Dieser Gallier sollte die Avantgarde und die Raffinesse der göttlichen DS in die Zukunft führen: eine Mission, die der 1974 vorgestellte Citroën CX über 17 Jahre in Millionenauflage erfüllte. Sowohl vor Präsidentenpalästen als auch in deutschen TV-Krimis.
Durch die legendäre hydropneumatische Federung war die Bodenfreiheit des CX vier Stufen variierbar. Die zweikreisige Vierrad-Scheibenbremsanlage mit Bremskraftverstärker war ebenfalls in das Hydrauliksystem integriert.
(Bild: Citroën/Stellantis)
Pinguin-Alarm im Elysée-Palast: Vor 50 Jahren propagierte der neu gewählte französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing (kurz VGE genannt) futuristische Fahrzeuge, deren Stromlinienform sich am Vorbild der tierischen Polarbewohner orientierte. Ob Überschalljet Concorde, der 430 km/h schnelle Aérotrain, der 1974 initiierte Hochgeschwindigkeitszug TGV oder der revolutionäre Citroën CX – Giscard d’Estaings neuer Dienstwagen –, sie alle waren extrem schnell, weil die Luft an ihnen vorbeiglitt, ähnlich wie Wasser an einem Pinguin. Tatsächlich stand der Name des ultraflachen (1,36 Meter) Citroën für einen souveränen cW-Wert (französisch: CX), auch wenn 0,36 keinen cW-Weltrekord verkörperte – den setzt bis heute der Vogel im Frack (cW 0,03).
Aber in aufregend gepfeilter Linie zeigte sich der Citroën CX ebenso avantgardistisch wie sein Vorgänger, der ikonische Citroën DS. Stardesigner Robert Opron inszenierte den bis 4,92 Meter langen CX als Kunstwerk inklusive raffinierter Details wie der konkav gewölbten Heckscheibe, die den Regen mittig ablaufen ließ. Auch technische Raffinessen bot der CX: Starke Turbos, hydropneumatische Federung mit konstanter Bodenfreiheit sowie die „Diravi“, eine geschwindigkeitsabhängige und selbstrückstellende Servolenkung. Damit gewann das Citroën-Flaggschiff als Limousine und Kombi in 17 Jahren rund 1,2 Millionen Käufer: Familien und Industrie-Vorstände ebenso wie Staatsführer, aber auch Künstler wie Götz George alias Kult-TV-Kommissar Horst Schimanski.
Erich Honecker liebte ihn
Politische Pracht und Pomp werden in Paris traditionell mit prestigeträchtigen Staatslimousinen zelebriert. So ließ es sich der gerade als Präsident inaugurierte Valéry Giscard d’Estaing im Sommer 1974 nicht nehmen, den Citroën CX persönlich gegenüber der Presse als neuen Zenit der Marke im Zeichen des Doppelwinkels vorzustellen – auch wenn die ultraluxuriöse Chauffeurslimousine CX Prestige mit extra viel Beinfreiheit im Fond (3,10 Meter Radstand) und höherer Dachlinie erst ein Jahr später mithilfe des Karossiers Heuliez in Serie gehen sollte. Von da an avancierte der CX trotz bodenständiger Vierzylinder-Motorisierung endgültig zum Favoriten des Präsidenten, der in seinem Fuhrpark ab 1975 auch noch zwischen den Sechszylindern Peugeot 604 und Renault 30 wählen konnte.
Aber der CX hatte es VGE so sehr angetan, dass er auch zum Einsatz kam, wenn er sich mit Bundeskanzler Helmut Schmidt traf, und womöglich berieten die befreundeten Staatschefs sogar in dieser opulenten Limousine ihre Pläne für ein europäisches Währungssystem. Beim West-Berlin-Besuch im Herbst 1979 vertraute VGE ebenfalls auf den Komfort des Citroën, dessen Werbeslogan „Vollendung des Außergewöhnlichen“ offenbar auch die DDR-Staatsführung im Ostteil der Stadt überzeugte. Jedenfalls ließ sich Erich Honecker gleich 35 Exemplare des viertürigen CX Prestige liefern, die teilweise gepanzert oder vom schwedischen Stretch-Spezialisten Nilsson nochmals signifikant verlängert wurden.
Am Anfang viel Kritik eingesteckt
Citroën-Chefdesigner Robert Opron wird Letzteres ebenso wenig goutiert haben wie manche Facelifts, die der CX während seiner fast zwei Jahrzehnte dauernden Bauzeit erfuhr. Purist Opron präferierte Originale, bestritt, dass der CX eine Kopie der Pininfarina-Studie BMC 1800 aus den Sechzigern war, bestätigte aber die einheitliche Designlinie vom majestätischen Citroën SM über den kompakten Citroën GS bis zur Flaggschifflimousine CX, unter deren flachen Motorhaube eigentlich ein Wankelmotor hätte arbeiten sollen. Diesen killte aber die Ölkrise von 1973/74, vor allem jedoch die knappe Kassenlage bei Citroën. Tatsächlich hatten die immensen Entwicklungskosten des Citroën CX und der Bau des damals modernsten europäischen Autowerks in Aulnay-sous-Bois einen staatlichen Überbrückungskredit erfordert.
Bewilligt wurde dieser jedoch erst, als Peugeot die Führung von Citroën übernahm. Für Opron – 1975 noch mit dem „Prix Style Award“ für den CX prämiert worden – Anlass, das Citroën-Designatelier zu verlassen. Derweil übertraf der Erfolg des CX alle hochgesteckten Erwartungen. Nicht einmal desaströse Ergebnisse in Dauertests der anfangs nachlässig zusammengebauten Limousinen und Kombis (der siebensitzige Laderiese CX Break folgte 1975) in führenden Fachmedien sowie der Imageschaden durch schnell rostende Karosserien konnten die Absatzzahlen des Citroën-Spitzenmodells einbremsen. Das „Auto des Jahres 1975“ (der Citroën triumphierte bei diesem Medienpreis über den VW Golf) toppte die Verkaufszahlen seiner französischen Rivalen, aber auch die der anderen Avantgardisten wie Lancia Gamma und Rover SD1 – und die Produktion des bei Bertone mitgestalteten Nachfolgers Citroën XM übertraf der CX um das Dreifache.
Einsatz in Duisburg: Horst Schimanski fuhr CX
Was machte die Faszination des CX aus, der auch als sparsames Taxi (als 192 km/h flotter Turbo weltweit schnellster Diesel-Vierzylinder), spaciger Transportriese (Karossier Tissier lieferte Dreiachser mit 1,8 Tonnen Nutzlast) und starker Rallye-Champion (Senegal, Monte Carlo, Marathon London-Sidney) für Sensationen gut war? War es der einem Raumschiff ähnelnde kryptische Kommandostand mit anfänglicher digitaler Lupeninstrumentierung oder doch das Fliegender-Teppich-Gefühl dank hydropneumatischer Federung: Jedenfalls überraschte sogar der ab 1981 amtierende Präsident François Mitterand mit einem CX im privaten Fuhrpark, obwohl er sich dienstlich anfangs demonstrativ in Renault-Modellen chauffieren ließ. Und Politik-Urgestein Jacques Chirac vertraute sogar 20 Jahre bis 1995 auf die Sicherheit der Stromlinienlimousine, in der er 1978 einen schweren Unfall überlebte. Erst als Präsident ließ sich Chirac zum Umstieg auf den Citroën XM und später den C6 überreden.
Stand: 08.12.2025
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Über das 1989 für die CX-Limousine verfügte Produktionsende hinaus fuhr auch der prominenteste deutsche CX-Fan seine bis zu 124 kW/168 PS starken und rund 220 km/h schnellen Turbo-Benziner: Götz George und der von ihm gespielte Tatort-Kommissar Horst Schimanski. Der unangepasste Schimi ging ab 1985 mit dem ebenso extrovertierten CX in Duisburg auf Verbrecherjagd, bahnte sich durch Felder oder Glastüren von Büropalästen den Weg, ließ sich von Explosionen nicht aufhalten oder observierte gelegentlich aus dem kuscheligen Wohnzimmer-Interieur seines Einsatzfahrzeugs heraus. Nie zuvor hatte ein deutscher TV-Beamter einen derart individuellen Dienstwagen: Der Citroën CX brach später folgenden exotischen Filmkommissar-Autos vom Ro 80 bis zum Fiat 130 Bahn.
Warum Oldtimer-Fans den Citroën CX lieben, erklärt Christoph Pichura von der Bewertungsorganisation Classic Analytics: „Auch wenn er nicht ganz so revolutionär wie seine Vorgänger ID und DS war, Konzept und Form des CX blieben über viele Jahre weltweit einzigartig. Bei der deutschen Konkurrenz freute man sich über die französisch lässige Fertigungsqualität, denn sonst wäre der Erfolg des CX auf dem europäischen Markt wohl noch größer gewesen. Zum Produktionsende hatte der CX seinen höchsten Reifegrad erreicht, der beliebte GTI Turbo 2 kostet im guten Zustand heute rund 20.000 Euro.“