Die Europäische Union verschärft ihre eigenen Klimaziele weiter. Unter anderem soll Wirtschaft und Verkehr bis 2050 klimaneutral sein. Heftige Kritik kommt dabei aus dem Kfz-Gewerbe: Bis dahin seien schließlich auch noch Fahrzeuge mit konventionellen Motoren unterwegs, die man nicht einfach verschrotten könne.
Die EU verpflichtete sich darauf, die Klimaziele zu verschärfen. Bis 2050 soll auch der Verkehr klimaneutral sein.
Vorgegeben hatte das EU-Parlament eigentlich eine noch stärkere Verschärfung: Die Emissionen sollten bis 2020 um 60 Prozent gesenkt werden, und es sollte eine schärfere Berechnungsmethode angewendet werden. Das akzeptierten die Vertreter der EU-Staaten nicht. Nun sollen in neun Jahren die CO2-Emissionen in der EU um 55 Prozent sinken. Eigentlich hatte sich die EU verpflichtet, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent unter den Wert von 1990 zu senken. Bis zum Jahr 2050 verpflichtete sich die EU nun, klimaneutral zu sein.
Das heißt: Ab 2050 werden alle Treibhausgase vermieden oder gespeichert. Nötig ist dafür der Umstieg auf erneuerbare und abgasfreie Energien und Produktionsmethoden. Wie das konkret gehen soll, will die EU-Kommission in einem Gesetzespaket „Fit for 55“ im Juni erklären. Kritik dazu kam von den Grünen und von Umweltschützern: Ihnen geht die Verschärfung des Klimaziels nicht weit genug.
Zu schnell und zu planlos zum Klimaziel
Dem Kfz-Gewerbe geht es dagegen zu schnell und zu planlos, weil sich in diesem Tempo die Fahrzeuge nicht klimaneutral machen ließen. Selbst Hersteller, die bis 2030 aus dem Verbrenner aussteigen wollen, werden also noch Autos produzieren, die bis 2040 oder 2050 unterwegs sind. Die ließen sich dann nicht einfach stilllegen oder verschrotten, kritisiert Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg.
Wenn die Politik zudem nicht die Arbeitsplätze der Autobranche gefährden wolle, müsse sie dringend Strategien und alternative Technologien entwickeln, um diese Fahrzeuge bis 2050 klimaneutral zu machen oder deren CO2-Ausstoß zumindest erheblich zu mindern. Sonst lasse sich das Klimaziel nicht erreichen.
Zu einer Klimaschutzstrategie gehört aus Sicht Zieglers deshalb, nicht nur ein Klimaziel ins Auge zu fassen, sondern auch zu fragen, was sich technisch lösen lasse und umweltpolitisch sinnvoll sei. Ziegler: „Dann zeigt die Analyse schnell: Wir müssen nicht den Verbrennungsmotor ersetzen, sondern die fossilen Kraftstoffe. Wir können den Klimaschutz im Verkehrsbereich unter Einsatz von Wind- und Sonnenenergie schnell voranbringen, wenn wir internationale Kooperationen eingehen und die vorhandene Infrastruktur an Pipelines und Tankern nutzen. Die technischen Details sollten aber Sache der Ingenieure sein.“
Verbrenner durch synthetische Kraftstoffe klimaneutral machen
Das Ziel der EU ist aus Sicht Zieglers utopisch. Auch wenn über die massiv angeschobene Elektromobilität das Ziel erreicht werde, seien die Voraussetzungen dafür nicht gegeben, weil ein dichtmaschiges Netz an Ladestationen fehle.
Selbst wenn es gelingen sollte, bis ins Jahr 2030 10 Millionen E-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen, verblieben noch mindestens 37 Millionen Verbrenner, für die eine Lösung gefunden werden müsse, so Ziegler.
Gute Lösungsansätze lägen schon lange vor. Mit der schrittweisen Beimischung von synthetischen zu herkömmlichen Kraftstoffen könnte die Quote der klimaneutral fahrenden Fahrzeuge gesteigert werden. Das erfordere jedoch eine stärkere Investition in grünen Wasserstoff. Doch es fehle hier an Strategien.
Politik und Hersteller denken zu kurzfristig
Ziegler: „Dabei brauchen wir einen internationalen Ansatz. An der kurzfristigen politischen Entwicklung hin nur zu E-Autos ist auch problematisch, dass der weltweite Strommix darauf ausgerichtet werden müsste – und das ist bis 2030 oder auch 2050 nicht umsetzbar. Um wirklich Umweltschutz zu betreiben und nicht einfach nur den Verbrenner zu verbieten, muss daher auch der Verbrenner weiter optimiert werden, um umweltpolitisch weltweit kurz- und mittelfristig Fortschritte erzielen zu können.“
Die Autoindustrie sieht Michael Ziegler ebenfalls als Schwachstelle: „Deren derzeitiges Handeln sei geprägt vom Denken und Streben nach kurzfristiger Gewinnmaximierung durch Vermeidung von CO2-Strafzahlungen, nicht von einer langfristigen und nachhaltigen Strategie, weder aus wirtschaftlichen noch als Umweltgesichtspunkten. Wenn Tretautos die Strafzahlungen senken würden, würde sie wohl auch diese produzieren.“
Ziegler wünscht sich „eine klare Positionierung der Automobilindustrie für den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Sicherung des Technologievorsprungs im eigenen Lande, anstatt kurzfristige und opportunistische Ziele zu verfolgen. Technologieoffenheit ist dabei der richtige Weg.“
Stand: 08.12.2025
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