Schwankende Benzinpreise Vergleichsportal wirft Branche Irreführung vor

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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An manchen Tankstellen ist Preisstabilität ein Fremdwort. Bis zu 50 Änderungen am Tag hat das Bundeskartellamt registriert. Wer sich auf den Preis beim Blick auf eine App darauf verlässt, ist oft bei Ankunft der Gelackmeierte. Wird der Verbraucher hinters Licht geführt?

Günstig Tanken will wohl jeder – doch die schnellen Preisanpassungen machen den Stopp an der Zapfsäule oft unkalkulierbar.(Bild:  Stöhr/HEM)
Günstig Tanken will wohl jeder – doch die schnellen Preisanpassungen machen den Stopp an der Zapfsäule oft unkalkulierbar.
(Bild: Stöhr/HEM)

Die Spritpreise an deutschen Tankstellen schwanken schnell. Zu schnell, sagt nun das Vergleichsportal Benzinpreis.de, das der Branche vorwirft, tausendfach Preise nur für wenige Minuten anzubieten und damit „Verbraucher hinters Licht“ zu führen. Auch das Kartellamt kritisiert, dass schnelle Schwankungen es Verbrauchern schwierig machen, sich zu orientieren. Der Branchenverband Fuels und Energie weist die Kritik zurück.

Das Portal hat nach eigenen Angaben vom 12. bis 18. Mai die Preisdaten der gut 14.000 Tankstellen in Deutschland ausgewertet, die diese an die Markttransparenzstelle beim Bundeskartellamt melden müssen. Dabei stellte das Portal nach eigenen Angaben fest, dass mehr als 11.000 Tankstellen in diesem Zeitraum Preise meldeten, die teilweise für weniger als 15 Minuten galten. Bei 3.851 Tankstellen registrierte das Portal sogar einzelne Preise, die nicht einmal 5 Minuten lang in Kraft waren. 

Benzinpreis.de sieht darin eine „Irreführung der Kunden“. Diese würde so zur Tankstelle gelockt, ohne Chance, den angegebenen niedrigen Preis auch zu erhalten. Das Portal fordert daher Verbraucherschutzverbände auf, die Tankstellenbetreiber abzumahnen.

Mineralölindustrie weist Vorwürfe zurück

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, der unter anderem die großen Mineralölunternehmen vertritt, wies die Vorwürfe als völlig unbegründet zurück. Die Markttransparenzstelle sorge „für vollständige Transparenz der Benzin- und Dieselpreise auf dem deutschen Markt“. Das sei gut für die Kunden. „Denn in einem hochgradig wettbewerbsintensiven Umfeld konkurrieren die Tankstellen über den Preis um jeden Autofahrer, was zu den starken Preisschwankungen führt.“ 

Allerdings sieht auch das Bundeskartellamt die schnell schwankenden Spritpreise kritisch: „Die häufigen Preisänderungen an den Tankstellen machen es den Verbraucherinnen und Verbrauchern immer schwerer, einen Preisvergleich mithilfe der Daten unserer Markttransparenzstelle für Kraftstoffe vorzunehmen und ihr Tankverhalten danach auszurichten, um Geld zu sparen“, sagte Präsident Andreas Mundt auf Anfrage der dpa.

Das Kartellamt hatte sich dem Thema bereits im April gewidmet, nachdem es im ersten Quartal im Schnitt 22 Preisänderungen pro Tag bei den deutschen Tankstellen gezählt hatte. 8 Prozent änderten ihre Preise dabei sogar mehr als 35 Mal, einzelne sogar mehr als 50 Mal am Tag – wohlgemerkt im Durchschnitt des ganzen ersten Quartals. 

Kartellamt für weitere Untersuchungen

Die Behörde regt an, die Auswirkungen der häufigen Preisänderungen an Tankstellen weiter zu untersuchen. Darauf aufbauend könne über adäquate regulatorische Schritte nachgedacht werden. Diese wären aber Sache des Gesetzgebers. 

In der Vergangenheit hat das Kartellamt dabei unter anderem auf Regeln hingewiesen, wie sie beispielsweise in Österreich oder Teilen Australiens gelten: Dort ist die Zahl der Preisänderungen auf verschiedene Weisen eingeschränkt. Eine Empfehlung in diese Richtung gab es damals allerdings nicht. Unter Experten ist zudem umstritten, ob nicht möglicherweise die starken Schwankungen wie in Deutschland am Ende im Schnitt zu niedrigeren Preisen führen.

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