Cariad Wie Wolfsburg sein Software-Haus sanieren will

Von Jens Rehberg 2 min Lesedauer

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Volkswagen hat aktuell zahlreiche Probleme. Mit das größte ist die eigene Software-Schmiede. Laut einem Pressebericht hat Sparten-Chef Peter Bosch jetzt einen schmerzhaften Rettungsplan vorgelegt.

Bei VWs Softwaretochter Cariad sollen 2.000 Stellen wegfallen. (Bild:  Volkswagen)
Bei VWs Softwaretochter Cariad sollen 2.000 Stellen wegfallen.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen will 2.000 der 6.500 Stellen bei seiner Softwaretochter Cariad abbauen. Wie das „Manager-Magazin“ am Freitag online berichtete, soll die komplette Organisation neu aufgestellt und klarer geordnet werden. Cariad-Chef Peter Bosch wolle das Budget für die Sparte von derzeit knapp vier Milliarden Euro pro Jahr deutlich reduzieren. Zudem soll die stattliche Anzahl von Beteiligungen um die Hälfte reduziert werden.

Bosch soll dem Konzernvorstand in diesem Zuge Mitte der vergangenen Woche eröffnet haben, dass die künftige Elektronikarchitektur „E3 2.0“ für alle VW-, Seat-, Cupra- und Skoda-Modelle nicht nur deutlich später als geplant (2025) kommen soll, sondern auch komplett neu entwickelt werden muss. Den Schaden hierfür habe er auf rund 1,5 Milliarden Euro beziffert.

Q6 E-Tron und Porsche Macan rutschen weiter nach hinten

Aber auch die Fahrzeugsoftware, die eigentlich schon längst im Einsatz sein sollte – im Audi Q6 E-Tron und im Porsche Macan – lässt weiter auf sich warten. Beide Modelle sind bereits drei Jahre hinter den ursprünglichen Zeitplan zurückgefallen. Bis zu 18 Wochen weitere Wartezeit hat Peter Bosch laut dem „Manager-Magazin“ den Volkswagen-Vorständen nun angekündigt – es wird also Frühling 2024 werden, bis die entsprechende Elektronik zuverlässig funktioniert.

Und auch die Entwicklung des Folgesystems „E3 1.2“ für alle künftigen Porsche- und Audi-Modelle werde sich verzögern – für die letzten der rund 60 betroffenen Varianten könne dies eine Verspätung von bis zu zwei Jahren bedeuten.

Festhalten will der Cariad-Chef an den Konzepten für das autonome Fahren. Die Software inklusive Sensoren und Kameras soll 2028 für Pkw im Rahmen der E3-2.0-Architektur einsatzbereit sein.

Widerstand gegen den Sanierungsplan dürfte es nicht zuletzt vonseiten des Betriebsrats geben. Laut dem Wirtschaftsmagazin war Betriebsratschefin Daniela Cavallo zwar bereits eingeweiht, doch alles andere als überzeugt. Der für Cariad zuständige Betriebsrat Stefan Henze habe sich bereits kritisch geäußert – es gehe jetzt darum, die Software für die neuen Modelle möglichst schnell fertig zu bekommen. Vor diesem Hintergrund sei es völlig unverständlich, fast ein Drittel aller Stellen bei der Softwareschmiede zu streichen.

Verstärkungen auf hohem Niveau

Um seinen Rettungsplan umzusetzen, hat Cariad-Chef Bosch unter anderem den ehemaligen Porsche-Entwickler Thomas Günther als „Chief-Launch-Officer“ eingesetzt. Er soll gewährleisten, dass die Software für die neuen Porsches und Audis sowie für VWs ID-Modelle und ihre Varianten auch wirklich pünktlich zum geplanten Anlauf bereit steht. Zudem habe man mehr als zehn Top-Entwickler aus den USA für Cariad gewinnen können. Bereits kommuniziert wurde Sanjay Lal, der schon bei Tesla, Google und Rivian aktiv war. Er verstärkt ab November den Cariad-Vorstand.

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