VW: Mit Odis in die Diagnose-Zukunft

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky und Konrad Wenz / Steffen Dominsky

Volkswagen stellt sein neues Fahrzeug-Diagnosesystem „Odis“ vor. Zusammen mit dem Reparatur- und Wartungsportal „Erwin“ bietet es den eigenen Servicebetrieben aber auch Freien Werkstätten neue Möglichkeiten in der Fahrzeuginstandsetzung.

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Neben der Erkenntnis, dass alle Fahrzeughersteller um ein grünes Image bemüht sind, nahm der interessierte Besucher von der gerade abgelaufenen IAA vor allem eines mit: Die Fahrzeuge werden immer komplexer. Allein die kontinuierlich wachsende Zahl von Steuergeräten in den Fahrzeugen macht deutlich, dass die Werkstätten künftig ohne moderne Diagnosesysteme keine Überlebenschance mehr haben.

Und genau hierin liegt ein großes Dilemma: Denn jeder Fahrzeughersteller kocht in Sachen Diagnose sein eigenes Gerätesüppchen. Die Konsequenz ist ein buntes Angebot von herstellerspezifischen und Multimarkengeräten, aus dem sich die Kfz-Werkstätten je nach Schwerpunkt ihrer Tätigkeit bedienen. Auch Volkswagen bildet hier keine Ausnahme. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren das Nachfolgesystem seiner VAS 5051B bzw. 5052(A) entwickelt (siehe hierzu auch das Interview im Kasten „Mehr zum Thema“.). Odis (Offboard Diagnose Informationssystem) soll künftig die Fahrzeugdiagnose erheblich erleichtern.

Erstmals Diagnose mittels Laptop

Die mittlerweile in die Jahre gekommenen VAS-Tester sollen aber nicht gleich aus dem Markt verschwinden. Odis kann die Werkstatt auf den vorhandenen Diagnosesystemen betreiben, obwohl Volkswagen diese ab 2011 nicht mehr pflegen wird. Odis ist eine Diagnosesoftware, die auf jedem Laptop mit Windows XP läuft. VW hat allerdings einen speziellen Panasonic-Laptop im Angebot, der speziell für den harten Einsatz in der Werkstatt geeignet ist.

Mittels Odis können die Mechaniker im VW-Netz also nun auch Laptops in Verbindung mit externer Messtechnik als voll funktionsfähiges Diagnosegerät einsetzen. Die neuen Diagnosesysteme, deren Rollout für September 2010 geplant ist, sollen für mehr Effizienz im Diagnoseprozess sorgen und die Reparatur erleichtern. Odis erkennt Fahrzeuge automatisch und erleichtert mit interaktiven Stromlaufplänen die Fehlersuche.

Durch die Onlineanbindung stehen die Daten tagesaktuell zur Verfügung, und der Mechaniker ruft sie bedarfsgerecht ab. Nicht zuletzt soll das System die Integration der Diagnose in den Servicekernprozess verbessern. „Das ist entscheidend für den Reparaturprozess“, sagt Dr. Will Specks, Leiter Aftersales Fahrzeugdiagnose bei Volkswagen.

Jetzt auch Flashen

Doch die eierlegende Wollmilchsau ist und bleibt in Diagnosekreisen eine Wunschvorstellung. Es gilt nach wie vor: Kein Tester kann alles – auch Odis nicht. Aber vielleicht muss das künftig auch nicht mehr sein; vielleicht ist der vielzitierte elektronische Schraubenschlüssel in dieser Form bald überflüssig?

Zu dieser Erkenntnis könnte derjenige kommen, der die Berichterstattung zur aktuellen Euro-5/6-Gesetzgebung verfolgt. Denn das Gesetzeskonglomerat regelt nicht nur das Abgasverhalten neuer Automobile. In Kapitel III der EG-Verordnung 715/2007 steht schwarz auf weiß, dass Fahrzeughersteller und Importeure allen unabhängigen Marktbeteiligten (UMB) – dazu zählen neben Freien Werkstätten und Fuhrparkbetreibern auch Ersatzteil- und Diagnosegerätehersteller – den freien Zugang zu Daten und Informationen für die Wartung und Reparatur ihrer Euro-5-Fahrzeuge gewähren müssen. Kommt der Hersteller dem nicht nach, gibt es keine Zulassung für das Fahrzeug in der EU – Punktum.

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