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Studie: Automarken sind regional verwurzelt

Redakteur: Gerd Steiler

Länderspezifische Markenvorlieben hängen laut einer Progenium-Studie weniger von der unterschiedlichen Kaufkraft ab, als vielmehr von „regionalen Geschmacksmustern, Traditionen und Werten“.

(Bild: VBM-Archiv)

Die Anteile führender Automarken am aktuellen Pkw-Bestand von rund 42,9 Millionen Fahrzeugen variieren von Bundesland zu Bundesland. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Progenium (München/Hamburg) gehen die regionalen Unterschiede bei der Automarken-Präferenz jedoch weit über den reinen Preis-Aspekt hinaus.

Zwei explizite Beispiele für die hohe regionale Verwurzelung der einzelnen Automarken liefern Peugeot und BMW. Während der Anteil der Franzosen am deutschen Pkw-Gesamtbestand aktuell bei nur etwa 3,0 Prozent liegt, kommt die Marke im Saarland auf 11,3 Prozent. Auf Bayerns Straßen fahren 10,2 Prozent der Autos mit den Emblemen von BMW oder Mini, dieser Anteil sinkt jedoch bis in den hohen Norden von Mecklenburg-Vorpommern auf nurmehr 3,9 Prozent.

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„Es ist erstaunlich, wie groß die regionalen Differenzierungen der Automarkenpräferenz innerhalb Deutschlands sind“, wird Progenium-Geschäftsführer Michael Mandat in einer Pressemitteilung zitiert. Nur ein Teil der Unterschiede lasse sich dabei mit der regional unterschiedlichen Kaufkraft erklären. Vielmehr hingen die länderspezifischen Markenvorlieben mit „regionalen Geschmacksmustern, Traditionen und Werten“ zusammen.“

Regionale Solidarität

Gerade deutsche Hersteller sind der Progenium-Studie zufolge in jenen Bundesländern am stärksten, in denen ihr Hauptstandort liegt. Die Ingolstädter Audi AG erzielt bundesweit einen Bestandsanteil von 6,4 Prozent, in Bayern sind es 8,5 Prozent. Opel ist in Hessen, also dem Bundesland des Standorts Rüsselsheim, mit 14,0 Prozent am stärksten, Mercedes in Baden-Württemberg mit 12,7 Prozent. „Auch wenn in die Statistik die Verkäufe an Werksmitarbeiter einfließen, so geht die Solidarität etwa in Baden-Württemberg mit „dem Daimler“ weit über die Belegschaft hinaus“, so Mandat weiter.

Laut Progenium-Untersuchung verlieren die süddeutschen Marken BMW, Mercedes und Audi „in konzentrischen Kreisen“ an Strahlkraft. Das heißt, je weiter es nach Norden und Osten geht, desto weniger Premiummarken aus dem Süden finden sich im Fahrzeug-Bestand. Eine andere regionale Präsenz weist VW auf. Abgesehen von der Tatsache, dass VW in Niedersachsen mit einem Bestandsanteil von satten 29,0 Prozent den absolut höchsten regionale Wert in ganz Deutschland erzielt und die Saarländer mit 12,9 Prozent regelrechte VW-Verweigerer sind, kommen die Wolfsburger ansonsten in allen anderen 14 Bundesländern auf Marktanteile, die nah am Durchschnittswert von 21,2 Prozent liegen. Dazu Auto-Experte Michael Mandat: „VW ist es gelungen, bei den Bundesbürgern als gesamtdeutsche Marke wahrgenommen zu werden, während den drei Premiummarken das Etikett ‚süddeutsch‘ anhaftet.“

Japaner und Koreaner dominieren im Osten

Marken mit einer geringen regionalen Spreizung sind auch Toyota und Ford. Bei beiden Autoherstellern ist allenfalls auffällig, dass sie wie Peugeot ihren höchsten Anteil im Saarland erzielen - bei Ford wohl nicht zuletzt wegen des traditionellen Standorts in Saarlouis. Auffällig ist zudem, dass die Saarländer beim Autokauf nicht nur die „naheliegenden“ französischen Marken, sondern auch andere ausländische Fabrikate besonders wertschätzen.

Die relativ stärkste Marke im Norden Deutschlands ist Volvo. In Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg erzielen die Schweden einen fast doppelt so hohen Marktanteil wie im Bundesdurchschnitt. Der italienische Hersteller Fiat dagegen erzielt seine höchsten Werte in Baden-Württemberg und Bayern - jenen Bundesländern also, die dem Fiat-Ursprungsland geografisch am nächsten liegen.

Und welche Fabrikate werden in Ostdeutschland bevorzugt, wo keine eigenen traditionsreichen Hersteller beheimatet sind? In Thüringen beispielsweise liegen die Anteile der großen japanischen und koreanischen Hersteller Toyota, Honda, Hyundai, Mazda, Mitsubishi und Nissan am Pkw-Bestand allesamt über den Durchschnittswerten für Gesamtdeutschland.

In Sachsen und Sachsen-Anhalt sind die asiatischen Autobauer ebenfalls überproportional stark, daneben aber vor allem auch Citroën und Renault/Dacia. Die beiden französischen Hersteller erzielen in diesem Teil Ostdeutschlands ihre bundesweit jeweils besten Ergebnisse. Der Auto-Bestand in der Bundeshauptstadt Berlin liegt der Progenium-Analyse zufolge dagegen relativ nah am Bundesdurchschnitt und weist kein spezifisch „ostdeutsches Muster auf.

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