Der Neuwagenmarkt blieb im April einmal mehr verhalten. Die Zahlen geben, je nach Lesart, dennoch ein wenig Hoffnung. Statt eines Frühjahrsaufschwungs gab es jedoch eine handfeste Überraschung im Markenranking.
Der deutsche Neuwagenmarkt leidet weiter unter einer Nachfrageschwäche.
(Bild: Grimm – VCG)
Der deutsche Neuwagenmarkt bleibt weiter ohne Impulse. Im April sank die Zahl der Neuzulassungen erneut – wie bereits in den fünf Monaten zuvor. Allerdings ermittelten die Statistiker des Kraftfahrt-Bundesamts nur ein leichtes Minus von 0,2 Prozent auf 242.728 Einheiten. Das ist insofern kein schlechter Wert, da der zurückliegende April wegen des späten Ostertermins einen Arbeitstag weniger hatte – und zwei komplette Osterferienwochen. Der Importeursverband VDIK kommt in einer um Kalendereffekte bereinigten Analyse sogar zu einem Wachstum von 4,8 Prozent.
Ungeachtet dieser Verschiebungen bleibt der Neuwagenmarkt im Ergebnis wenig agil. Nach vier Monaten liegen die Verkaufszahlen nochmals 3,3 Prozent hinter dem schlechten Ergebnis des Vorjahres zurück. Seit Jahresstart kamen 907.299 Neuwagen auf die deutschen Straßen. „Ein Frühjahrsaufschwung sieht anders aus“, kommentierte Thomas Peckruhn,, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) die Entwicklung.
Die Unternehmensberatung EY interpretiert die Zahlen pragmatisch als neue Normalität, mit der Hersteller und Händler nun umgehen müssten. „Die Verkaufszahlen, die vor 2020 in Deutschland und Europa üblich waren, sind inzwischen unerreichbar geworden“, sagte Constantin Gall, Leiter Mobility für die Region Westeuropa. An diesen neuen Realitäten müssten alle Beteiligten nun ihre Planungen ausrichten.
Dass die Nachfragesituation grundsätzlich nicht gut ist, verdeutlicht eine Zahl des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Laut einer Pressemitteilung sind die Bestellungen aus dem Inland im April um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken. In den Monaten davor war dieser Wert mehrfach deutlich nach oben gegangen.
Elektroautos stabilisieren
Eine echte Trendwende im Neuwagenverkauf ist nicht zu erwarten. Denn hohe Neuwagenpreise, eine schwache Konjunktur und die politische und wirtschaftliche Volatilität werden die Wirtschaft weiter begleiten. Das Ergebnis ist eine Verunsicherung der Privatkunden wie der Unternehmen. „Wir leben in Zeiten, in denen sich multiple Krisen überlappen und gegenseitig verstärken“, sagt Gall.
Dabei zeigen sich die viel gescholtenen Elektroautos inzwischen ein Stück weit als stabilisierender Faktor: deren Zulassungszahlen steigen kräftig. 45.535 BEV wurden im April 2025 neu zugelassen – 53,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Dabei kommen vor allem die Importeure derzeit gut an. Deren BEV-Neuanmeldungen kletterten im April um 91 Prozent auf 18.412 Fahrzeuge. Der BEV-Anteil aller Marken lag im April 2025 bei 18,8 Prozent, rund 6,6 Prozentpunkte höher als im Vorjahresmonat. Es ist der mit Abstand beste BEV-Wert für einen April, der jemals erhoben wurde.
ZDK-Vizepräsident Peckruhn sieht für die positive Entwicklung trotz fehlender Förderung zwei Erklärungen. Einerseits seien neue attraktive Modelle mit erschwinglicheren Transaktionspreisen oder Leasingraten verfügbar, die zum Kauf animierten. Interessant sei zudem, dass derzeit viele E-Autofahrer ihre Leasingfahrzeuge ersetzen – indem sie erneut E-Fahrzeuge leasen. Erschwinglichkeit als Grund für den Elektrozuwachs nennt auch Ferdinand Dudenhöffer. Er sieht ein wachsendes Rabattniveau im E-Auto-Markt. Käufer könnten seinen Angaben zufolge im Schnitt mit 16,7 Prozent Rabatt rechnen. Das seien 3 Prozentpunkte mehr als noch im Januar.
Trotz der aktuell hohen Zuwachsraten sieht Gall nur begrenztes Potenzial für Elektroautos. „Der Absatz von Elektroautos steigt zwar, ist immer noch deutlich niedriger als von der Politik erhofft und von der Industrie benötigt.“ Damit sich der Elektromarkt weiter positiv entwickelt, ist die Politik gefordert. „Wir brauchen bei den geplanten Fördermaßnahmen und bei der Strompreissenkung jetzt endlich ein klares Startsignal der zukünftigen Bundesregierung, damit Kaufinteressenten aus der Warteschleife kommen und die automobile Transformation durchstarten kann“, sagte VDIK-Präsidentin Imelda Labbé. Ähnlich äußert sich der ZDK.
Große Differenzen zwischen den Marken
Blickt man auf die Entwicklung der Marken, zeigen sich wieder große Differenzen zwischen den Fabrikaten. Stark verloren hat einmal mehr Tesla (-46 %). Die US-Marke kam im April nur noch auf 0,4 Prozent Marktanteil. Auch bei Mazda (-24,8 %) und Porsche (-23,5 %) geht die Talfahrt weiter.
Stand: 08.12.2025
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Auf deren anderen Seite der Skala ist BYD die Aufsteigermarke des Monats. Die Chinesen verachtfachten ihren April-Absatz, einen Marktanteil von 0,6 Prozent und überflügelten damit Tesla deutlich. Auch einige andere neue Marken wie Polestar (+47 %) und MG (+34 %) legten deutlich zu. Dagegen haben Great Wall (Wey und Ora) mit einer Halbierung des Absatzes, Nio (-64 %) und Lucid (-77 %) scheinbar immer noch keinen Zugang zu den Käufern gefunden.
Die deutschen Fabrikate schlugen sich im April mit durchwachsenen Ergebnissen. Opel (+21 %) und Ford (+15 %) konnten sich ein Stück weit aus der Absatzdepression befreien. Auch BMW (+4 %) konnte zulegen, während Mercedes (-2 %) und VW (-3 %) rückläufige Ergebnisse lieferten. Ruhig ist es dagegen in den Audi-Schauräumen geblieben. Die Zulassungen der Ingolstädter fielen um 17 Prozent.