Während es bisher nicht einmal Xenon-Scheinwerfer und kaum Assistenzsysteme gab, wartet der US-Passat jetzt mit optionalen LED-Scheinwerfern und einer Palette an Assistenzsystemen auf, die dem europäischen Modell kaum nachsteht. Diese Systeme agieren so präzise, dass sie im regulären Betrieb höchst unauffällig bleiben. Insgesamt ist die Variantenvielfalt der US-Version trotzdem gering – das hilft, Kosten und Komplexität in der Produktion zu senken.
Ursprünglich wurde der US-Passat mit einem 2,5-Liter-Fünfzylinder angeboten, inzwischen fungiert ein 125 kW/170 PS starker 1,8-Liter-Vierzylinder-TSI als Basismotor. Dabei ist ein Sechsgang-Wandlerautomat obligatorisch; der ursprünglich vorgesehene Handschalter wurde kurz vor der Markteinführung gestrichen. Dennoch ist der Fronttriebler ausreichend spritzig: Der Spurt von 0 auf 100 Stundenkilometer dauert rund 8 Sekunden; die Spitze von ganzen 190 km/h ist nicht aussagekräftig, weil sie elektronisch abgeregelt wird. Die Leistungsentfaltung ist insgesamt nicht überschäumend, aber im Klassenvergleich adäquat.
Zur veritablen Hochleistungslimousine wird der US-Passat in seiner Spitzenversion: Dann ist er mit einem 3,6-Liter-Saugmotor ausgerüstet, der stolze 206 kW/280 PS leistet und 350 Nm Drehmoment auf die Vorderachse leitet. Der mit kleinem Zylinderwinkel nach dem VR-Prinzip konstruierte Sechszylinder begeistert mit linearer Kraftentfaltung und seidigem Klang; das hier verbaute, „nasse“ Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet ohne Zugkraftunterbrechung durch. Der Standardspurt dauert rund sechseinhalb Sekunden, abgeregelt wird bei 209 km/h – ohne Begrenzer wären rund 250 Stundenkilometer möglich. In Europa gibt es diesen schönen Sechszylinder leider nicht mehr, und auch in Amerika kommt das Prestige-Modell der Baureihe nur noch auf einen Anteil im einstelligen Bereich.
Überfordert ist die Limousine mit dieser Motorisierung jedenfalls nicht: Mit seiner angenehm leichtgängigen, präzisen Lenkung und dem straff abgestimmten Fahrwerk ist der US-Passat nicht nur eine komfortable Reiselimousine, sondern er lässt sich auch sportlich über anspruchsvolle Pisten bewegen. Dabei kommt der Aufbau kaum aus der Ruhe, schlechte Wegstrecken werden souverän pariert.
Dennoch hat es seine Gründe, dass VW die US-Version nicht nach Europa bringt. Besser als Camry und Malibu ist der ab 22.400 Dollar (rund 20.300 Euro) angebotene Passat allemal, Maßstäbe setzt er jedoch nicht. Das könnte allerdings mit dem Nachfolgemodell gelingen, das 2019 auf den Markt kommen soll und dann – wie das deutsche Schwestermodell – auf der MQB-Architektur steht.
Anfang 2016 soll es auch wieder einen TDI geben. Dessen Zulassung schmort derzeit bei der amerikanischen Umweltbehörde EPA, die jüngst gravitätisch verkündet hat, dass man sich für das Verfahren einige Monate Zeit genehmigen wird. Sollte sich das Amt zu einer schnelleren Überprüfung bequemen, wäre das eine weitere gute Nachricht für VW.
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