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Tankstelle der Zukunft: Die grünen Energiemakler

| Autor / Redakteur: sp-x / Yvonne Simon

Zunehmend mehr Autos werden Strom statt Benzin tanken. Hat damit die Tankstelle ausgedient? Wohl kaum, doch ihr Geschäftsmodell dürfte sich tiefgreifend ändern.

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So könnte die Tankstelle der Zukunft nach einer Vision von Aral aussehen.
So könnte die Tankstelle der Zukunft nach einer Vision von Aral aussehen.
(Bild: Aral)

Es erscheint zunehmend wahrscheinlicher, dass der E-Mobilität in naher Zukunft der Durchbruch gelingt. Verbrenner werden sicherlich noch eine Weile unterwegs sein, doch einige Länder der EU haben bereits beschlossen, in absehbarer Zeit die Neuzulassung von Benzin- und Diesel-Fahrzeugen zu verbieten.

Damit erscheint auch das klassische Geschäft der Tankstellen ein Auslaufmodell. Mineralölkonzerne wie Shell oder Aral haben bereits auf diesen sich abzeichnenden Mobilitätswandel reagiert. Doch es wird nicht beim Aufstellen von Ladesäulen bleiben, Zukunftsentwürfe sehen Tankstellen zunehmend in der Rolle als „grüne“ Multiservicewelten und Mobilitätshubs, die für viele Bereiche neuer Mobilität Angebote bereitstellen.

Die klassischen Treibstoffarten Benzin, Diesel und Erdgas werden noch für Jahrzehnte eine zentrale Rolle als Energieträger für unsere Mobilität spielen. Doch die Bedeutung anderer Energieformen wird wachsen. Entsprechend werden Tankstellen ihr Angebot stärker auf die Versorgung batterieelektrischer und wasserstoffgetriebener Fahrzeuge umstellen. Ladestrom wird künftig allerdings vor allem abseits der Tankstellen beziehbar sein, doch Autohöfe eigen sich für die Bereitstellung ultraschneller Ladesäulen, insbesondere entlang der Fernreiserouten, die ein „Betanken“ von E-Fahrzeugen in vergleichsweise kurzer Zeit erlauben.

Shell baut noch in diesem Jahr 50 Schnellladesäulen

Und das nimmt bereits jetzt Formen an. So hat zum Beispiel Shell angekündigt, zusammen mit dem Stromanbieter EnBW in Deutschland noch dieses Jahr 50 Schnellladesäulen für alle Steckerstandards zu installieren, dem weitere folgen sollen. Mit 150 Kilowatt Leistung sollen sie Ökostrom für 100 Kilometer in sechs bis acht Minuten laden.

Darüber hinaus ist Shell derzeit dabei, parallel auch das Netz an Wasserstofftankstellen enger zu stricken. Ende 2018 waren es derer noch 20, Ende 2019 sollen es 100 sein. Dabei handelt es sich um eine Investition und Wette in eine vergleichsweise ungewisse Zukunft. Noch ist ein Durchbruch der H2-Mobilität nicht erkennbar, obwohl diese schon seit Jahrzehnten als Königsweg gehandelt wird. Doch braucht es hierfür entsprechende Autos und gewaltige Investitionen in die Infrastruktur. Vor allem koreanische und japanische Autohersteller zeigen derzeit großes Engagement in diese Richtung. Ob und wann jedoch Brennstoffzellenfahrzeuge in großer Zahl in Deutschland unterwegs sein werden, erscheint ungewiss.

Tankstellen könnten Treibstoffe autark produzieren

Auch für die Energiewende sind noch große Investitionen und viel Engagement nötig. Doch es erscheint möglich, dass wir in vielleicht schon weniger als 20 Jahren unsere Energie vorwiegend aus regenerativen Quellen beziehen. Auch für den Betrieb von Fahrzeugen. Eine 2018 vorgestellte Studie der schweizerischen EMPA (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) sieht dabei die Chance, dass Tankstellen künftig mit überschüssiger Energie autark die Treibstoffarten selbst produzieren. Neben Strom für E-Autos per Photovoltaik könnten diese auch Wasserstoff per Elektrolyse oder synthetische Diesel- und Benzinkraftstoffe generieren. Laut dieser Studie könnte dies um 2035 soweit sein.

In einer Ende 2018 gemeinsam von Aral und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erstmals vorgestellten Studie kommt Tankstellen eine weitreichendere Rolle als nur die des Energiemaklers zu. Demnach könnten sich diese zudem zu Knoten- und Anlaufpunkte für diverse Mobilitätsformen wandeln. Zwar rechnet man damit, dass es 2040 weiterhin klassische Zapfsäulen geben wird, allerdings wird sich ihre Zahl zugunsten von Ladesäulen verringern.

Laut Aral könnten diese mit einer Leistung von 350 Kilowatt den Ladevorgang für viele hundert Kilometer auf wenige Minuten verkürzen. Zusätzlich könnten Tankstellen künftig als Akkuwechselstationen fungieren. Vor allem für elektrisch getriebene Motorroller oder E-Bikes bieten sich derartige „Akku-to-go“-Systeme an. In China arbeitet derzeit der E-Autobauer Nio daran, sogar Wechselakkusysteme für seine Elektroautos aufzubauen.

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