Volkswagen Nfz kündigt Servicebetriebe

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Joachim von Maltzan / Christoph Baeuchle

VW Nutzfahrzeuge hat die Anforderungen an die Partner kräftig erhöht. Viele Betriebe müssen investieren. Wer nicht mitzieht, muss gehen. Kündigungen hat der Hersteller bereits ausgesprochen. Die Übergangsfrist läuft.

(Foto: Wehner / »kfz-betrieb«)

Volkswagen Nutzfahrzeuge zieht die Zügel an: Wie erst jetzt bekannt wurde, hat die VW-Tochter bereits im April Servicebetrieben in ihrem Netz gekündigt. „VW-Nutzfahrzeuge hat Kündigungen gegenüber einzelnen Servicepartnern ausgesprochen, die die Standards nicht erfüllen“, sagte Hans Christl, Beiratssprecher Volkswagen Nutzfahrzeuge beim Volkswagen- und Audi-Partnerverband und Geschäftsführer beim Autohaus Christl & Schowalter, auf Anfrage von »kfz-betrieb«. Und er stellte klar: „Die Serviceverträge grundsätzlich wurden und werden nicht gekündigt.“

Dies bestätigte auch der Hersteller. „Die neuen Werkstattanforderungen dienen der Sicherstellung einer flächendeckenden Servicebereitschaft für den neuen Crafter“, erläuterte eine Sprecherin von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Zur Zahl der betroffenen Betriebe wollte sich Volkswagen Nutzfahrzeuge nicht äußern.

Aus Sicht der VW-Tochter sind die höheren Standards durch die Einführung des neuen Transporters Crafter notwendig. „Die neuen Werkstattanforderungen betreffen die Tragkraft der Hebebühne und die Abmessungen der Nutzfahrzeugarbeitsplätze“, ergänzte die Sprecherin. In einem internen Schreiben, das »kfz-betrieb« vorliegt, rät der Volkswagen- und Audi-Partnerverband seinen Mitgliedern dazu, besonnen vorzugehen und die Händlerbauberatung einzubeziehen. Alle etwaigen Maßnahmen sollten sie entsprechend protokollieren.

Schon allein die Anforderungen an die baulichen Voraussetzungen und die Hebebühne erfordern von vielen VW-Nutzfahrzeug-Partnern hohe Investitionen. Vor allem die kleineren Familienbetriebe können dies kaum stemmen, und wenn, stellt sich die Frage, ob sich die Investitionen auch auszahlen. „Die final aus dem VWN-Servicenetz ausscheidende Anzahl an Partnern steht noch nicht fest“, so die VW-Sprecherin. „Zurzeit läuft eine Übergangsfrist, in der die betroffenen Partner prüfen, ob sie die neuen Werkstattanforderungen umsetzen werden.“

Die Unruhe im Netz spiegelt sich nicht nur in vermehrten Anfragen beim Händlerverband wider. Sie kommt auch in den Aussagen der Nutzfahrzeugpartner konkret zum Ausdruck: „Auf der einen Seite ist das eine Netzbereinigung, die für größere Handelsgruppen immer vorteilhaft ist“, sagt der Geschäftsführer einer großen Handelsgruppe in Süddeutschland gegenüber »kfz-betrieb«, der anonym bleiben will. „Aber auf der anderen Seite betreiben auch wir mehrere kleinere Betriebe, die als Vermittler und als Servicepartner für VW Nutzfahrzeuge tätig sind.“

Es trifft also nicht nur kleine Betriebe, bei denen es ums Überleben geht, sondern auch die großen Partner überlegen genau, wo sich die hohen Investitionen lohnen. „Wir müssen rechnen, ob es sich lohnt, die betroffenen Standorte zukünftig zu regulären Händlern hochzustufen. Schließlich sind damit erhebliche Investitionen in die Betriebe verbunden, und wir müssen deutlich mehr Vorführwagen vorhalten. Da sich das oft nicht rechnet, werden wir gezwungen sein, uns von Standorten für VW Nutzfahrzeuge zu verabschieden“, ergänzt der bereits zitierte Autohausgeschäftsführer. „Ob wir das Volumen, das wir damit verlieren, über die im Netz verbleibenden Betriebe auffangen können, ist sehr fraglich.“

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