Porsche-Allradlenkung: Um die Ecke gedacht
Der Turbo ist das Flaggschiff der 911-Familie. Dementsprechend verwendet Porsche die besten und teuersten Komponenten. Neu ist nun eine Allradlenkung. Die gab es schon mal – mit überschaubarem Erfolg.

Der Allradantrieb hat sich im Pkw längst durchgesetzt. Die Allradlenkung hingegen ist weiterhin eine Nischen-Technik. Nun versucht Porsche mit dem 911 Turbo, der Ende September auf den Markt kommt, einen neuen Anlauf.
Die Vorteile mitlenkender Hinterräder sind unbestritten: Sie erhöhen die Wendigkeit, sorgen für stabilere Kurvenlage, bieten ein Sicherheitsplus bei hohen Geschwindigkeiten und mindern zudem den Reifenverschleiß. Vor allem die drei ersten Punkte machen sie für Sportwagen besonders attraktiv. So verspricht sich auch Porsche von seiner sogenannten Hinterachslenkung vor allem mehr Fahrdynamik. Quasi als Nebeneffekt soll sich der immerhin rund 165.000 Euro teure Supersportwagen auch leichter ohne Beulen in enge Parklücken quetschen lassen.
Das Funktionsprinzip ist einfach. Anstelle der Spurlenker an der Hinterradaufhängung kommt beim 911 Turbo links und rechts ein elektromechanischer Motor zum Einsatz, der die Räder um bis zu 2,8 Grad schwenken kann. Mit bloßem Auge ist das kaum zu sehen, vom Fahrersitz aus soll der Effekt jedoch deutlich zu spüren sein.
Bei Geschwindigkeiten bis 50 km/h schlagen die Hinterräder entgegen dem Lenkeinschlag an der Vorderachse ein, was den Wendekreis deutlich reduziert. Der Fachmann spricht von „einer virtuellen Verkürzung des Radstands“ um 25 Zentimeter. Man kann sich das grob so vorstellen wie bei einem Sattelschlepper, der um die Kurve fährt. Weil der Anhänger dabei abknickt, rücken Vorder- und Hinterachse in der Luftlinie enger zusammen. Beim Porsche Turbo ist die Verringerung des Wendekreises beim Einparken aber nur ein Teileffekt. Stärker kommt die erhöhte Agilität bei der Fahrt in engen Kurven zum Tragen.
Bei höherem Tempo ab 80 km/h folgen die Hinterräder hingegen mit ihrem Einschlag der Vorderachse. Dadurch verlängert sich der Radstand beim Turbo virtuell um 50 Zentimeter und die Fliehkräfte werden minimiert – gut für die Spurstabilität und schnelle Kurvenfahrten. Allein von der Hinterachslenkung verspricht sich Porsche zwei Sekunden Zeitvorteil auf der Nordschleife des Nürburgrings. Unterm Strich soll der neue Turbo mit seinen bis zu 412 kW/560 PS die Strecke in weniger als 7:30 Minuten schaffen.
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