Reifenmarkt: Es droht keine Knappheit

Autor / Redakteur: Das Gespräch führte Jan Rosenow / Jan Rosenow

Der Vorsitzende des BRV, Stephan Helm, erklärt den unerwarteten Marktrückgang 2019 und gibt einen Ausblick auf das aktuelle Jahr. Wichtigste Botschaft: Trotz Corona-bedingter Produktionseinschränkungen sind genügend Reifen im Markt.

BRV-Vorsitzender Stephan Helm: „Der Absatz von Ganzjahresreifen im Pkw-Segment ist überproportional gestiegen.“
BRV-Vorsitzender Stephan Helm: „Der Absatz von Ganzjahresreifen im Pkw-Segment ist überproportional gestiegen.“
(Bild: © Koelnmesse GmbH/Andreas Hagedorn)

Redaktion: Der BRV hat 2019 ein leichtes Wachstum auf dem Reifenmarkt prognostiziert. Jetzt ist es allerdings doch ein spürbarer Rückgang geworden. Wo liegen die Gründe dafür?

Stephan Helm: Bedingt durch die milde Witterung in der Wintersaison 2019/2020 gab es im vergangenen Jahr ein extrem schwaches Wintergeschäft in dem mit Abstand größten Absatzsegment Pkw-/4x4-Reifen. Da das milde Klima zudem viele Autofahrer nicht zur Beibehaltung des Wechsels zwischen Sommer- und Winterbereifung animiert, ist der Absatz von Ganzjahresreifen in diesem Segment überproportional gestiegen – zulasten von Sommer- und Winterreifen. Dies führte im Bereich Pkw/4x4 allein zu einem Gesamt-Absatzrückgang von 1,9 Millionen Reifen. Die Steigerung des Ganzjahresreifenverkaufs um eine Million Stück konnte die rückläufigen Stückzahlen bei Winterreifen (1,7 Millionen weniger im Vergleich zu 2018) und bei Sommerreifen (1,2 Millionen weniger als im Vorjahr) nicht kompensieren. In der Produktgruppe Llkw-Reifen war der Rückgang deutlich schwächer, wobei hier zukünftig der Anteil an Ganzjahresreifen auch weiter steigen wird. Hinzu kommt: Die Fahrleistung war im vergangenen Jahr im Durchschnitt zwar relativ stabil, aber die Differenzierung zwischen Wenigfahrern (mit steigendem Trend zu Ganzjahresreifen) und Vielfahrern nimmt weiter zu.