Chevrolet Camaro: Rückkehr der Kraft
Der Achtzylinder bringt zwar krachende 426 PS, Automatik und Fahrwerk schränken den Camaro in seiner Entfaltung jedoch deutlich ein. Aber allein schon wegen der Optik muss er in Europa sein.
Der neueste Transformers-Streifen begeistert seit Wochen weltweit die Kinofans. Doch wie sieht es mit einem der geheimen Hauptdarsteller aus, wenn er auf der Straße bewegt wird, statt die Kinoleinwand zu bevölkern? Während der sehnlichst erwartete Chevrolet Camaro bereits im Frühjahr als Bestseller auf dem angeschlagenen Heimatmarkt zu bekommen ist, müssen sich die deutschen Musclecar-Fans noch rund ein Jahr gedulden. Hierzulande wird das Auto fast doppelt so viel kosten wie in den USA.
Das Design des neuen Chevrolets scheint einzig für den Actionkracher kreiert worden zu sein. Sein Auftritt ist martialisch. Tief geduckt kauert das 1,92 Meter breite Sportcoupé auf der Straße. Aus der düsteren Kühlerfront blitzen gefährliche Xenonblitze und die schmalen Fensterelemente wirken eher wie Schießscharten, um Eindringlinge abzuwehren. Die Formen des Camaro der Generation 2010 treiben nicht nur Kinofans Schweißperlen auf die Stirn. Wer ihn im Rückspiegel ausmacht, ahnt Böses und verdrückt sich aus der Schussbahn.
Automatik behindert kraftstrotzendes Musclecar
Wie man es von einem amerikanischen Musclecar kennt, ist ein bollernder Achtzylinder unter der mächtigen Motorhaube unersetzlich. Das Camaro-Standardmodell mit dem imageträchtigen Namenszusatz „SS – Super Sport“ wird von einem 6,2 Liter großen Achtzylinder mit 318 kW / 426 PS befeuert. Wer das Kraftwerk entfacht, kann vor Kraft kaum mehr laufen. 570 Nm maximales Drehmoment und 0 auf 100 km/h in unter fünf Sekunden lassen den dünnen Gummibelag auf den 20-Zoll-Walzen schnell zum Feind jeden Vortriebs werden. Für Nachwuchs-Kräfte geht es auch zwei Klassen zahmer. Als Einstiegsmodell ist der Camaro ebenfalls mit einem 3,6 Liter großen Sechszylinder zu bekommen.
Der leistet Dank Direkteinspritzung immerhin noch 227 kW / 304 PS und 370 Nm maximales Drehmoment und verspricht neben 0 auf 100 km/h in 6,2 Sekunden sowie 210 km/h Spitze einen betont annehmbaren Verbrauch von 11,5 Litern Super auf 100 Kilometern. Die automobile Neuzeit ist eben auch an den begehrten Musclecars nicht spurlos vorüber gegangen.
Wer echte Power will, kommt um den bärenstarken Achtzylinder jedoch nicht herum. Denn der Einsteiger-V6 kann trotz zeitgemäßer Direkteinspritzung kaum überzeugen. Sein Tatendrang wird insbesondere von der alles andere als gut abgestimmten Sechsgang-Automatik geschwächt. Der besonders zähe Automatikmodus ist für ein Sportcoupé wie den Camaro unbrauchbar und auch der manuelle Schaltmodus mag für eine träge US-Limousine akzeptabel sein; in der Wiederauflage der Sportwagenikone aus den 60er und 70er Jahren ist es das nicht.
Lieblos gestalteter Innenraum
Allzu zäh und angestrengt arbeitet das Camaro-Triebwerk bei niedrigen und hohen Drehzahlen. Allein im mittleren Drehzahlband hat man das Gefühl lässig im Verkehr mitschwimmen zu können. Die Blicke der Umgebung gehören einem angesichts der Angst einflößenden Außenhaut sowieso. Doch so grandios sich das Außendesign dem Betrachter präsentiert, so enttäuschend ist das Innere. Die Lieblosigkeit des Cockpits ist kaum zu überbieten.
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