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Porsche Classic fertigt seltene Teile im 3D-Druck

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Für rare Klassiker können fehlende Ersatzteile schnell zum Problem werden. Porsche Classic schafft jetzt Abhilfe: Mit 3D-Druckern werden Teile, die extrem selten sind und nur in geringen Stückzahlen benötigt werden, „einfach“ nachgedruckt

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Seltene benötigte Ersatzeile wie dieser Spiegelfuß eines Porsche 911 Speedster lassen sich mittels 3D-Druck zu akzeptablen Kosten nachfertigen.
Seltene benötigte Ersatzeile wie dieser Spiegelfuß eines Porsche 911 Speedster lassen sich mittels 3D-Druck zu akzeptablen Kosten nachfertigen.
(Bild: Porsche AG)

„Nicht mehr lieferbar“, schallt es Besitzern von Young- und Oldtimern oft vom Ersatzteiltresen entgegen. Und auch wenn Besitzer eines alten Porsche mit zum Teil absurden Ersatzteilpreisen zu kämpfen haben: Immerhin kann ihr Hersteller vieles noch oder wieder liefern. So umfasst das Sortiment von Porsche Classic aktuell rund 52.000 Teile. Ist ein bestimmtes Ersatzteil nicht mehr auf Lager oder geht der Bestand zur Neige, wird es in der Regel mit den Originalwerkzeugen nachgefertigt. Bei größeren Stückzahlen kommt auch die Produktion mit neuen Werkzeugen infrage. Dagegen stellt die Versorgung mit Ersatzteilen, die nur wenig nachgefragt werden, auch den Stuttgarter Hersteller vor Herausforderungen.

Die Lösung des Problems verspricht der 3D-Druck. Die kontinuierlich steigende Qualität der sogenannten additiven Herstellungsverfahren bei sinkenden Kosten ist für die Fertigung kleiner Stückzahlen eine wirtschaftliche Alternative. Beispielsweise für den Kupplungsausrückhebel des Porsche 959. Das Bauteil aus Grauguss unterliegt hohen qualitativen Anforderungen, wird aber – nicht zuletzt aufgrund der mit nur 292 Stück geringen Produktionszahl des Supersportwagens – selten benötigt.

Wenn das Gesenk nicht mehr vorhanden ist, ist der 3D-Druck auch für vermeintlich einfache Bauteile eine alternative Fertigungsmethode, wie dieser Haltewinkel am Wärmetauscher der Abgasanlage für die Porsche-Typen 356 B und 356 C zeigt.
Wenn das Gesenk nicht mehr vorhanden ist, ist der 3D-Druck auch für vermeintlich einfache Bauteile eine alternative Fertigungsmethode, wie dieser Haltewinkel am Wärmetauscher der Abgasanlage für die Porsche-Typen 356 B und 356 C zeigt.
(Bild: Porsche AG)

Als Fertigungsverfahren bietet sich deshalb das selektive Laserschmelzen an: Für den Ausrückhebel wird pulverförmiger Werkzeugstahl computergesteuert in einer weniger als 0,1 Millimeter dünnen Schicht auf eine Bearbeitungsplatte aufgetragen. Ein energiereicher Lichtstrahl schmilzt das Pulver an den gewünschten Stellen unter einer Schutzgasatmosphäre zu einer Stahlschicht. So entsteht Schicht für Schicht das komplette dreidimensionale Bauteil. Sowohl die Druckprüfung mit einer Belastung von knapp drei Tonnen als auch die tomografische Untersuchung auf innere Fehler muss der „gedruckte“ Ausrückhebel anschließend bestehen. Praxistests mit Einbau in ein Versuchsfahrzeug und ausgiebigen Fahrversuchen bestätigen die Qualität und Funktion des nachgefertigten Bauteils.

Aufgrund der durchweg positiven Erfahrungen fertigt Porsche aktuell acht weitere Teile im 3D-Druck. Es handelt sich um Stahl- und Leichtmetallteile und um Komponenten aus Kunststoff, die per SLS-Drucker hergestellt werden. SLS steht für selektives Lasersintern, bei dem der Werkstoff bis knapp unter den Schmelzpunkt erhitzt und die Restenergie durch einen Laser aufgebracht wird, um das Kunststoffpulver an dieser Stelle selektiv aufzuschmelzen.

Für alle Teile gelten mindestens die Qualitätsanforderungen des ursprünglichen Produktionszeitraums; in der Regel erfüllen sie noch höhere Standards. Porsche Classic prüft derzeit für weitere 20 Bauteile, ob sich für deren Fertigung der 3D-Druck eignet. Die Vorteile: dreidimensionale Konstruktionsdaten oder ein 3D-Scan des Bauteils genügen als Ausgangsbasis für die Produktion. Die Komponenten sind bei Bedarf auf Abruf herstellbar, damit entfallen Werkzeug- und Lagerkosten.

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