Togg verkauft seit der IAA 2025 zwei Modelle auf dem deutschen Markt – vor allem das E-SUV T10X. Das Modell bietet viel Platz für Passagiere und Gepäck. In der Praxis hat es wohl einen wesentlichen Nachteil.
Der türkische Autobauer Togg ist in Deutschland mit zwei Modellen aktiv, darunter das Elektro-SUV T10X. »kfz-betrieb« hat das Modell getestet.
(Bild: Grimm – VCG)
Ziemlich üppig steht das Erstlingswerk der Türkiye'nin Otomobili Girişim Grubu (zu deutsch: Automobil-Initiativgruppe der Türkei) auf dem Hof: der Togg T10X. Das Elektro-SUV ist 4,60 Meter lang, 1,88 Meter breit und 1,67 Meter hoch, also ein ziemlich auffälliges Gefährt. Doch während der Grundgedanke des Bedienkonzepts revolutionär klingt – das Auto als Smart Device (dazu später mehr) –, fällt das Designkonzept nicht aus dem Rahmen.
Von vorn betrachtet, steht man einer bulligen Front gegenüber, die aufgrund ihrer senkrechten Rippen eine kurze Assoziation mit den Jeep-SUVs aufkommen lässt. Darüber sitzt auffällig das Togg-Emblem, das Fabrikat muss schließlich erkennbar werden auf den Straßen. Hinten gibt die Heckklappe einen 441 Liter fassenden Kofferraum frei, der sich mit umgeklappten Rücksitzen auf 1.515 Liter erweitern lässt. Und unter der Ladefläche nimmt ein kleines Staufach Kleinkram oder eben das unvermeidbare Ladekabel auf. So weit, so klassisch. Übrigens: Auf überbordende, auffällige Lichtgrafiken verzichtet Togg, das Rücklichtband zieht sich einfach von links nach rechts.
Bleiben wir beim Platz – die Erwartungen, die die äußere Optik geweckt hat, werden im Inneren nicht enttäuscht. Auf allen fünf Plätzen haben die Passagiere genügend Freiraum für Kopf, Körper und Beine. Die hellen Kunstledersitze und das Tageslicht durch die großzügig dimensionierten Fenster verstärken zusätzlich das luftige Gefühl. In Sachen Raum fehlt dem Togg allerdings eines: ein Frunk im „Motorraum“. Das ist überraschend, denn passend zur Gesamtlänge des Togg T10X streckt sich die Motorhaube ordentlich. Doch darunter ist tatsächlich alles gut gefüllt mit Flüssigkeitsbehältern, Kabeln, Bauteilen – und einer großen Starterbatterie der Marke Togg.
Am wenigsten kommt vom Raumgefühl beim Fahrer an, der naturgemäß das Lenkrad vor sich hat, aber auch von rechts durch eine hochbauende Mittelkonsole mit einer Art Steuerknüppel und davor den Bedienbildschirm (die Schaltzentrale des „automobilen Digital Device“) zugebaut wird; „eingeengt“ wäre allerdings ein übertriebenes Urteil.
Dass es im Togg viel zu steuern gibt, wird schon bei der Übergabe klar. Ein Beispiel: Der T10X verfügt über eine dreistufige Rekuperation, die sich merkwürdigerweise aber nicht direkt im Blickfeld des Fahrers einstellen lässt, sondern über zwei gut versteckte, weil auf der Fahrer-abgewandten Seite angebrachte Tasten im bereits genannten Steuerknüppel der Mittelkonsole. Dass die dort zu finden sind, muss man unbedingt gesagt bekommen.
Übrigens werden über diese Tasten auch die Fahrmodi eingestellt – mit den gleichen Problemen, wie mit der Rekuperation: Man muss es wissen und man muss sie ohne direkten Sichtkontakt bedienen. Gerade für ein E-Autos sind diese beiden Funktionen ja essenziell. Kurzer Spoiler: Um in die Fahrmodi-Auswahl zu kommen, drückt man beide unsichtbaren Tasten für zwei Sekunden, dann switcht man durch den Druck der linken oder rechten Taste den Fahrmodus. Der wiederum wird zwar im Fahrerdisplay angezeigt - aber eben nur der aktuelle Modus. Wie viele es gibt (Eco, Comfort, Sport), erschließt sich erst beim Durchscrollen.
Dass man für die Rekuperation extra Tasten braucht, ist schon deshalb verwirrend, weil es ja im Cockpit drei Bildschirme gibt. Hinter dem Lenkrad sind auf einem gut 12 Zoll großen Bildschirm die üblichen grundlegenden Informationen zu Fahrt und Fahrzeugzustand zu finden. Daneben zieht sich über die restliche Fahrzeugbreite ein 29 Zoll großer Bildschirm, der sich in drei Felder unterteilen lässt. Und darunter, gegenüber vom Steuerknüppel, sitzt das 8 Zoll große Touchdisplay.
Über das Touchdisplay werden alle möglichen (Komfort-)Funktionen gesteuert – vom Radio über die (Sitz-)Heizung bis hin zu den Beleuchtungseinstellungen und die Spiegelverstellung, aber auch die Bediensprache etc. Hier ist man endgültig bei der Idee vom Automobil als Digital Device angelangt, denn über den Touchbildschirm lässt sich nicht zuletzt die Zusammensetzung des 29-Zoll-Querdisplays steuern.
Navigation, Ladezustand und Tacho – oder doch lieber die Innenkamera (der Fahrer in Großaufnahme – wenn es denn sein muss), Youtube oder digitale Kunst (über die App Trumore), türkische TV-Sender oder auch die Möglichkeit, die – türkische – Steuererklärung aus dem Auto heraus zu erledigen: Hier flackern die Digital-Device-Ideen von Togg-Chef Gürcan Karakas auf, die er zur Präsentation des Togg-SUV Anfang 2022 auf der Verbrauchermesse CES in Las Vegas skizziert hatte.
Das Auto als Büro, Wohnzimmer, Biotop – und deshalb nach den Wünschen des Besitzers konfigurierbar. So lautet die Grundidee. Und deshalb ist auch so viel reingepackt – ob es die Kunden wirklich wollen oder brauchen, wird die Zukunft zeigen. Zumindest für den Tester als langjährigen Apple-Device-Konsument blieb die Bedienung der vielen Funktionen und Tools eher verwirrend – und manche Funktion blieb vermutlich unentdeckt.
Stand: 08.12.2025
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Für die Togg-Macher muss das vermutlich kein Widerspruch sein. Sie sehen das Auto als „von Grund auf softwaredefiniert“ an, was eine kontinuierliche Weiterentwicklung zulassen soll, etwa in den Bereichen:
Infotainment und Multimedia,
Fahrkomfort und Energieeffizienz,
Sicherheits- und Assistenzsysteme,
Benutzeroberflächen und Personalisierung.
Hoher Energieverbrauch geht auf die Reichweite
Spannend dürfte vor allem der Punkt Energieeffizienz sein. Denn was bei allen Testfahrten ins Auge gestochen ist, war der Energiebedarf des SUVs. Ausgestattet ist der T10X mit einer 88,5 kWh fassenden Batterie, die eine WLTP-Reichweite von 523 Kilometern zulassen soll. Gut, auch WLTP ist nicht real, das haben inzwischen ausreichend Elektroauto-Testfahrten belegt. Doch der Togg lässt sich kaum unter 30 kWh auf 100 Kilometern bringen. Nicht in der Stadt – trotz Rekuperation. Und nicht auf der Autobahn – trotz zurückhaltendem und vorausschauendem Fahren.
Am Ende standen für die 81 Kilometer lange Verbrauchstestfahrt von Würzburg nach Rothenburg – Stadtverkehr, Landstraße, Autobahn – 31 kWh/100 km im Bordcomputer. Allerdings waren die Temperaturen nicht ideal für ein E-Auto: 4 Grad Außentemperatur. Andererseits ist das eben auch die Realität in Mitteleuropa, der man sich stellen muss, wenn man hierzulande Erfolg haben will. Natürlich schlagen sich 2,2 Tonnen Leergewicht im Verbrauch nieder. Doch eine Differenz von WLTP- zu Realreichweite von teils 50 Prozent ist dringend verbesserungswürdig. Getestet wurde das Fahrzeug nach Bekunden von Togg vor dem Marktstart eingehend – auch unter eisigen Bedingungen. Auch am cW-Wert dürfte es nicht liegen: Den gibt Togg mit 0,24 an.
Was sonst noch auffällt
Der Togg T10X ist mit der Grundidee als Digital Device ein hoch technisiertes Auto – und damit natürlich auch anfällig für Störungen. Mal flackert der Bildschirm, mal bleibt die Rückfahrkamera auch beim Vorwärtsfahren aktiviert, mal springt die Sprache auf Türkisch um. Letzteres war vielleicht ein Bedienfehler – es ist zwischen den vielen Bedienebenen schwer nachzuvollziehen. Wenn man allerdings der Sprache nicht mächtig ist, fällt es schwer, sich zum Sprach-Menü zurückzunavigieren.
Und natürlich sind in das Fahrzeug verschiedene Assistenzsysteme hineingestopft, die sich durch Fiepsen, Warntöne und Warnhinweise bemerkbar machen. Dieser Vorwurf der alles überwachenden und vorgebenden Systeme könnte so auch an viele moderne Fahrzeuge gehen. Sicher ist einiges auszuschalten, wenn man die Bedienung fände. Es funktioniert dann doch über einen Hebel, nämlich den rechten hinter dem Lenkrad. Zum Fahrer ziehen und nach unten drücken oder doch vom Fahrer wegdrücken. Die Maximalgeschwindigkeit lässt sich über den Heben ebenso einstellen – wenn man die Aktivierung dieser Funktion gefunden hat.
Reduziert man den Togg T10X rein auf den grundsätzlichen Sinn eines Autos, nämlich die Fortbewegung von A nach B, gibt es wenig auszusetzen. Er fährt stabil, die Passagiere haben Platz und Stauraum. Preislich werden für das gut ausgestattete Modell für rund 46.000 Euro keine Mondpreise aufgerufen – das Einsteigermodell mit der kleinen Batterie ab 34.500 Euro ist aus Reichweitengründen vermutlich nicht empfehlenswert.
Hinsichtlich der Absatzerwartungen ist Togg weiterhin zurückhaltend. Es geht den Managern weiterhin zunächst um Erfahrungswerte. Und die will man zunächst nicht über ein klassisches Händlernetz sammeln, sondern im Direktkontakt über das Internet und die Trumore-App sowie die Zentrale in Stuttgart und einige Übergabe-Zentren sowie Roadshows. 148 Neuzulassungen zählte das Kraftfahrt-Bundesamt im Jahr 2025 nach dem Verkaufsstart auf der IAA. Im Januar kamen 46 hinzu – immerhin mehr als Vinfast, die inzwischen aber ein Vertriebsnetz aufbauen.
„Wir betrachten Deutschland nicht nur als Exportmarkt, sondern als langfristigen Referenzmarkt. Unsere Kapazitätsplanung basiert deshalb nicht auf möglichst hohen Stückzahlen, sondern auf nachhaltigem Wachstum, stabilen Servicekapazitäten und hoher Nutzerzufriedenheit“, heißt es dazu vom Importeur.