Porsche-Jubiläum Turbo-Turbine

Von Steffen Dominsky 5 min Lesedauer

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Sie ist der heiße Stachel einer jeden Modellreihe: Vor 50 Jahren erblickte der 911 Turbo als erster Porsche das Licht der Welt, den die Erfindung des Schweizers Alfred Büchi gewaltig unter Druck setzte – gewaltig, aber langsam. Motto: einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig …

Das Prinzip Turbo markiert seit einem halben Jahrhundert die Grenze des Machbaren bei Porsche. Dabei solll Turbo mehr als nur eine Modellbezeichnung sein.(Bild:  Dominsky – VCG)
Das Prinzip Turbo markiert seit einem halben Jahrhundert die Grenze des Machbaren bei Porsche. Dabei solll Turbo mehr als nur eine Modellbezeichnung sein.
(Bild: Dominsky – VCG)

„Tränen lügen nicht“, schmachtete erstmals im November 1974 Sänger und Songwriter Michael Holm ins Mikro. Nur wenige Wochen zuvor brachte ein damals noch reinrassiger Sportwagenbauer eine ganz besondere Variante eines seiner gerade einmal zwei Modelle umfassenden Fahrzeugangebots heraus. Sie trieb Fahrern bzw. Fahrerinnen – ja, auch die gab es (zumindest eine, denn die Besitzerin des allerersten „930“ war Louise Piëch, die Tochter Ferdinand Porsches), die mit ihr ein flottes Tänzchen auf dem Asphalt wagten, die Tränen aus dem Gesicht. Meist waren es Freudentränen. Denn was diese Ausführung des seit zehn Jahren gebauten Modells 911 vermochte, war der echte Wahnsinn. Doch bis dahin war es ein langer Weg – aus Sicht eines Porsche-Turbo-Fahrenden. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

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Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig … Es vergeht die sprichwörtliche Ewigkeit, bis, ja bis er endlich da ist, der Ladedruck. Eintausend, zweitausend, dreitausend Umdrehungen: Der intern „930“ benamte 911er, mit dem ich unterwegs bin, benimmt sich an diesem verwässerten Freitagmorgen ähnlich wie seine Saugerkollegen – es passiert bis dahin relativ wenig. Aber wehe, die Nadelspitze des Drehzahlmessers nähert sich der „4“. Während es bei den unaufgeladenen 11er-Geschwistern turbinenmäßig, sprich geschmeidig, nur dann eben spürbar flotter vorangeht, bricht beim 911 Turbo ab dieser Drehzahlschwelle die schiere Hölle aus. Die Hölle des schlagartig einsetzenden Drehmoments. Dann werden aus gefühlten 20 Nm von einer Sekunde auf die andere 343 Nm Kraft an der Hebelachse der Kurbelwelle. Wer jetzt bei feuchter Fahrbahn nicht aufpasst, dem streckt der 3-Liter-Sechszylinder den gestreckten Mittelfinger entgegen, sozusagen fragend: „Kannst Du mich beherrschen oder kannst mich nicht beherrschen?“