Verbandsneugründung VAD will Autohandel eine direkte Stimme geben

Von Doris S. Pfaff 5 min Lesedauer

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In Münster hat sich der VAD mit sieben Mitgliedern als neuer Händlerverband gegründet. Ziel ist die direkte Interessenvertretung, so wie sie der ZDK nicht bieten könne. Dennoch wünscht der neue VAD-Präsident Burkhard Weller eine enge Zusammenarbeit mit dem ZDK.

Der Vorstand des VAD (v.l.): Peter Schäfer (Schatzmeister), Kurt-Christian Scheel (Geschäftsführer), Burkhard Weller (Vorsitzender) und Helmut Peter (2. Vorsitzender).(Bild:  VAD)
Der Vorstand des VAD (v.l.): Peter Schäfer (Schatzmeister), Kurt-Christian Scheel (Geschäftsführer), Burkhard Weller (Vorsitzender) und Helmut Peter (2. Vorsitzender).
(Bild: VAD)

In Münster hat sich am Donnerstag wie angekündigt der Verband der Automobilhändler Deutschland (VAD) als „neue politische Interessenvertretung“ gegründet. Präsident und Gründer des VAD ist der Unternehmer Burkhard Weller von der gleichnamigen Autohausgruppe. Zum Vizepräsidenten wurde Helmut Peter von der Peter-Gruppe gewählt und das Amt des Schatzmeisters hat Peter Schäfer inne, Mitinhaber der Autohausgruppe Kreuter-Medele-Schäfer aus Weilheim. Die Geschäftsführung liegt beim ehemaligen ZDK-Hauptgeschäftsführer Kurt-Christian Scheel.

Der neue Verband soll künftig den rund „6.000 Automobilhändlern in Deutschland“ eine direkte Interessenvertretung in Berlin bieten, so der VAD. Bislang fehle sie, auch nicht durch den Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), dessen Geschäfte Scheel bis Anfang Mai geführt hatte. Die ZDK-Satzung sehe eine direkte Mitgliedschaft der Händler im ZDK nur unter schwierigen Voraussetzungen vor. Zudem sei der ZDK durch die starke Vertretung des ZVK sehr werkstattgetrieben und wegen seiner Struktur zu groß.

Ziel ist, 80 Prozent der Händler zu vertreten

Der Autohandel benötige jedoch dringend eine direkte Interessenvertretung. Schließlich stelle der Handel mit seinen mehr als 300.000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 128 Milliarden Euro in Handel und Service in Deutschland eine stärkere Wirtschaftskraft dar als die Automobilindustrie.

An der Gründungsversammlung in Münster nahmen sieben Händlergruppen teil. Der Zuspruch, so Weller, sei jedoch deutlich höher. Etwa 18 Händler seien vor Ort gewesen. Er rechne innerhalb der nächsten Tage mit rund zwölf weiteren Mitgliedern. Namhafte Händler hätten zugesagt, den VAD zu unterstützen. Ziel sei, 80 Prozent der Autohändler zu vertreten bzw. die etwa 200 größten Händlergruppen zu gewinnen.

Der VAD soll eine schlanke, schlagkräftige, meinungsstarke Interessenvertretung der Automobilhändler“ werden. Denn „die öffentliche Wahrnehmung der Unternehmer und der Branche spiegelt noch nicht ihre wirtschaftliche, beschäftigungs- und umweltpolitische Bedeutung wider“, so die Erklärung. Burkhard Weller ergänzt: „Wir Autohändler sorgen dafür, dass die Menschen in Deutschland das Auto finden, das am besten zu ihren Bedürfnissen passt: bezahlbar, nachhaltig, zuverlässig. Aber wir Unternehmer sagen auch: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Das bedeutet: Keine Politik gegen das Auto, sinnvolle Rahmenbedingungen für die Elektromobilität, weniger Belastung, weniger Bürokratie. Dafür setzen wir uns ein.“

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Kurt Christian Scheel als Geschäftsführer

Wie genau die Lobbyarbeit umgesetzt werden soll, ist noch nicht festgelegt. Sicher ist sich Weller jedoch, mit Scheel an der Seite direkte und schnelle Wege finden zu können – auch auf europäischer Ebene –, um die Interessen des Autohandels zu vertreten. Auch die Autohersteller will der VAD ins Visier nehmen und die Position der Fabrikatsverbände unterstützen.

Als konkrete Themenfelder nennt Schatzmeister Peter Schäfer die Dienstwagennutzungsregelungen, E-Autoquote und steuersubventionierte Prämien. Der Verband setze auf einen intensiven Dialog mit der Politik in Berlin und in Brüssel und in enger Abstimmung mit dem ZDK. Burkhard Weller: „Wir Unternehmer müssen selbst ran. Nur wir können glaubwürdig erklären, wo der Schuh drückt. Und er drückt gewaltig, bei den Großen und bei den Kleinen. Deswegen setzen wir auf einen schlanken und agilen Ansatz.“

Für den neuen VAD-Präsidenten ist die Gründung eines Händlerverbands nicht neu. Vor genau sechs Jahren gab es bereits einen Anlauf, einer eigenen Interessenvertretung: 2019 wurde in Berlin der Verband der Marken-Vertragshändler (VMH) gegründet, um „zukünftig ihre Interessen stärker gegenüber Politik und Medien zu vertreten – und dies unabhängig von einzelnen Automarken“, und war auch Cecra beigetreten, um auch auf europäischer Ebene die Interessen der deutschen Marken-Vertragshändler wahrnehmen zu können.

Der VMH verstand sich „als Ergänzung zu bestehenden Organisationen, dies gilt auch für die Fabrikatsverbände“. Aufgabe sei, bilaterale Dialoge und Verhandlungen mit Herstellern zu führen. Seitdem fanden in der Öffentlichkeit kaum mehr Aktivitäten des VMH statt. Das Scheitern des VMH räumte Weller nun ein, die Ziele des VHM aber blieben. Der Verband sei nicht mutig genug gewesen. Das werde sich mit Scheel an der Seite für den VAD nicht wiederholen.

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VAD kein Nachfolger des aufgelösten VMH

Inzwischen ist der VMH Geschichte: Weller gab bekannt, den VMH am Dienstag aufgelöst zu haben, damit sei auch die Mitgliedschaft im Cecra erloschen. Inwieweit sich nun der VAD aufstellt, sei noch offen: Weller: „Uns hat keiner gerufen und uns treibt keiner.“ Die Entwicklungen rund um den ZDK werde der neue Verband abwarten, ebenso die Aktivitäten auf europäischer Ebene, wo mit dem Automotive Mobility Europe (AME) ebenfalls eine Neugründung ansteht. Oberste Priorität habe nun die Interessenvertretung der Händler in Berlin.

Wiederholt erklärte Weller, mit dem VAD keinen Konkurrenzverband gegründet zu haben. Vielmehr suche er den Schulterschluss mit dem ZDK und den anderen Branchenverbänden. Eine Mitgliedschaft im ZDK sei angedacht, hänge aber von den Entwicklungen der Verbandskrise ab. Wie berichtet, findet am Dienstag in Weimar die ZDK-Mitgliederversammlung statt, bei der auch der Entwurf einer neuen Satzung vorgelegt wird. Ein Veto des ZDK zur VAD-Gründung gibt es nicht, betonte Helmut Peter, der ZDK-Vorstandsmitglied und Präsident des Kfz-Gewerbes Thüringen ist.

ZDK bietet VAD offene Tür

Thomas Peckruhn, Präsident des ZDK, lud erneut ein, dass sich der VAD im ZDK engagiere: „Der VAD will vor allem große Handelsgruppen bündeln. Mit vielen Standorten oft in verschiedenen Bundesländern und mit teilweise mehreren Marken ist es schwierig, so eine Gruppe mit ihren besonderen Anforderungen in bestehende Verbandsstrukturen zu integrieren. Schon heute ermöglicht die ZDK-Satzung, dass mit dem Kfz-Gewerbe verbundene und bundesweit tätige Vereinigungen ZDK-Mitglied werden können. Auch dem VAD steht dieser Weg offen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen als starke Stimme der gesamten Branche auftreten. Nur so können wir für alle unsere Betriebe etwas bewirken.“

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