Volkswagen: Mobilität des Wirtschaftswunders

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Ford T war der Erste

Von einem Volkswagen war Überlieferungen zufolge in Deutschland schon 1904 erstmals die Rede. Schon damals waren Ingenieure der Meinung, dass die Zukunft der Automobilindustrie in der Massenfertigung erschwinglicher Kleinwagen liege. Umgesetzt wurde diese Idee allerdings 1908 von Henry Ford: Er revolutionierte durch die Fließbandfertigung des Ford-T-Modells die Automobilproduktion und baute ein preiswertes Automobil für weite Teile der Bevölkerung. Insofern stimmt die oben zitierte Expertenmeinung: Der erste Volkswagen wurde in Amerika gebaut.

Zu Anfang der dreißiger Jahre waren verbrauchsarme Modelle oder technische Konzepte, die für eine Serienfertigung geeignet waren, die Hauptattraktionen der Internationalen Automobilausstellung in Berlin. BMW, Mercedes, Opel, Ford, Adler, Hanomag – sie alle präsentierten der Öffentlichkeit solche Fahrzeuge. Im Juni 1934 beauftragte der „Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie“ (RDA) Ferdinand Porsche mit der Konstruktion eines Volkswagens.

Die Erfolgsgeschichte der deutschen Volkswagenwerke begann 1949. „Seitdem heißen wir Volkswagen, das heißt, unser eigentlicher Start fiel zusammen mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland“, sagt Kittler. Den Grundstein dafür legten die britischen Besatzungsmächte. Zum einen verhinderten sie die Demontage der damaligen Volkswagenwerke, die bis zum Kriegsende für die Rüstung eingesetzt worden waren. Zum anderen beseitigten sie einen großen Wettbewerbsnachteil des Unternehmens. Denn das Volkswagenwerk verfügte bei Kriegsende weder über einen funktionierenden Kundendienst noch über ein Vertriebsnetz.

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Die Briten sorgten Ende 1945 für eine Kundendienstabteilung, bestehend aus Ersatzteillager, technischer Abteilung und Kundendienstschule. Dort fanden schon 1946 die ersten Lehrgänge für Händler und Monteure der Vertragswerkstätten statt. Volkswagen unterstützte die Arbeit der Werkstätten mit Kundendienstbriefen und Instandsetzungshandbüchern. Zudem lieferte die neu eingerichtete Schadenskartei der Technischen Leitung erstmals eine systematische Handhabe, um Fehler abzustellen.

Ebenso zügig wurde ab 1946 das Volkswagen-Vertriebssystem eingerichtet. Auf Drängen der damaligen Werkleitung genehmigten die Briten Ende Oktober 1946 für ihre Zone den Aufbau einer Händlerorganisation, die durch zwei Reise-Inspektoren beraten wurde und zugleich einer strikten Qualitätskontrolle unterlag.

Und noch eine zukunftsweisende Entwicklung verdanken die Volkswagenwerke den Briten, wenn sie auch nicht ganz uneigennützig war: 1947 entschieden die Besatzer, den Volkswagen zu exportieren, um dem durch den Krieg stark belasteten britischen Haushalt Devisen zuzuführen. Damit legten sie gleichzeitig den Grundstein für den internationalen Erfolg der Marke.

Im Oktober 1949 übertrug die britische Militärregierung die Treuhänderschaft über das Volkswagenwerk der Bundesregierung und beauftragte das Land Niedersachsen mit der Verwaltung des Unternehmens. Volkswagen befand sich damals in sehr guter Verfassung: Das Werk hatte rund 10.000 Beschäftigte und produzierte etwa 4.000 Fahrzeuge im Monat.

Das war beileibe nicht alles, denn die Fahrzeugproduktion für die Besatzungsmächte verschaffte dem Volkswagenwerk einen gehörigen Vorsprung vor dem Wettbewerb. 1949 baute es knapp die Hälfte aller in Westdeutschland produzierten Pkw.

1949 begann zudem die langjährige Zusammenarbeit mit dem Karosseriebauer Karmann aus Osnabrück. Dieses Unternehmen übernahm die Produktion eines viersitzigen Cabrios. Darüber hinaus baute es alle offenen Käfer, die auf der jeweils aktuellen Exportversion der Limousine basierten. Diese hatte gegenüber dem Standardmodell eine verbesserte Fahrzeugtechnik und Innenausstattung.

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