Werkstattausrüstung: Die ignorierte Schnittstelle

Viele Köche verderben den Brei – länger köcheln hilft auch nicht. Seit 2011 ist die HU-Bremsenrichtlinie in Kraft, doch die vorgeschriebene Datenübertragung per ASA-Livestream-Schnittstelle wird auch nach fünf Jahren Reifezeit nur vereinzelt genutzt.

| Autor: Ottmar Holz

Noch lesen die meisten Prüfer die Verzögerungswerte vom Prüfstand ab und tragen die Werte manuell ein.
Noch lesen die meisten Prüfer die Verzögerungswerte vom Prüfstand ab und tragen die Werte manuell ein. (Bild: Holz / »kfz-betrieb«)

Stefan Süßmann schließt seinen HU-Adapter an den roten Mercedes an und fährt das Auto in den Bremsenprüfstand. Die Rollen laufen an, Süßmann steigt auf die Bremse. Auf dem Bildschirm des als Pocket-PC eingesetzten Smartphones erscheint die gewohnte Grafik der Bezugswerteprüfung – mit einem kleinen Unterschied. Stefan Süßmann schenkt den Zeigern des Bremsprüfstands keine besondere Aufmerksamkeit, denn die gemessenen Radverzögerungen werden vom Prüfstand per ASA-Livestream automatisch an die FSD-Software übermittelt. Sie liest per HU-Adapter den Hydraulikdruck in der Bremse aus dem ABS/ESP-Steuergerät aus, der Bremsenprüfstand spielt zeitgleich die damit erzielte Bremsverzögerung in das System ein.

Diese Werte vergleicht die Software dann mit den vom Fahrzeughersteller vorgegebenen Bezugsbremskräften. Erfüllt das Fahrzeug alle Vorgaben, insbesondere auch das Verhältnis der Vorder- zur Hinterachse, hat es diese Prüfung bestanden; die Werte werden dann auch automatisch auf den Prüfbericht übernommen, Süßmann muss nichts mehr manuell eintragen. Auffällig sind die jetzt krummen, weil exakt ermittelten Zahlenwerte. Die Zeiten der von Prüfers Auge abgelesenen und händisch eingegebenen 250 zu 250 Newtonmetern Bremskraft sind vorbei – so will es der Gesetzgeber.

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