VW: Vollfunktionsbetriebe verlieren an Bedeutung

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Zentrales Thema bei allen Online-Geschäften ist der Umgang mit Daten. Hier will Volkswagen wie viele andere Hersteller ein Ökosystem etablieren. Hersteller, Importeur und Händler sollen den Kunden in ihre Mitte nehmen. Über Kunden-ID und Fahrzeug-ID sollen künftig jederzeit passende Zusatzangebote geschnürt werden können. Außerdem soll ein besseres Datenmanagement VW dabei helfen, die Online-Kaufanbahnung nicht mehr fast ausschließlich Autoplattformen zu überlassen.

Und wie sieht der Handel das alles? EDC-Präsident Matti Pörhö nannte die Vereinbarung „notwendig“. Für den Handel sei es zentral, auch weiter Geld verdienen zu können. „Das ist aus meiner Sicht mit den neuen Verträgen gegeben. Wenn wir alle Angebote nutzen, können wir sogar mehr verdienen als bislang“, sagte der Finne. Zudem zeigte er sich überzeugt, dass die unternehmerische Freiheit steige. Damit stellte sich Pörhö gegen die Aussagen mehrerer deutscher VW-Händler, die zuletzt beklagt hatten, dass gerade die Direktvertriebs-Bausteine sie künftig stark einschränken würden.

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Fall Tiedtke „kein Strukturproblem“

Pörhö richtete einen Appell an seine Kollegen: „Das Autohaus der Zukunft muss kunden- und dienstleistungsorientierter arbeiten. Wir müssen im Service besser werden. Wir sollten mit der Zeit gehen und keine Angst haben. Die Digitalisierung wird uns nicht verdrängen. Autohäuser wird es auch in ein paar Jahrzehnten noch geben.“ Auch Stackmann schlug in eine ähnliche Kerbe. „In Berlin gibt es eine Million Amazon-Prime-Kunden. Deren Geschwindigkeit weckt Erwartungen. Damit können wir im Autohandel aktuell nicht mithalten. Aber wir müssen dem Kunden in Zukunft mehr Erlebnisse bieten.“

Im Handel selbst herrscht wegen Problemen wie der Dieselkrise, WLTP und Co. aber vor allem Verunsicherung. Insolvenzen wie die jüngst bekannt gewordene des Hamburger Händlers Willy Tiedtke tragen da nicht zur Beruhigung bei. Stackmann sagte, VW bedauere die Pleite des traditionsreichen Partners, sehe sie aber nicht als Anzeichen für grundsätzliche Strukturprobleme. „Mit dem neuen Vertrag können Partner den Weg für die Zukunft klar einschätzen. Wird das Schiff niemals eine Klippe sehen? Sicher nicht. Aber wir wollen so gut es geht in die richtige Richtung steuern.“

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«