Suzuki-Händlerverband greift VW wegen Dieselskandal an
Der Dieselskandal betrifft nicht allein die Vertriebspartner des Volkswagenkonzerns. Unter den Diesel-Verwerfungen leiden letztlich alle Händler. Über die Auswirkungen macht sich der Suzuki-Händlerverband jetzt öffentlich Gedanken.
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Im Diesel-Skandal hat sich erstmals eine nicht direkt von den Manipulationen betroffene Händlergruppe zu Wort gemeldet. Der Suzuki-Händlerverband macht in einer Mitteilung darauf aufmerksam, dass die Diesel-Thematik und die daraus resultierende Zurückhaltung gegenüber einem Dieselkauf alle Händler wirtschaftlich trifft – aber nur eine kleine Gruppe, wenn überhaupt, auf einen Ausgleich durch den Konzern hoffen könnte.
„Wir als Suzuki-Händler haben seit Bekanntwerden des Skandals erhebliche Probleme, Diesel-Fahrzeuge abzusetzen“, heißt es in einem Schreiben des Verbands. Am Beispiel des Suzuki Vitara lässt sich der Vorwurf sehr gut ablesen. Wurde vor zwei Jahren noch jedes zweite Vitara-Neufahrzeug mit einem Dieselmotor ausgeliefert, sind es derzeit nur noch 15 Prozent.
Das verlorene Vertrauen in den Diesel schlägt sich im Neuwagen-Geschäft einerseits in Lieferengpässen für Benziner nieder. Problematisch sei andererseits, dass die Händler ältere Dieselmodelle „nur mit äußerster Vorsicht eintauschen. Zukäufe von Diesel-Modellen werden im Moment komplett gemieden.“ Während die aktuellen Hereinnahmen für die Händler immerhin noch steuerbar sind, drohen im Bestand finanzielle Einbußen.
„Volkswagen hat in unserer Branche dafür gesorgt, dass teilweise komplette Fahrzeugflotten entwertet wurden und Restwerte überhaupt nichts mehr mit der Realität zu tun haben“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Wenn sich dann die Vertriebsvorstände von VW der Presse stellen und sagen, dass die Diesel-Modelle keine Restwertprobleme hätten, kann dies einfach nur erstaunen.“
Besonders ärgerlich ist aus Sicht des Verbands, dass für Händler außerhalb des Volkswagenkonzerns keinerlei Chancen auf einen Ausgleich bestehen. Die Konzernhändler könnten möglicherweise noch günstig verhandeln oder vielleicht sogar eine Entschädigung einklagen, was der VW- und Audi-Partnerverband auch erwägt. Die anderen Händler seien dagegen dem Nachfrage-Schaden bei Bestandsfahrzeugen ausgeliefert und sähen sich zudem noch „unverhältnismäßig hohen Verkaufsunterstützungen“ der VW-Konzernmarken gegenüber.
Durch diese Fehlentwicklungen zahlen laut dem Suzuki-Händlerverband die Hersteller, die den Diesel-Skandal nicht ausgelöst haben, indirekt die Verfehlungen des Volkswagen-Konzerns mit. Und mit ihnen „leiden die Händler der kleinen Marken unter dem VW-Skandal“.
Auch andere bei anderen Marken sind ähnliche Auswirkungen spürbar. So hat beispielsweise Ssangyong in diesem Jahr nach neun Monaten fast 10 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das kleine koreanische Fabrikat setzte bislang stark auf Dieselmotoren. Auch die schwache BMW-Performance im ersten Halbjahr ist zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass Neuwagenkäufer vermehrt Benziner bestellten, deren Lieferzeiten sich dadurch deutlich verlängerten.
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