Wer eine Fahrerlaubnis braucht, muss inzwischen viel Geld mitbringen – bis zu 4.000 Euro sind keine Seltenheit. Nun sucht die Politik Möglichkeiten, den Preisauftrieb zurückzudrehen. Es gibt einige Ansatzpunkte.
Der Führerschein ist zum Luxusgut geworden. Nun will die Politik gegensteuern.
(Bild: Car2Go)
Der Erwerb des Führerscheins ist deutlich teurer geworden – Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder plant nun, ihn günstiger zu machen. Der CDU-Politiker sagte in einem Videointerview der Deutschen Presse-Agentur, ein Führerschein sei immer noch wichtig für viele in Deutschland. „Deshalb müssen wir schauen, wo können wir Kosten dämpfen.“ Schnieder kündigte einen Runden Tisch dazu an, um mit anderen Ministerien, Ländern und Verbänden Lösungen für einen günstigeren Führerschein zu entwickeln. „Wir müssen ihn finanziell attraktiver machen, weil es eben eine zu starke Belastung ist.“
„Der Führerschein ist in den letzten Jahren sehr, sehr teuer geworden. 4.000 oder 4.500 Euro für einen Führerschein ist sehr, sehr viel Geld“, sagte Schnieder. „Wenn Sie sich mal eine Familie anschauen: Der Sohn, die Tochter mit 18 Jahren oder auch 19, 20 Jahren macht den Führerschein und es sind noch weitere Kinder da, dann ist das unheimlich viel Geld für Familien.“ Auf die Frage, wie wichtig ein bezahlbarer Führerschein für die individuelle Mobilität sei, sagte er: „Das ist für den ländlichen Raum im Moment unverzichtbar. Da brauchen Sie in der Regel ein Auto, sind Sie darauf angewiesen.“
Wie das Statistische Bundesamt im April mitgeteilt hatte, erhöhten sich die Preise für Fahrschule und Führerscheingebühr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent. Das war deutlich mehr als die allgemeine Erhöhung der Verbraucherpreise. Schon in den Jahren davor seien die Fahrschul- und Führerscheinpreise überdurchschnittlich stark gestiegen.
Ursachen für die höheren Kosten seien unter anderem gestiegene Fahrzeug-, Sprit- und vor allem Personalkosten infolge der Inflation, so der ADAC. „Diese bewirken, dass das Preisniveau vieler Fahrschulen nach oben geht.“ CDU, CSU und SPD haben bereits in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt: „Unter Wahrung hoher Standards wird die Fahrausbildung reformiert, um den Führerscheinerwerb bezahlbarer zu machen.“
Politik plant runden Tisch
Schnieder kündigte einen Runden Tisch in einem „überschaubaren Zeitraum“ an. Dabei solle betrachtet werden, welche Komponenten es gibt, welche Ursachen die Teuerung in den letzten Jahren verursachten und an welchen Stellen über Regelungen, über Maßnahmen die Kosten gedämpft werden könnten.
Es gebe Kostensteigerungen bei Fahrschulen, sagte der Minister mit Blick auf Kraftstoffe, Mieten für Räume und Personalkosten. Dann gebe es Gebühren für Prüfungen und die Preise der Fahrstunden. Eine weitere Frage sei, wie viele Fahrstunden absolviert werden müssten und wie viele Leute durchfallen.
In der Klasse B, dem klassischen Pkw-Führerschein, gab es 2024 eine hohe Durchfallquote, wie der TÜV-Verband im März mitgeteilt hatte. Demnach fielen 45 Prozent der Fahrschülerinnen und Fahrschüler durch die Theorieprüfung, mehr als ein Drittel (37 %) scheiterte in der ersten praktischen Prüfung.
Das sagt der Fahrlehrerverband
„Der Pkw-Führerschein kostet im Regelfall 2.500 bis 3.500 Euro. Es gibt aber auch Ausreißer nach oben mit 4.000 Euro“, sagt Kurt Bartels, Vizevorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. „Wir müssen gestiegene Kosten an die Kunden weitergeben“, begründet Bartels mit Blick auf die Inflation und höhere Energiepreise die Entwicklung. Außerdem seien zum Beispiel Werkstatt-Termine für ein Auto viel teuer geworden.
Außerdem bräuchten Fahrschüler mehr Fahrstunden, weil es höhere Prüfungsanforderungen gebe. Der Straßenverkehr sei viel komplexer geworden, ebenso wie die Technik in den Autos. „Junge Leute brauchen immer mehr Fahrstunden.“ Dazu komme: Die theoretischen Prüfungen seien komplexer geworden. Dadurch sei die Wahrscheinlichkeit durchzufallen, größer geworden.
Wie kann man den Führerschein bezahlbarer machen? „Der Fragenkatalog müsste abgespeckt und durchforstet werden, damit die Wahrscheinlichkeit steigt, im ersten Anlauf zu bestehen“, sagt Bartels. Und: „Wenn dem Gesetzgeber ein bezahlbarer Führerschein wichtig ist, sollte die Fahrausbildung subventioniert werden, das können wir dann an die Kunden weitergeben.“
„Jede Wiederholung einer Prüfung treibt die Kosten in die Höhe, denn es fallen erneut die Prüfungsgebühren, die Vorstellungskosten durch die Fahrschule und in der Regel Kosten für weitere Fahrstunden an“, sagt Fani Zaneta, Referentin beim TÜV-Verband. Deshalb sei es zentral, die Mobilitätsbildung früh zu stärken – etwa in der Schule. Denn wenn junge Menschen mit mehr Verständnis für den Straßenverkehr in die Fahrausbildung starten, bräuchten sie oft weniger Fahrstunden und könnten Prüfungen eher auf Anhieb bestehen.
Stand: 08.12.2025
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