Servicemarkt unter der Lupe

Autor / Redakteur: Norbert Rubbel / Norbert Rubbel

Die wirtschaftliche Bedeutung des Servicemarktes dokumentiert der DAT-Report 2008: Immerhin gaben die Autofahrer im letzten Jahr rund 7,58 Milliarden Euro für Verschleißschäden und 11,21 Milliarden Euro für Wartungsarbeiten aus.

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Die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Servicemarktes für die Freien Werkstätten dokumentiert der DAT-Report 2008: Immerhin gaben die Autofahrer im letzten Jahr rund 7,58 Milliarden Euro für Verschleißschäden und 11,21 Milliarden Euro für Wartungsarbeiten aus. Rund ein Drittel beziehungsweise ein Viertel der Umsätze entfiel auf die ungebundenen Kfz-Betriebe. Kommen die Autos in die Jahre, verschieben sich die Marktanteile. „Mit zunehmendem Fahrzeugalter wechseln viele Fahrzeughalter von den vertragsgebundenen Betrieben zu den Freien Werkstätten“, bobachtet Jürgen Schönleber, Verfasser des DAT-Reports.

Liegt der Marktanteil der freien Servicebetriebe im Segment der vier bis sechs Jahre alten Fahrzeuge bei 21 Prozent, verbuchen sie bei den sechs bis acht Jahre alten Pkw bereits einen Anteil von 31 Prozent. Bei den über acht Jahre alten Autos liegt der Marktanteil der Freien Werkstätten mit 42 Prozent sogar klar über dem der Markenbetriebe (36 Prozent).

Autofahrer sparen

Doch auch die fabrikatsgebundenen Wettbewerber haben das Potenzial der älteren Fahrzeuge für sich entdeckt und gehen in die Offensive. Mit verlängerten Garantiezeiten, Flatrate-Angeboten und Aktionspreisen für Reparaturen und Verschleißteile wollen sie verloren gegangenes Terrain im Servicemarkt zurückerobern.

Erschwerend kommt aber für alle Marktakteure hinzu, dass die Inspektionsintervalle immer länger werden, die Jahrefahrleistung sinkt und das Wartungsbewusstsein der Autofahrer nachlässt.

„Die steigenden Aufwendungen für den Fahrzeugunterhalt können dazu führen, dass die Autofahrer versuchen, Kosten für Wartungen einzusparen“, befürchtet Jürgen Schönleber und fügt hinzu: „2007 verzichteten 28 Prozent der Fahrzeughalter darauf, Wartungsarbeiten durchführen zu lassen.“ Nach Angaben der DAT betrug die Wartungshäufigkeit pro Jahr bei den

  • unter zwei Jahre alten Fahrzeugen: 0,57
  • zwei bis vier Jahre alten Fahrzeugen: 0,98
  • vier bis sechs Jahre alten Fahrzeugen: 1,22
  • acht Jahre alten und älteren Fahrzeugen: 1,99

Das bedeutet, dass die Fahrzeughalter ihre Autos im Jahr durchschnittlich nur 0,97-mal zur Inspektion in eine Werkstatt gebracht haben.

Die mit Abstand wenigsten Wartungsarbeiten entfallen auf Pkw unter zwei Jahren. Dagegen zählen die typischen Fahrzeuge einer Freien Werkstatt – nämlich die vier Jahre alten und älteren – zu den Wartungsspitzenreitern.

„Da die Autos laut Kraftfahrt-Bundesamt immer älter werden, lohnt es sich für die Halter, in die Werterhaltung ihrer Fahrzeuge zu investieren“, erläutert der DAT-Marktbeobachter. Allerdings lassen die Besitzer von acht Jahre alten und älteren Fahrzeugen die empfohlenen großen Inspektionen der Automobilhersteller und Importeure nur sehr selten durchführen. Sie favorisieren vielmehr die günstigen saisonalen Fahrzeugchecks im Frühjahr, Sommer und Winter.

Alter erhöht Aufwand

Mit durchschnittlich 241 Euro gaben die Autofahrer 2007 für die Wartung ihres Fahrzeugs etwas weniger aus als im Vorjahr (247 Euro). Legt man die Kosten für die Wartungsarbeiten auf die Jahresfahrleistung von 15 120 Kilometern um, so ergibt dies einen Wartungsaufwand von 1,6 Cent pro gefahrenen Kilometer. Den geringsten Kostenaufwand haben Besitzer von Fahrzeugen, die nicht älter als zwei Jahre alt sind (113 Euro). Dagegen zahlen Halter von vier bis sechs Jahre alten Autos im Durchschnitt 315 Euro pro Wartung.

Reparaturen an den Verschleißteilen waren den Autobesitzern durchschnittlich 163 Euro wert. Aufgeteilt nach dem Fahrzeugalter ergeben sich folgende Kosten pro Jahr und Pkw:

  • Fahrzeuge unter zwei Jahre: 10 Euro
  • zwei bis vier Jahre alte Fahrzeuge: 41 Euro
  • vier bis sechs Jahre alte Fahrzeuge: 144 Euro
  • sechs bis acht Jahre alte Fahrzeuge: 231 Euro
  • über acht Jahre alte Fahrzeuge: 295 Euro

Reparaturarbeiten, die die Werkstätten auf Garantie- oder Kulanzbasis durchführten, sind in den oben genannten Beträgen nicht enthalten.

Zu viel Schwarzarbeit

Mit einer eher schädlichen Entwicklung im Servicemarkt dürften vor allem die Freien Werkstätten nicht zufrieden sein: „Zu viele Autofahrer erledigen notwendige Reparaturarbeiten im Do-it-yourself-Verfahren“, erklärt Jürgen Schönleber. Nach Angaben der Befragten führten knapp neun Prozent der Fahrzeughalter Wartungen und Reparaturen selbst aus oder ließen sie von Bekannten durchführen. Rechnet man die Autofahrer dazu, die zum Thema Do-it-yourself keine Angaben machten, so sind das immerhin 10,9 Millionen Arbeiten, die 2007 an den Werkstätten vorbeigingen.

Die Ersatzteile für die Schwarzarbeit kaufte knapp ein Viertel der Fahrzeugbesitzer von den vertragsgebundenen Werkstätten und jeder Achte vom freien Teilegroßhandel. „Den dabei entstehenden Kundenkontakt sollten die Unternehmen nutzen, um auf die Gefahren der Do-it-yourself-Reparaturen hinzuweisen“, empfiehlt Jürgen Schönleber.

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