf 5,6 Prozent. Der Markt ist noch nicht ausgeschöpft. Allerdings hat sich Spanien ehrgeizige Elektroziele gesetzt – nicht zuletzt im Bunde mit dem heimischen Hersteller Seat.

Nachfrage von Flottenbetreibern geht zurück

Sichtbar wird die einknickende Nachfrage insbesondere am Flottenmarkt. Dieser Kundenkreis galt lange als Treiber der PHEV-Entwicklung. Firmen- und Gewerbekunden nahmen über Jahre hinweg etwa doppelt so viele Fahrzeuge ab als Privatkäufer. Nun sank der Anteil der Plug-in-Modelle bei den Gewerbekundenzulassungen von 14 Prozent im Jahr 2021 auf derzeit 12 Prozent. Ursächlich für die Entwicklung waren Steuervorteile für Plug-in-Hybride in unterschiedlicher Form und in verschiedenen Ländern.

Dass der Plug-in-Antrieb immer mehr aufs Abstellgleis fährt, zeigt sich auch bei den Modellplanungen der Autobauer: Laut einer Dataforce-Erhebung werden in den Jahren 2023 bis 2025 rund 160 neue BEVs auf den Markt kommen, darunter völlig neue Fahrzeuge oder vollelektrische Varianten laufender Modelle. Bei den PHEVs wird es aber nur rund 50 Neuerungen geben, inklusive vieler Modellwechsel von bestehenden Generationen. „Komplett neue PHEV-Modelle bleiben also rar“, so Dataforce.

Plug-ins in kleineren Segmenten

Derzeit verlagert sich der PHEV-Markt in die kleineren Fahrzeugklassen, wo nur wenig BEV-Modelle angeboten werden: Laut Dataforce sind rund 60 Prozent aller SUV, die mit einem Plug-in-Hybrid ausgestattet sind, inzwischen Kompakt-Modelle. Große SUV mit Plug-in-Technik stellen nur noch 10 Prozent.

Doch auch dieses PHEV-Refugium ist bedroht, wenn die Hersteller ab 2024/2025 volumenstarke Klein- und Kompaktwagen auf den Markt bringen, beispielsweise VW mit dem ID.2. „Spätestens dann sind die Tage der PHEVs gezählt“, erwartet Dataforce.

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