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WLTP 2: Autoindustrie will ohne Lieferengpässe auskommen

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Die nächste WLTP-Verschärfung steht unmittelbar bevor. Anders als vor einem Jahr rechnet die Branche diesmal nicht mit chaotischen Zuständen. Dennoch zeichnet sich ab, dass erneut manche Marke noch nachbessern muss.

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WLTP soll dabei helfen, dass die Ausweisung der Abgas- und Verbrauchswerte von Fahrzeugen realitätsnäher wird.
WLTP soll dabei helfen, dass die Ausweisung der Abgas- und Verbrauchswerte von Fahrzeugen realitätsnäher wird.
(Bild: Daimler)

Gute Nachricht für Autokäufer: Zum 1. September tritt die nächste Stufe des WLTP-Verbrauchstests in Kraft – und anders als vor einem Jahr folgt keine Steuererhöhung daraus. Zudem bleiben fast alle Modelle weiter lieferbar – das verspricht zumindest die Autoindustrie.

Mit dem WLTP-Testzyklus hat die EU dafür gesorgt, dass Autokäufer heute besser wissen, wie viel Sprit ihr Auto wirklich schluckt. Die Werte auf dem Papier und auf der Straße unterscheiden sich viel weniger als früher. Der Nachteil: Weil auf dem Papier jetzt realistischere, bis zu einem Drittel höhere CO2-Werte stehen, kassiert der Fiskus entsprechend mehr Kfz-Steuer – und das kann 20 Euro ausmachen beim kleinen Suzuki Swift oder 94 Euro mehr beim VW Touareg.

Für die Autoindustrie war WLTP-Teil 1 „ein riesengroßer Schritt, komplettes Neuland“, sagt Audi-Sprecher Udo Rügheimer. Teil 2 sei damit nicht vergleichbar. Laut Daimler sind jetzt noch einmal 300 Seiten Verordnungen dazugekommen, zu den bislang 700 Seiten.

WLTP 1 traf vor allem den VW-Konzern

Vor einem Jahr verursachte WLTP ein Chaos: Kein Auto durfte mehr verkauft werden in der EU ohne WLTP-Zertifikat. Die Prüfer kamen kaum mehr nach, die Teststände wurden zum Nadelöhr, Dutzende Modelle waren monatelang nicht lieferbar. VW produzierte 250.000 Autos auf Halde, der geplante Berliner Flughafen BER wurde zum Großparkplatz. Auf gut eine Milliarde Euro bezifferten die Wolfsburger ihre WLTP-Kosten. Audi, wegen der Aufarbeitung seiner Dieselaffäre am stärksten im Verzug, spürte die Folgen noch bis weit ins laufende Jahr.

Jetzt müssen die Autobauer schon wieder neue Anforderungen der EU erfüllen. Aber „die meisten Änderungen sind Korrekturen, Klarstellungen oder Verbesserungen“, erklärt der Verband der deutschen Autoindustrie (VDA). Bei den Messungen gibt es jetzt noch weniger Toleranz. Dokumentationspflichten werden ausgeweitet. Wie viel Benzin aus dem Tank verdunsten kann, müssen die Autobauer zwei Tage lang prüfen. Und zumindest mit Stichproben müssen sie nachweisen, dass ihre Fahrzeuge die ursprünglichen Werte auch nach fünf Jahren im Betrieb noch einhalten.

Schaltpunkte, Fahrkurven wurden ebenfalls geändert: „Ein paar Punkte sind nachjustiert worden“, sagt BMW-Sprecher Martin Tholund. Und alle Neufahrzeuge müssen die Grenzwerte auch im Test auf der Straße einhalten. BMW habe alles bereits abgeschlossen: „Wir haben alle Typgenehmigungen schon in der Tasche.“

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