Abfallwirtschaft

Sorgenkind Entsorgung

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Entsorgung: Die Anbieter

Doch wie wird man als Kfz-Betrieb seine Abfälle nun los? Klare Antwort: am besten gebündelt. Soll heißen, indem man sie möglichst über einen Anbieter entsorgt. Das spart zum einen organisatorischen Aufwand und damit Zeit und Geld. Zum anderen gibt es rechtliche Sicherheit. So verfügen „große“ Entsorger in der Regel nicht nur über sämtliche Zulassungen, sie bieten oftmals auch Serviceleistungen. So stellen sie beispielsweise vorschriftsmäßige Behälter, archivieren vorgeschriebene Dokumente oder geben Infos zu gesetzlichen Neuerungen. Und bei Fragen betreuen eigene Außendienstmitarbeiter die Werkstätten vor Ort.

Was für einige Markenbetriebe alternativlos ist – hier übernimmt der Fahrzeughersteller die Entsorgung, schreibt die Zugehörigkeit zu einem Konzept vor oder stellt dieses –, ist gerade für freie Betriebe nicht ganz trivial, sprich den passenden Anbieter zu finden. So gibt es zum Beispiel:

  • Umweltmanagementkonzepte von Teilehändlern wie „Das Grüne Dach“ von Motul
  • Entsorgungsdienstleister ohne eigene Entsorgung wie Partslife oder Revers Logistic Group (RLG, ehemals CCR)
  • Entsorgungsdienstleister mit eigener Entsorgung wie KS-Recycling (KSR)

Beispiele für Anbieter/Konzepte

Ölanbieter Motul ist bereits seit über 20 Jahren mit „Das Grüne Dach“ erfolgreich unterwegs. Hinter ihm steckt ein vielseitiges Umwelt- und Abfallmanagement-Konzept für Kfz-Betriebe jeder Art. Das heißt, zusätzlich zur Organisation der Entsorgung bietet es Serviceleistungen rund um Arbeitssicherheit und Umweltschutz – die Entsorgung selbst übernehmen lokale, zertifizierte Betriebe. Motul wiederum erstellt Abfallbilanzen und Nachweise und übernimmt den Schriftverkehr mit Behörden. Und sollte es einmal zu Problemen kommen, hilft das Konzept bei Rechtsstreitigkeiten. Dabei steht es nicht nur Motul-Kunden offen, sondern jedermann. Aktuell sind es rund 6.700 Betriebe, die einzelne Servicebausteine oder ein Komplettpaket beziehen. Weitere Informationen unter www.motul.de oder unter 02203 1700151.

Partslife ist einer der bekanntesten Entsorger in der Kfz-Branche. Handels- und Industrieunternehmen aus dem freien Ersatzteilmarkt haben ihn 1995 gegründet. Er unterstützt allen voran freie Werkstätten in Sachen Umweltschutz, Abfall-, Verpackungs- und Energiemanagement sowie mittlerweile auch im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz. Mehr als 70 Unternehmen/Marken sowie über 11.000 Werkstätten gehören ihm an. Somit nutzen laut Partslife circa 60 Prozent aller freien Kfz-Betriebe in Deutschland das Entsorgungskonzept „Pool“, mit dem sie Entsorgungen per Internet beauftragen können. Werden alle Abfälle über Pool entsorgt, können Nutzer auf Knopfdruck jederzeit eine umfassende Bilanz aller Entsorgungsvorgänge erstellen und das gegenüber Behörden dokumentieren. Die Entsorgung der Abfälle selbst übernehmen auch hier lokale, zertifizierte Betriebe. Mehr Informationen unter pool.partslife.com bzw. Tel.: 06102 81292-0.

Die Revers Logistik Group (RLG), bis vor Kurzem als CCR agierend, ist ebenfalls ein Systemanbieter, also Entsorger ohne eigene Entsorgungseinrichtungen. Lokale Entsorgungspartner mit entsprechenden Zertifizierungen übernehmen die Abholung und ordnungsgemäße Entsorgung der Abfälle. Entstanden ist CCR auf Initiative verschiedener Fahrzeughersteller.

Mittlerweile betreut die Gruppe circa 10.000 Unternehmen bzw. Abfall-Anfallstellen, wobei der Fokus auf dem Kfz-Gewerbe liegt. Ein eigener, zehn Mann großer Außendienst betreut Kfz-Betriebe bei sämtlichen Entsorgungsthemen. Wert legt die Gruppe auch auf eine hohe Transparenz bei den Preisen: Sie werden für ein Jahr garantiert. Sämtliche Kosten sind zudem nach Fraktion aufgelistet und jederzeit online einsehbar. Weitere Informationen unter rev-log.com/de bzw. Tel.: 089 49049100

Bereits 1965 als Ölentsorger gegründet, ist KSR einer der ganz alten Hasen im Geschäft. Neben etlichen OEMs wie BMW, Daimler Truck, Iveco, Mazda, Mercedes-Benz, Opel und VW gehören auch freie Betriebe zum Kundenstamm, der an die 20.000 Einträge zählt. Im Gegensatz zu oben genannten Konzepten entsorgt KS Recycling einen Großteil der eingesammelten Abfälle direkt selbst – allen voran Altöl. Entsprechend betreibt das Unternehmen eine Flotte mit 50 eigenen Fahrzeugen und eine Wiederaufbereitungsanlage samt hauseigenem Labor. Alles, was das Unternehmen nicht selbst weiterverwertet, gibt es an zertifizierte Spezialisten ab, z. B. Starterbatterien an Bleihütten. KSR schätzt, dass ungefähr 80 Prozent der eingesammelten Kfz-Abfälle dank Recycling ein zweites Leben haben. Weitere Informationen unter www.ks-recycling.de bzw. Tel.: 02838 9150-0.

Darauf müssen Sie achten

Wichtig für Kfz-Betriebe bei der Wahl eines Entsorgers: Dieser sollte/muss über das Entsorgungsfachbetrieb-Zertifikat (EFB) verfügen. Und für die Übernahme von gefährlichen Abfällen müssen die entsprechenden Sammelentsorgungsnachweise vorliegen. „Transparenz und Seriosität seitens des Entsorgers sind das A und O“, sagt Lars Giesen, Junior Marketing Manager KSR. „Das dokumentieren neben dem EFB auch die Zugehörigkeit zu einem Umwelt- (DIN 14001:2015 bzw. EG 122/2009 „EMAS)“ und Qualitätsmanagementsystem (ISO 9001:2015).“ Denn: „Der Abfallerzeuger, also der Kfz-Betrieb, steht vollumfänglich für eine ordnungsgemäße Entsorgung gerade. Und die endet nicht mit der Übergabe an den Entsorger, sondern erst dann, wenn die ordnungsgemäße Entsorgung oder Verwertung des Abfalls abgeschlossen ist“, weiß Oliver Kanz, Bereichsleiter Rücknahmesysteme Partslife, zu berichten und ergänzt: „Und da das der Betrieb nicht nachverfolgen kann, muss er dem Entsorger zu 100 Prozent vertrauen können.“

Und genau da liegt der Hase bei etlichen Entsorgern im Pfeffer. Soll heißen: Sie verfügen nicht über ein EFB-Zertifikat und entsorgen die Abfälle nicht ordnungsgemäß. Bestes Beispiel sind „fliegende“ Altreifen-Entsorger. Denn anders als (aktuell) bei Altöl, Metallschrott und Batterien bekommen Kfz-Betriebe für Altreifen kein Geld, sondern müssen für deren Entsorgung vielmehr zahlen – aktuell je nach Region zum Teil mehr als zwei Euro pro Stück. Da greift man schnell mal zum „günstigen Angebot“. „Die Zahl dieser schwarzen Schafe ist unserer Ansicht nach in letzter Zeit gestiegen. Und leider neigen einige Kfz-Betriebe immer wieder zum Springen“, berichtet Henning Demke, Key-Account-Manager von Motuls grünem Dach.

Kfz-Betrieb haftet immer mit

Was er damit meint? „Na, das Betriebe zwar einen festen Entsorger haben, wenn aber einer vorbeikommt und mit auffallend günstigen Abfallgebühren lockt, schwach werden“, erklärt Demke. Doch wenn sich der fliegende Entsorger die besten Altreifen herauspickt und den Rest in den Wald schmeißt, ist nach wie vor ebenfalls der Abfallerzeuger (Kfz-Betrieb) dafür verantwortlich und am Ende der Dumme – er haftet dann zusammen mit dem „Entsorger“. Zwar sind sich alle Beteiligten in der Branche einig, dass deutsche Behörden auch bei der Abfallentsorgung viel zu wenig kontrollieren. „Und wenn sie kontrollieren, dann mittlerweile immer strenger. Das gilt gerade auch für den sogenannten Haus- bzw. Restmüll und was da nicht hinein darf“, so Henning Demke. Das heißt, wen sie am Wickel haben, dem drohen schnell empfindliche Geldstrafen. Bis zu 100.000 Euro können sie betragen.

Apropos schwarze Schafe: „Die erscheinen nicht nur immer dann gern auf der Bildfläche, wenn die Entsorgung bestimmter Abfälle aktuell mehr kostet, sondern auch umgekehrt mehr einbringt. So wie das gerade bei Blei(-batterien), Stahlguss (Bremsscheiben) und allen voran Aluminium der Fall ist“, berichtet Olaf Horn, Vertriebsleiter RLG. Die gehören im Moment zur sogenannten „Erlösfraktion“, bringen dem Kfz-Betrieb also Geld ein. Das gilt auch für größere Mengen Altöl – zumindest kostet dessen Entsorgung, anders als in den letzten Jahre, nichts. Dass Kfz-Betriebe mit der Entsorgung ihrer (gefährlichen) Abfälle dennoch in Summe kein Geld verdienen, liegt am ganzen Drumherum – also dem logistischen und verwertungstechnischen Aufwand.

Und der ist in den letzten Jahren nicht weniger geworden, im Gegenteil. So sind die Verwaltungs- und Serviceaufwände für die Entsorger gestiegen, genauso wie die Gehälter für Lkw-Fahrer oder die Beseitigungskosten für nicht wiederverwertbare Stoffe, um nur ein paar zu nennen. Deshalb gilt: Finger weg von Lockvogel-Angeboten bei der Entsorgung – Motto: Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Steffen Dominsky

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