US-Passat: Gute Nachrichten für VW
Volkswagen bringt in den USA das erste neue Modell nach dem Abgas-Skandal. Der Facelift des Passat setzt keine Maßstäbe, verstecken muss er sich aber definitiv nicht.

Volkswagen kann gute Nachrichten gebrauchen. Der Skandal um die prüfstandsoptimierten TDI-Motoren ist vielleicht noch nicht zu voller Blüte gelangt – und bereits wie ein Wirbelsturm durch die Führungsetagen des Wolfsburger Konzerns gefegt. In der Höhle des Löwen, auf dem US-Markt, stellt VW jetzt einen überarbeiteten Passat vor. Dabei handelt es sich um ein Facelift der eigens für die USA entwickelten Version, die 2011 mit großen Hoffnungen vorgestellt wurde; sie wird im US-Staat Tennessee gebaut.
Auch in Deutschland wurde man damals aufmerksam auf das amerikanische Pendant zum deutschen Bestseller – und fühlte sich missachtet. Denn die US-Variante war und ist sowohl größer als auch preisgünstiger als der Euro-Passat. Die wenig beachtete Kehrseite waren die deutlich einfachere Ausstattung und das weniger verbrauchsoptimierte Motorenprogramm. Mit dem Wechsel des europäischen Modells auf die MQB-Architektur ist die technische Distanz nochmals gewachsen.
Dank einer Reihe technischer Verbesserungen schließt der US-Passat jetzt teilweise auf; Ziel war dabei jedoch nicht, das Niveau der Europa-Version zu erreichen, sondern sich von der Konkurrenz in Form von Honda Accord, Toyota Camry und Chevrolet Malibu abzusetzen. VW ist bei der PQ46-Plattform geblieben, setzt jedoch einen neuen Elektronik- und Infotainment-Baukasten ein – und hat die Struktur des Vorderwagens geändert, um die neuen Crashvorschriften der US-Institute zu erfüllen.
Obwohl der gesamte Vorderwagen ab der A-Säule geändert wurde, sind die optischen Änderungen eher dezent ausgefallen; eine neue Frontschürze, optionale LED-Scheinwerfer und zusätzliche Dekorelemente sollen die gepflegte Langeweile des bisherigen Modells vertreiben, wobei die grundsätzliche Formensprache nicht angetastet wurde. Das Heck wurde mit neu konturierten Rückleuchten und horizontal geprägten Elementen gestrafft; neue Alufelgen komplettieren den insgesamt hochwertigeren und weniger braven Auftritt.
Effektvoll geliftet wurde auch das Interieur; das in den gehobenen Ausstattungsvarianten verbaute Holzimitat wird jetzt durch einen silbernen Zierstreifen akzentuiert, und die Instrumente sitzen nunmehr in jenen unvermeidlichen Tuben, mit denen heute Sportlichkeit suggeriert werden soll. Unverändert bleiben die angenehm straffen Sitze, die Fahrer und Passagiere auf Langstrecken schätzen lernen, und die großzügigen Platzverhältnisse: Im Fond können auch großgewachsene Passagiere ihre Beine bequem übereinanderschlagen. Nach wie vor gibt es im US-Passat eine klassische Handbremse, deren Funktionsweise sich – im Gegensatz zu den modernen, elektronischen Parkbremsen – unmittelbar erschließt.
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