Der BMW- und Fiat-Händler Ulrich Langer aus Wertingen/Donauwörth arbeitet schon länger mit dem Werkstattportal Fair Garage zusammen und stellt sein gesamtes Leistungsportfolio, auf der eigenen Webseite, ins Netz. Auch Frank Achenbach vom AD Autodienst Achenbach GmbH in Bochum arbeitet erfolgreich mit einem Werkstattportal zusammen, in diesem Fall Autoscout.
Zwei bis drei Neukunden beschere ihm das Portal in der Woche. Im Gegensatz dazu berichtet Holger Winter von Auto Winter, dass ihm die Portale nichts eingebracht hätten. Die meisten Anfragen seien nicht sonderlich seriös und machten nur die Arbeit einer Angebotserstellung. Er habe nicht einen einzigen Auftrag generieren können.
Der Preis ist wichtig
Im Allgemeinen legen die Betreiber der Portale größten Wert darauf, festzustellen, dass der Kunde im Internet nicht immer nach dem günstigsten Preis sucht. Vielmehr seien Nähe und Qualität einer Werkstatt die ausschlaggebenden Parameter für einen Auftrag. Dem widersprechen allerdings die Ergebnisse der Bratzel-Studie, die wie schon erwähnt das Preisniveau als das wichtigste Kriterium für die Werkstattwahl ausmacht.
Auch BMW-Händler Langer ist überzeugt, dass das Internet dem Preisverfall im Service Tür und Tor öffnet. „Der Preiswettbewerb wird zunehmen. Trotzdem sehe ich keine Alternative zum Internet“, führt der Unternehmer aus.
Die kann auch Jens Nietzschmann, Sprecher der Geschäftsführung der DAT, nicht erkennen: „Die Nachfrage nach Servicedienstleistungen geht vom Verbraucher aus. Das kehrt die uns bekannte Aftersales-Welt um, in der die Werkstatt durch Werbung für das Serviceportfolio Nachfrage erzeugt hat.“ Damit müssten sich die Unternehmer im Kfz-Gewerbe künftig auseinandersetzen. Nietzschmann ist davon überzeugt, dass sich das Verbraucherverhalten immer weiter in Richtung Online verändert. In drei bis fünf Jahren werde niemand im Kfz-Gewerbe mehr darüber nachdenken, ob er an einem Serviceportal teilnimmt oder nicht, bekräftigt Nietzschmann.
Telematik steuert Kunden
Neben den Werkstattportalen könnte auch die stärkere Verbreitung von Telematiksystemen die Servicewelt nachhaltig verändern. Grund hierfür ist der sogenannte E-Call. Dieses Warnsystem soll nach den Wünschen der EU ab 2015 in allen neu zugelassenen Fahrzeugen verbaut werden. Dadurch will man erreichen, dass eventuell benötigte Unfallhelfer schneller am Unfallort sind und damit Menschenleben bei Verkehrsunfällen retten können.
Doch wenn diese Systeme erst einmal in den Automobilen verbaut sind, dann eröffnen sie den Fahrzeugherstellern ganz neue Möglichkeiten, Kunden auch bei anderen Gelegenheiten via Telematik anzusprechen, beispielsweise mit dem Hinweis, dass der nächste Service fällig ist. Auf diese Weise können sich die Fahrzeughersteller einen exklusiven Zugang zum Fahrer und seinen Fahrzeugdaten verschaffen.
Daten für alle Marktteilnehmer zugänglich machen
Deshalb arbeiten Branchenvertreter wie ZDK, ZKF, GVA, aber auch verbraucherorientierte Organisationen wie der ADAC eng zusammen, um die durch die Telematik gewonnenen Fahrzeugdaten allen Marktteilnehmern zugänglich zu machen. GVA-Präsident Hartmut Röhl sagt hierzu: „Bei über den Notruf hinausgehenden Anwendungen, etwa im Fahrzeugmanagement, muss darauf geachtet werden, dass der Wettbewerb im Kfz-Aftermarket nicht in Gefahr gerät.“
Das sei aber zu befürchten, wenn der Autofahrer nicht die Wahlfreiheit habe, an wen seine Daten übermittelt werden und welche Dienste welches Anbieters er nutzen möchte und welche nicht. Bereits heute würden viele Fahrzeughersteller etwa auf eine Fahrzeugferndiagnose und -serviceplanung setzen.
(ID:42444771)