Concours of Elegance Germany Regen, der auf Nitrolack fällt

Aktualisiert am 31.07.2025 Von Dipl.-Ing. (FH) Kfz-Technik Peter Diehl 3 min Lesedauer

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Ende Juli fand in Gmund am Tegernsee der zweite Concours of Elegance Germany statt. Äußerst seltene und hochwertige Fahrzeuge trafen auf einen Veranstalter ohne Händchen für die erforderliche Infrastruktur und auf eine Jury mit fragwürdiger Kompetenz.

Delage D8 Roadster, karossiert von Ateliers Henri Chapron 1931 und restauriert von René Große über mehrere Jahre bis 2025. Preisträger in der Kategorie „Chapron class“. Die gläserne Kühlerfigur „Spirit of the wind“ stammt vom französischen Luxusgüterhersteller Lalique.(Bild:  Peter Diehl)
Delage D8 Roadster, karossiert von Ateliers Henri Chapron 1931 und restauriert von René Große über mehrere Jahre bis 2025. Preisträger in der Kategorie „Chapron class“. Die gläserne Kühlerfigur „Spirit of the wind“ stammt vom französischen Luxusgüterhersteller Lalique.
(Bild: Peter Diehl)

Sonnabend, 26. Juli: Am Tag des Besuchs der »kfz-betrieb«-Redaktion regnete es in Strömen. Doch das hielt auch andere Besucher nicht davon ab, das zur Gemeinde Gmund gehörige Gut Kaltenbrunn unmittelbar nördlich des Tegernsees anzusteuern. Dort fand zum zweiten Mal der Concours of Elegance Germany statt, ein Ableger des Concours of Elegance at Hampton Court Palace in London. Veranstalter: Thorough Events Germany.

Dorthin zu gelangen, war allerdings nicht einfach. Wer in den Augen des Veranstalters nicht als VIP galt, hatte Fußwege bis zu 3,5 Kilometer auf sich zu nehmen. Die Folge war wildes Parken an den Rändern von Straßen und Feldwegen in der Nähe des Guts. Eine nochmalige Verschlechterung gegenüber der ohnehin schon notdürftigen Parksituation während der Premierenveranstaltung im vergangenen Jahr: auf einer ungemähten Wiese in einem Kilometer Entfernung für zwölf Euro pro Fahrzeug.

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Kritik verdient auch die Jury für die Wahl des Fahrzeugs „best of show“ – sofern hier der Begriff Jury überhaupt gerechtfertigt ist. Denn als Jury fungierten die Eigner der zum Concours angemeldeten Fahrzeuge, die – das jeweils eigene Fahrzeug ausgenommen – Punkte vergaben. „Owner-led awarding“ nennt der Veranstalter das Prozedere. Auf gut Deutsch: Selbstzertifizierung im erweiterten Sinn.

So verwundert es nicht, dass ein Austro-Daimler ADR 635 Bergmeister die „Best of show“-Trophäe erhielt. 1932 als Limousine auf die Welt gekommen, erhielt er in jüngerer Vergangenheit eine Cabriolet-Karosserie mit flachem Hardtop. Die Vorgehensweise, dem Chassis später eine andere, an die Bedürfnisse des Besitzers oder an den Zeitgeist angepasste Karosserie aufzusetzen, gab es bis in die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch die genaue Betrachtung dieses Fahrzeugs wirft Fragen auf.

Kaum einer vom Fach, aber alles Experten

Karosserie und Chassis passen nicht zusammen, erkennbar an Länge und Einbauwinkel der Lenksäule und resultierend an der Position des Lenkrads. Hinter dem Lenkrad nimmt der Fahrer eine Körperhaltung ein, vergleichbar mit Peter Fondas Haltung auf der Harley-Davidson im Kinofilm „Easy Rider“. Beim Lenken scheinen die Handrücken die Innenseite des Hardtops zu berühren. Und das Hardtop selbst erweckt den Eindruck, aus faserverstärktem Kunststoff (GFK) gefertigt zu sein – ein Material, das erstmals an US-Fahrzeugen der 1950er-Jahre verwendet wurde.

Gezeigt wurde der Austro-Daimler bereits 2023 während der Classic-Gala Schwetzingen. Die dortigen Juroren erkannten die Unstimmigkeiten und ordneten dem Fahrzeug keine Trophäe der ersten Kategorie zu. Zitat des Jurychefs Robert Schramm: „Äußerlich ein hinreißendes Auto. Zum ‚Best of show‘ hat es in Schwetzingen aber nicht gereicht.“

Unter den am Tegernsee anwesenden tatsächlichen Fachleuten wurde ein anderes Fahrzeug als „Best of show“ gehandelt: ein Delage D8 Roadster, karossiert von Ateliers Henri Chapron 1931 und restauriert von René Große über mehrere Jahre bis 2025 (siehe Titelbild). Lackiert im historisch korrekten Nitromaterial und gekrönt von der gläsernen Kühlerfigur „Spirit of the Wind“ des französischen Luxusgüterherstellers Lalique. Ob die Entscheidung der Jury darin begründet lag, dass sein Besitzer bereits 2024 für ein Lancia Astura Series 4 Pininfarina Cabriolet die „Best of show“-Trophäe erhielt? Immerhin gewann der Delage heuer in der Kategorie „Chapron class“.

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Vielleicht gelingt es dem Veranstalter im dritten Anlauf, die eigene Leistung bezüglich Infrastruktur und Jury auf ein der Mehrheit der ausgestellten Fahrzeuge entsprechendes Niveau zu heben.

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