Renault bedient sich beim Qashqai

In den vergangenen Jahren war Renault im SUV-Segment kaum präsent. Statt des glücklosen Koleos soll ab Mitte 2015 ein Qashqai-Ableger dem Fabrikat Kunden in dem Boom-Segment verschaffen.

Läuft hier ein Qashqai vom Band oder bereits der Renault-Klon? Die französische Marke will jedenfalls ein Stück weit vom Qashqai-Erfolg profitieren.
Läuft hier ein Qashqai vom Band oder bereits der Renault-Klon? Die französische Marke will jedenfalls ein Stück weit vom Qashqai-Erfolg profitieren.
(Foto: Nissan)

Im nächsten Jahr will der französische Autobauer sein SUV-Angebot erneuern. Dies bestätigen sowohl Händler als auch Vertreter aus dem Unternehmen gegenüber »kfz-betrieb«. Bereits im Juni will der Autobauer voraussichtlich den kaum nachgefragten Koleos ersetzen.

Die gute Nachricht für das Renault-Netz ist allerdings zugleich ein Schlag für die Nissan-Partner, denn die Basis für das neue SUV liefert das Zugpferd der Konzern-Schwester Nissan. Medienberichten zufolge wird das neue Renault-SUV sowohl Plattform als auch Motoren mit dem Qashqai teilen.

Entsprechend sind die Befürchtungen der Nissan-Partner groß, dass durch die gemeinsame Plattform der Wettbewerb angeheizt wird und ein Kannibalisierungseffekt entsteht. Zwischen „bedenklich, wenn der Bestseller bei der Konkurrenz angeboten wird,“ bis zur „absoluten Katastrophe, wovon sollen wir dann noch leben?“, reichen die Reaktionen.

Für die deutschen Nissan-Partner ist der uneingeschränkte Erfolg des Qashqai überlebensnotwendig. Laut Kraftfahrt-Bundesamt erzielte die japanische Marke im vergangenen Jahr rund 55.000 Neuzulassungen, jede zweite davon war ein Qashqai. Das Modell ist dabei nicht nur Volumen-, sondern auch Margenbringer für die Nissan-Händler. Beides würde durch einen Renault-Klon bis zur Existenzgefahr unter Druck geraten, heißt es aus der Händlerschaft.

Thomas Hausch, Geschäftsführer von Nissan Center Europe, sieht die Entwicklung dagegen entspannt. Wenn beide Marken auf die gleiche Plattform zurückgreifen, profitiere der Kunde wegen der höheren Stückzahlen am Ende von einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. „Natürlich müssen die Modelle unverkennbar die Identität von Nissan und Renault haben und individuell auf die jeweiligen Markenimages einzahlen“, schränkt er ein.

Während bei Nissan der SUV-Absatz die Hauptrolle spielt, hat Renault den Markt in den vergangenen Jahren kaum bedient. Seit Mitte 2013 bieten die Franzosen den Captur an. Davor verkauften sie lediglich den Koleos, der allerdings kaum nachgefragt war. Von dem SUV, der mithilfe der Konzernschwestern Samsung und Nissan gebaut wird, verkauften die deutschen Händler im vergangenen Jahr weniger als 1.200 Einheiten; Tendenz sinkend.

Im laufenden Jahr wurde der Koleos (741 Neuzulassungen bis September) sogar noch vom Lada Taiga, dem früheren Niva, in der Zulassungsstatistik überholt (754 Neuzulassungen bis September) . Dabei haben die Russen an ihrem Modell seit 1976 kaum etwas verändert

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