Service Award 2009: Die fleißigen Schwaben

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Den 1. Platz in der Kategorie Freie Betriebe belegte die Freie Werkstatt der Gebrüder Welchner aus dem schwäbischen Zell. In nur zehn Jahren schafften sie es die zwei von der Feierabendgarage zum 4,5-Millionen-Euro-Fachbetrieb für alle Marken.

Wer kennt sie nicht – Geschichten, die mit Sätzen wie „es war einmal vor langer, langer Zeit“ beginnen; die am Anfang von einfachsten Verhältnissen berichten, um zum Schluss von Glanz und Gloria zu erzählen. Alles nur Märchen? Und was hat das mit einer Werkstatt zu tun? Jede Menge – zumindest, wenn es um den Kfz-Betrieb Welchner im schwäbischen Zell geht.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte der Brüder Matthias und Uwe Welchner vor 20 Jahren – wie so oft in der heimischen Garage als Nebenerwerb. Dort bedienten die zwei Mechaniker neben ihrer Tätigkeit in einem örtlichen Autohaus vor allem die Kundschaft, die neben flexiblen Öffnungszeiten auch günstige Preise und flinken Service schätzte. Ihrem Angebot, in den arbeitgebenden Betrieb – für den es keine Nachfolgeregelung gab – einzusteigen, schenkte ihr damaliger Chef kein Gehör.

Also fackelten die beiden nicht lange und bauten getreu dem alten Schwabenmotto „schaffe, schaffe, Häusle baue“ ihre eigene Werkstatt auf. Die erste Vorraussetzung dafür hatten sie sich in jahrelanger Heimarbeit bereits geschaffen: Einen Kundenstamm, über den nicht einmal manch alt eingessener Kfz-Betrieb verfügt – stolze 2.000 Adressen!

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Schwieriger Anfang

Doch die weiteren Schritte waren ungleich schwerer. Die Brüdern hattes es nicht leicht. Um z. B. an das gewünschte Grundstück von ihrer Gemeinde zu kommen, mussten sie putzen gehen, und zwar Klinken. Denn erst, als alle weiteren in Frage kommenden Gründstückseigner den Welchners kein Bauland verkaufen wollten, gab die Gemeinde grünes Licht für die Erschließung des neuen Areals.

Doch schon wartete die nächste Hürde auf dem Weg zur Selbstständigkeit: die Bank. Sie zeigte sich von den Plänen der beiden Jungunternehmer durchaus angetan. Ihre einzige Vorraussetzung für die Bewilligung eines Kredits: exakte Geschäftszahlen für das erste Jahr. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Also auf zum nächsten Geldinstitut. Das gab sich auch aufgrund des guten Leumunds der Welchners deutlich kooperativer und bewilligte einen siebenstelligen DM-Kredit.

Nach dem Motto „klotzen statt kleckern“ ging es Anfang 1999 endlich los. Die Rollen waren klar verteilt: Uwe, der Mann für die Mechanik, Matthias, der Herr über den Karosseriebereich. Dazu noch ein Fachkraft für den Lack – fertig war die junge Truppe.

Klare Ziele

„Unser Ziel war und ist es, möglichst viel selbst abzudecken“. „Was man abgibt, hat man nicht unter Kontrolle“, lautet einstimmig das Credo der Profis.

Das gilt für alle Bereiche: Beim Bau ihrer Traumwerkstatt legten die beiden kräftig Hand bzw. Maurerskelle an und koordinierten die Abläufe. Genauso wie Jahre später, als die Anschaffung einer größereren Lackierkabine anstand. Auch hier krempelten die Brüder beide Ärmel hoch und bauten sich die Anlage kurzerhand selbst. „Das spart Geld und man weiß, was man hat“, bringt es Matthias Welchner, der jüngere der beiden, auf einen einfachen wie logischen Nenner.

Auch in Sachen Auftragsabwicklung schätzen die zwei den direkten Draht. Trotz der Größe des Betriebs – mittlerweile stolze 25 Mann – verzichten sie auf Serviceberater, Empfangsdamen und andere „Repräsentanten“ mit eingeschränkter Befugnis. „Bei uns hat jeder Kunde einen Ansprechpartner – einer, der alles entscheiden kann, ohne erst nachfragen oder Freigaben einholen zu müssen“.

Der Kunde möchte einen Leihwagen? Zum Sonderpreis? Er hat spezielle Wünsche oder möchte seinen Wagen spät abends zugestellt bekommen? Kein Problem! Bei Welchners entscheidet all das einer der Chefs – inklusive Lächeln und „Hand drauf“.

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