Der Münchener E-Auto-Hersteller hat das finale Design seines Solar-E-Autos Sion vorgestellt. Bei der Vermarktung der Fahrzeuge bleibt das Unternehmen bei seiner Linie: Die läuft ohne Händler.
So sieht der Sion von Sono Motors final aus. Die Fotovoltaik-Zellen sowie die Verkabelung liegen in einer Polymerschicht, die nur 45 Nanometer dünn ist. Mit dieser Ausstattung soll der Sion pro Woche durchschnittlich die Energie für 112 Kilometer Reichweite generieren.
(Bild: Sono Motors)
Das Münchener Auto-Start-up Sono Motors hat das finale Design des Solar Electric Vehicles (SEV) Sion präsentiert. „Wir haben noch mal einiges verbessert“, umreißt Jona Christians, CEO und Mitgründer des Unternehmens, die Neuerungen gegenüber den bisherigen Prototypen.
Front- und Heckleuchten wurden überarbeitet. Der Sion bekommt andere Türgriffe sowie eine überarbeitete Ladeklappe an der Front. Die Designer haben in der Karosserie einige Linien eliminiert, sodass klarere Oberflächen entstehen.
Im Innenraum bleibt das Moos als Filter für die Lüftung erhalten. Überarbeitet sind auch Lenkrad und Sitze. „Vor allem das Material der Bezüge ist jetzt robuster“, sagt Christians mit Blick auf die Option, das E-Auto mit anderen über eine App zu teilen.
Zum Vertrieb gibt es nichts grundsätzlich Neues. Sono Motors will, auch aus Kostengründen, weiterhin auf die stationäre Vermarktung seiner Fahrzeuge verzichten. Den Ansatz hatte Vorstandsmitglied Thomas Hausch schon vor Längerem im Gespräch mit »kfz-betrieb« erläutert. Unter anderem über Roadshows und natürlich online sollen potenzielle Kunden auf das Produkt Sion aufmerksam werden. Für den Service wird es neben den Do-it-yourself-Ansätzen auch stationäre Partner geben.
An der Integration der 456 Halb-Solarzellen in Türen, Kotflügeln und Dach des Sion werde man bis Produktionsstart weiter arbeiten, so Christians. Man wolle die bläulich schimmernden Module nicht verstecken. Es gehe eher darum, sie aus aerodynamischen und haptischen Gründen nahtlos in die Karosserie einzubinden.
„Wenn man darüberstreicht, muss es eine glatte Fläche sein“, so der Sono-CEO. Die Fotovoltaik-Zellen sowie die Verkabelung liegen in einer Polymerschicht, die nur 45 Nanometer dünn ist.
Mit dieser Ausstattung soll der Sion pro Woche durchschnittlich die Energie für 112 Kilometer Fahrleistung generieren. Pro Jahr rechnet das Unternehmen mit 5.800 Sonnenkilometern. „Damit liefern wir das weltweit kostengünstigste Solar-Elektroauto“, sagt Co-Gründer und CEO Laurin Hahn. Ein vergleichbar ausgestattetes E-Auto müsse vier Mal so oft an die Ladesäule, rechnet er vor.
Testflotte auf dem Weg
Das Solar Electric Vehicle (SEV) ist mit einem 54-kWh-Lithium-Eisenphosphat-Akku ausgestattet. Der wird mit bis zu 75 kW Gleichstrom oder 11 kW Wechselstrom geladen. Das Fahrzeug gibt Energie ans Haus oder andere E-Autos ab. Die Reichweite liegt bei 305 Kilometer.
Derzeit fertigt das Unternehmen eine Serien-Validierungsflotte von insgesamt 37 Fahrzeugen. Davon sind 16 vollständige Versionen. Sie werden eingesetzt für Homologation, Crashtests, Testfahrten unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen sowie für weitere Verbesserungen der Fahrdynamik.
In der zweiten Jahreshälfte 2023 startet die Serienfertigung in Finnland bei Valmet Automotive. Bei dem Auftragsfertiger wird auch das niederländische Solar-E-Auto Lightyear Zero vom Band laufen.
Für 2023 rechnet Sono Motors mit einem niedrigen vierstelligen Produktionsvolumen. Nach Abschluss der Hochlaufphase liegt die geplante Produktion bei 43.000 Fahrzeugen pro Jahr. Der Vertrag mit Valmet läuft über 257.000 Fahrzeuge innerhalb von sieben Jahren.
19.000 Reservierungen für den Sion
Sono Motors wurde 2016 gegründet und startete im selben Jahr seine erste Crowd-Funding-Kampagne. Bis zum Börsengang in New York im vergangenen Jahr wurden 400 Millionen Euro eingesammelt. Bislang liegen 19.000 Reservierungen mit einer durchschnittlichen Anzahlung von jeweils 2.225 Euro vor. Sono Motors musste den Verkaufspreis im Entwicklungsprozess mehrfach nach oben korrigieren. Wer jetzt bestellt, zahlt 29.900 Euro für das SEV. Wie der Umweltbonus 2023 aussehen wird, ist noch unklar.
Christians ist durchaus für eine staatliche Förderung, doch sollte sie für reine E-Autohersteller angepasst werden. „Wir können nicht mit anderen Fahrzeugen quersubventionieren. Daher sollte es eine Staffelung beim Herstellerrabatt geben“, sagt der CEO. Ein Herstellerrabatt in Höhe von 3.000 Euro ist für das junge Unternehmen mit einer Modellvariante unrealistisch.
Das Geschäft mit der Sonne
Sono Motors stützt sein Geschäft neben dem Fahrzeugverkauf auf die Solarsparte. Als reines B2B-Geschäft verkaufen die Münchner ihr Wissen über die Integration von Solarzellen in große Fahrzeuge. Beim Community-Event wurde ein Solar-Bus-Kit vorgestellt. „Es ist ein Nachrüst-Bausatz für Busse im öffentlichen Nahverkehr“, sagt die Produktverantwortliche Amy Butts. Gedacht ist es für zwölf Meter lange Linienbusse.
Stand: 08.12.2025
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Auf dem Dach werden acht Quadratmetern Solarzellen befestigt. Hinzu kommt die Verkabelung zur Telemetrie und zur vorhandenen Batterie in den Bussen mit Verbrennungsmotor. Die gewonnene Energie (circa 3,5 kW pro Tag) wird für Heiz- und Klimatisierungsleistung genutzt. „Das spart pro Bus und Jahr rund 1.500 Liter Diesel sowie bis zu vier Tonnen CO2“, sagt Butts. Nach drei bis vier Jahren habe sich die Anschaffung amortisiert. Ein Linienbus ist durchschnittlich 11,4 Jahre im Einsatz. Sono Motors zeigt das Nachrüst-Kit im September auf der IAA Transportation.
In Zusammenarbeit mit dem Münchner Busunternehmen VBR ist ein Linienbus mit dem Nachrüst-Kit in der bayrischen Landeshauptstadt unterwegs. Mit den Verkehrsbetrieben MVV testet Sono bereits einen Busanhänger mit Solarzellen auf dem Dach.
Ein weiteres Testfahrzeug ist ein 13,6 Meter langer Kühlauflieger mit Solarzellen auf dem Dach und an den Seiten, die in der Spitze 10 kWh Energie liefern. Der Dieselmotor muss keine Energie für die Kühlaggregate liefern. Insgesamt unterhält Sono Partnerschaften mit 19 Unternehmen. Konsequent wäre auch der Einsatz von Solarzellen auf Schiffen. Doch hier winkt Jona Christians ab: „Wir konzentrieren uns zunächst auf Busse, Kühlfahrzeuge und E-Transporter mit Rädern.“
Über den Autor
Dirk Kunde ist freier Journalist mit Sitz in Hamburg. Über seine Leidenschaft für Technik kam der Diplom-Volkswirt zum E-Auto. Assistenzsysteme, Lademanagement und alle weiteren Software-basierten Funktionen begeistern ihn bei der Elektromobilität. Außerdem beschäftigt er sich mit der Einbindung des E-Autos in den Energiesektor.