Tiefgreifender Wandel der Autobranche

Redakteur: Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Eine Roland-Berger-Studie sieht die Automobilindustrie weltweit vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Entwicklung wird nicht zuletzt im Handel Spuren hinterlassen.

Demografischer Wandel, ökonomisch-ökologische Nachhaltigkeit, geopolitische Veränderungen sowie die Weiterentwicklung von Mobilität und Technologien - diese fünf Großtrends werden nach Expertenmeinung die Automobilindustrie in den kommenden 15 Jahren weltweit grundlegend verändern. In der Studie „Automotive Landscape 2025“ hat die Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants aus dieser Einschätzung eine Reihe zentraler Prognosen abgeleitet, die auch den Handel betreffen.

„Der regionale Schwerpunkt der Industrie wird sich verlagern“, sagt Wolfgang Bernhart, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und einer der Autoren der Studie: „Die Kerntechnologien im Automotive-Bereich werden sich verändern; neue Geschäftsmodelle und Organisationsstrukturen werden entstehen. Auch Mitarbeiter müssen neue Anforderungen erfüllen.“

Die Studie prognostiziert eine starke Verschiebung des Automotive-Geschäfts in Richtung asiatische Märkte. Davon seien nicht nur die Produktionsstandorte betroffen, sondern auch das Produktsortiment. Denn ein erheblicher Teil der Kunden werde künftig aus Asien stammen und Produkte nachfragen, die auf speziell ihre speziellen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

„Diese Entwicklung gefährdet rund 300.000 Arbeitsplätze in Europa“, sagt Auto-Experte Bernhart hinzu. Dabei gehe es hauptsächlich um Arbeitsplätze in der Automobilproduktion. Diese Entwicklung werde beschleunigt durch die Schwierigkeit der Automobilindustrie in Europa und den USA, genügend qualifizierte Ingenieure und Fachkräfte rekrutieren zu können. Dafür seien die Firmen verstärkt auf Fachpersonal aus anderen Ländern angewiesen.

Demotorisierung der jungen Generation

Aufgrund der starken Nachfrage aus Asien werde der Anteil an kleinen und kostengünstigen Autos zunehmen. Das Kleinwagensegment werde als Folge des Wertewandels aber auch in gesättigten Märkten wachsen. Mit wachsender Bevölkerung und zunehmendem Wohlstand werde die Zahl der Autobesitzer bis 2025 weiter steigen.

Rund 83 Prozent des künftigen Marktwachstums würden dabei aber die boomenden Schlüsselmärkte der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) bestreiten. Allein in China werde die Zahl der Autobesitzer jährlich um satte 36 Prozent steigen. „Reife Märkte“ wie Nordamerika und Europa seien dagengene weitgehend gesättigt und blieben deshalb deutlich unter dem globalen Durchschnittswert von einem Prozent Jahreswachstum.

Zur gleichen Zeit würden Autos bei der jüngeren Generation an Prestige verlieren. „Ausgehend von einer Entwicklung in den Industrienationen werden sich die Werte radikal ändern. Für jüngere Menschen wird das Auto immer weniger ein Statussymbol darstellen“, sagt Auto-Experte Philipp Grosse Kleimann. Gerade in großen Metropolen werde der Besitz eines eigenen Autos nicht mehr unbedingt notwendig sein, um von A nach B zu kommen. Ökologisch verträgliche Mobilitätskonzepte wie beispielsweise Car Sharing könnten die Mobilitätsbedürfnisse des modernen Großstadt-Menschen noch besser und zielgenauer bedienen. Grosse sieht deshalb einen „klaren Trend zur Demotorisierung“.

Trend zu Elektro- und Hybridantrieb

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