Auto Expo hat seine Prozesse im Griff: Bis zu 100 Fahrzeuge kann das Unternehmen aus Fernwald bei Gießen pro Tag hereinnehmen und verkaufen. Mit einer Reihe an Projekten will die Tochter der Deutschen Leasing ihre Leistungsfähigkeit und Retailquote noch weiter steigern.
Der Gebrauchtwagen-Megastore in Fernwald wurde 2013 eröffnet.
(Bild: Simon – VCG)
Auto Expo bezeichnet sich selbst als Prozess- und Verkaufsmaschine. Das scheint keineswegs zu hoch gegriffen, wenn man sich die Zahlen des in Fernwald bei Gießen angesiedelten Unternehmens ansieht. Im letzten Geschäftsjahr vermarktete Auto Expo rund 15.500 Fahrzeuge und erzielte 280 Millionen Euro Umsatz – mit lediglich 51 eigenen Mitarbeitern und ungefähr derselben Zahl an Beschäftigten von Dienstleistern. In der Spitze kann Auto Expo 100 Fahrzeuge pro Tag verkaufen.
Diese Geschwindigkeit ist auch einem gewissen Druck geschuldet: Auto Expo ist eine Tochter der Deutschen Leasing, die zur Sparkassen-Finanzgruppe gehört. In Fernwald werden die Leasingrückläufer der Muttergesellschaft vermarktet – und damit kommen täglich Fahrzeuge auf den Hof, die schnell gedreht werden müssen. Im Schnitt gelingt das bei Auto Expo binnen 23 Tagen. Dafür müssen die Prozesse von der Hereinnahme, Bewertung, Aufbereitung bis zur Auslieferung sitzen. „Bestandsmanagement steht auf unserer Prioritätenliste weit oben“, betont Geschäftsführer Dennis Schmidt, „wenn wir hier 60 oder 70 Standtage hätten, dann würde unser Platz nicht reichen.“ Und das, obwohl Auto Expo davon reichlich zur Verfügung hat; das Gelände ist 68.000 Quadratmeter groß. Längere Standzeiten toleriert Schmidt nur bei besonderen Fahrzeugen, die sich hin und wieder unter den Bestand mischen, etwa ein Rolls-Royce oder ein Ferrari. „Aber wenn ein silberner Passat Variant 90 Tage steht, dann ist alles schiefgelaufen“, bringt es Schmidt auf den Punkt.
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Für die Muttergesellschaft ist Auto Expo ein wichtiger Pfeiler des Gesamtgeschäfts. Zuletzt trug Auto Expo 27 Millionen Euro zu deren Ergebnis bei. Das ist „ein elementarer Bestandteil unseres Gesamtergebnisses“, berichtet Michael Orth, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Leasing im Geschäftsfeld Mobility. Darauf sei man „sehr stolz“.
Gründung als reiner B2B-Händler
Auf den weitläufigen Ausstellungsflächen können Kunden ihre Wunschfahrzeuge in Augenschein nehmen, aber nicht probefahren. 30 Prozent der Verkäufe des Händlers gehen mittlerweile auf Endkunden zurück.
Das war nicht immer so. Die Geschichte des Unternehmens geht zurück bis 1989, als Auto Expo in Gießen-Linden gegründet wurde, ausschließlich als B2B-Händler. Über die Jahre folgen erste Schritte im B2C-Geschäft über ein angemietetes Endkundenzentrum. „Wir haben gemerkt, dass wir es können“, erzählt Schmidt. 2013 wurde der aktuelle Standort in Fernwald innerhalb eines dreiviertel Jahres gebaut. „Wir sind hier ganz klar mit dem Fokus gestartet, als Autohaus zu agieren, nicht nur als Großhändler“, sagt Schmidt. Auto Expo nahm sich vor, das B2C-Geschäft „ganz anders zu forcieren“.
Für die Zukunft peilt das Unternehmen an, die Retailquote auf 50 Prozent zu steigern. Das Endkundengeschäft ist deutlich margenträchtiger und bietet Chancen, weitere Erträge über Zusatzleistungen zu generieren.
Um das Endkundengeschäft voranzutreiben, möchte Auto Expo die eigene Bekanntheit steigern. Im Februar hat das Unternehmen daher eine große Marketingkampagne gestartet. Als Testimonial hat sich der Händler den Comedian Martin „Maddin“ Schneider an Bord geholt, der als hessisches Original mit seinem breiten Dialekt die lokale Verwurzelung von Auto Expo unterstreichen soll. Unter anderem wirbt das Unternehmen mit Maddin auf Plakaten und mit Reels, also kurzen Videos auf Social-Media-Plattformen.
Maddin wird auch als Stargast bei einem Elektromobilitätstag auftreten, bei dem sich alles um gebrauchte E-Autos drehen wird. Viele Kunden zögern noch, wenn es um die Anschaffung eines Stromers aus Vorbesitz geht. Mit dem Event möchte Auto Expo Berührungspunkte schaffen, Kunden ihre Sorgen nehmen, Bedarfe abfragen und passende Elektroautos empfehlen. Wer möchte, kann mit einem Verkäufer eine Probefahrt machen. Mit eingebunden sein werden auch lokale Vereine und Einrichtungen. Trotz der eigenen Größe will sich Auto Expo als nahbar zeigen, nicht als Platzhirsch am Ort.
Das Endkundengeschäft stärken soll auch ein großes Projekt, das sich gerade noch in der Planung befindet: 2025 hat Auto Expo auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein zusätzliches Gelände erschlossen, das einen weiteren Hektar Platz bietet und derzeit als Parkplatz genutzt wird. Dort soll nach Vorstellung des Händlers ein „Dienstleistungsleuchtturm“ entstehen. „Wir haben viele Unternehmen hier vor Ort, die auch Dienstleistungen für Privatkunden anbieten“, sagt Schmidt, zum Beispiel die Hauptuntersuchung durch den TÜV, die Scheibenreparatur durch Carglass oder Aufbereitung und Smart Repair durch APZ. „Wir versprechen uns davon, ein Dienstleistungsmagnet in der Region zu werden“, sagt Schmidt. Kunden sollen wissen, dass sie mit allen Fragen rund um ihr Auto nach Fernwald kommen können. „Nicht jeder sucht heute ein Auto, aber die Menschen werden sich in zwei Jahren an uns erinnern, wenn sie ohnehin öfter auf dem Gelände sind.“ 2026 möchte Auto Expo die nötigen Weichen stellen, um die Vision in die Realität umzusetzen.
Stand: 08.12.2025
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Neue IT-Infrastruktur
Bei einem anderen Projekt namens „IT next Level“ ist die Umsetzung bereits in vollem Gange: Das ERP-System wird in Microsoft Azure überführt. Rund 3,5 Millionen Euro investiert das Unternehmen in das neue System, das vor allem den Schutz vor Cyber-Bedrohungen erhöhen soll. Teil des Projekts ist auch die Optimierung und Verbesserung der Auffindbarkeit der Website, erklärt der Geschäftsführer. „Damit erwarten wir uns nochmal eine ganz andere Nachfrage.“