In Esslingen stellte E-mobil BW seine neue Studie zur Situation der freien Werkstattbetriebe vor. Viele Prognosen seien bereits spürbar, auf andere Szenarien müssten sich die Betriebe einstellen. Die Folgen der Transformation der Branche zu bewältigen, seien enorm, aber alternativlos, so das Fazit.
Stellten gemeinsam die Studie vor: (v. l.) Luckas Block (Fraunhofer IAO), Prof. Dr. Benedikt Maier (Institut für Automobilwirtschaft ifA, Zukunftswerkstatt 4.0), Franz Loogen (E-mobil BW), Michael Ziegler (Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe ZDK) sowie Prof. Dr. Stefan Reindl (Institut für Automobilwirtschaft ifA)
(Bild: E-mobil BW)
Wie wirken sich Digitalisierung und Elektrifizierung speziell auf freie Kfz-Werkstätten aus? Und welche Möglichkeiten haben diese, sich auf die bevorstehende Änderung durch die Transformation der Branche einzustellen? Diese und weitere Fragen standen im Fokus der Studie „Servicemarkt 2040: Perspektiven und Strategien für freie Werkstätten“, die der Branche am 21. September in der Zukunftswerkstatt 4.0 in Esslingen vorgestellt wurde.
Die Studie wurde umgesetzt im Auftrag der Landesagentur E-mobil BW, des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg sowie des Autorenteams vom Institut für Automobilwirtschaft (IfA) und des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).
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In Esslingen erläuterten die Experten die Ergebnisse ihres gemeinsamen Gutachtens. Franz Loogen, Geschäftsführer von E-mobil BW, umriss zunächst die Kernpunkte der Studie: „Freie Kfz-Betriebe tragen mit ihren Wartungs- und Reparaturleistungen entscheidend dazu bei, dass der motorisierte Individualverkehr – insbesondere in ländlichen Regionen – funktioniert.“
Durch die Transformation kommen jedoch erhebliche Veränderungen auf die Branche zu, wenn auch der Hochlauf nicht so schnell eintritt, wie zunächst erwartet. Elektroantriebe werden zusätzlich in die Werkstätten kommen. Die zunehmende Fahrzeugdigitalisierung, die Digitalisierung von Geschäftsprozessen, die Elektrifizierung des Antriebsstrangs und veränderte Vertriebsmodelle sind weitere Treiber für den enormen Wandel im Kfz-Gewerbe.
Die Tätigkeiten in der Automobilbranche und der Werkstatt werden in Folge anspruchsvoller: Bisherige Kompetenzen wie die Reparatur von Verbrennungsmotoren braucht es weiter. Sie müssen aber um neue ergänzt werden.
Das sei eine Herausforderung, so Loogen, aber für die Branche auch eine Chance. Denn sie könne somit ein Berufsfeld mit neuester Technologie bieten und damit im Kampf um Fachkräfte bei den jungen Menschen punkten. Loogen: „Sie dürfen nicht vergessen, Sie werden weiterhin alles brauchen. Aber der Strom kommt hinzu sowie der Wasserstoff und die Brennstoffzelle vor allem im Nutzfahrzeugbereich.“
Auch die Beschäftigungssituation sahen sich die Studienmacher an. Prognostiziert wird ein starker Abbau der Arbeitsplätze insbesondere bei den Freien Betrieben. „Aber wir wissen nicht, ob das ein Problem wird“, so Loogen. Denn gleichzeitig sinke die Zahl der Betriebe und der Bedarf an Fachkräften werde steigen. Insgesamt stelle die Transformation eine enorme Herausforderung für die Betriebe dar. Ein Weg, diese zu meistern sei, mit anderen Betrieben zu kooperieren.
Branche zwischen Aufbruchstimmung und Existenzängsten
Vorgestellt wurden die Studienergebnisse im Einzelnen von Lukas Block, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), und Prof. Benedikt Maier, Institut für Automobilwirtschaft (IfA).
In der anschließenden Diskussion bewerteten das Ergebnis Michael Ziegler als Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, Dan Bronkal (Robert Bosch Aftermarket), Anja Heinl (ATH Heinl), Georges Mourad (Mahle Aftermarket), Bettina Schmauder (Schmauder & Rau) sowie Prof. Dr. Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft.
Ziegler umriss die aktuelle Situation der Branche. Er sprach von der hohen Auslastung der Werkstatt, dem hohen Auftragsbestand, aber eben auch von den eher trüben Aussichten für die deutsche Wirtschaft, der hohen Inflation und der Stimmung gegen das Auto. Die Folgen der Elektrifizierung des Antriebs seien bereits spürbar, ebenso die Änderungen durch neue Agenturverträge mit den Herstellern. Diese würden die Handelssituation verändern; Hersteller würden auf Kosten ihrer Händler durch neue Vertriebswege versuchen, Margen für sich zu generieren. Durch den Markteintritt der chinesischer Marken verändere sich die Situation. Alles in allem befinde sich die Branche zwischen Sorgen, Hoffnung und Aufbruchstimmung, so Ziegler.
Prof. Stefan Reindl ergänzte: „Die Kfz-Branche bewegt sich auf einen Kipp-Punkt zu. Wenn dieser kommt, dann sollte man bereits eine Strategie haben, wie man als Kfz-Betrieb weitermacht.“
Sorge, Mitarbeiter werden um Arbeitsplätze fürchten
Einen Eindruck aus der Praxis vermittelte den Teilnehmern Bettina Schmauder, kaufmännische Leiterin des Unternehmens Schmauder & Rau, einer freien Werkstatt in Kirchheim unter Teck. Sie trat dem Eindruck entgegen, dass angesichts hoher Auslastung und guter Umsätze in den Werkstätten alles in Ordnung sei. „Die Situation ist auch heute nicht einfach. Die Geschwindigkeit und die Gleichzeitigkeit der Herausforderungen sind extrem, das kann man nicht einfach so wuppen.“
Stand: 08.12.2025
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Die Beschäftigungsprognose der Studie könnte zudem Mitarbeiter, auch zukünftige, verunsichern, weil sie glauben, die Branche werde keinen sichereren Arbeitsplatz mehr bieten. Kritik übte Schmauder in Richtung Hersteller und Politik: Das Handwerk investiere in die Ausbildung vieler junger Menschen, die dann in die Industrie abwanderten. In diesem Kampf erwarte sie mehr Unterstützung und Anerkennung durch die Politik. „Wichtig ist zudem der freie und ungehinderte Datenzugang“, ergänzte Bettina Schmauder. „Hierfür brauchen wir die Arbeit der Verbände. Einzelne Werkstätten haben da keine Chance.“
Dan Bronkal von Bosch bestätigte die Studienergebnisse. Das eigene Unternehmen spüre bereits die beschriebenen Veränderungen und Trends. Um die Folgen zu beherrschen, setze das Unternehmen auf Netzwerke und versuche Lösungen insbesondere für kleinere Betriebe zu bieten. Sein Ziel: „Die Werkstätten sollen reparieren, wir kümmern uns um den Rest.“ Mit Lösungen für die gesamte Kundenreise will Bosch das führende Netzwerk im freien Markt bleiben – und sucht neue Partner, vor allem aus den Reihen ehemaliger Markenbetriebe.
Anja Heinl, Geschäftsführerin des Werkstattausrüsters ATH Heinl, berichtete, dass sich die Lage in den Werkstätten bereits durch die Elektromobilität verändere. E-Autos seien schwerer, deshalb brauche es eine stärkere Hebebühne und neue Werkzeuge. Das seien enorme Investitionen. „Auch die Achsmessung gewinnt wieder an Bedeutung“, erzählte sie. Die Investitionen, die für die Reparatur und Wartung der Fahrassistenzsysteme erforderlich seien, seien enorm, aus ihrer Sicht aber unverzichtbar, wenn das Unternehmen mithalten wolle.
Prozesse finden schneller und gleichzeitig statt
Georges Mourad, Mahle Aftermarket, sieht es ähnlich und zeigte sich sicher, dass bald E-Autos in die Werkstatt kommen, konkret „in den nächsten fünf Monaten“. Darauf müssten sich Betriebe einstellen. Herausfordernd empfindet er auch das geänderte Verhalten und die Erwartungen der Kunden. „Transformation bedeutet Gleichzeitigkeit und Geschwindigkeit“, sagte er. Vieles finde parallel immer schneller statt und Kunden erwarteten schneller denn je Lösungen. Problematisch sei die Gefahr, nicht an die Fahrzeugdaten zu kommen. „Sie brauchen einen Zugang zu den Fahrzeugdaten. Wir wollen keine Betriebsgeheimnisse der Hersteller erfahren. Bei dieser Forderung sollten wir alle zusammen agieren und Druck aufbauen“, sagte er.