Women‘s Award 2009: Ein wahres Kraft-Werk

Autor / Redakteur: Prof. Anita Friedel-Beitz / Silvia Lulei

Die Drittplatzierte beim Womens Award ist Herrin über Sattelzugmaschinen und 40-Tonner in dem DAF-Betrieb „Kraft Nutzfahrzeuge“ im unterfränkischen Kleinostheim bei Aschaffenburg.

Silvia Kraft leitet das Unternehmen und ist Qualitätsmanagementbeauftragte. Die Finanzbuchhaltung macht sie selbst. Nur einmal pro Woche gönnt sie sich etwas Entlastung durch ein externes Steuerbüro. Darüber hinaus erledigt sie die komplette Lohnbuchhaltung, steuert das kaufmännische Personal und kümmert sich um das Marketing. In technischen Fragen unterstützt ihr Vater sie als Senior Consultant.

Dabei hätte sich die heute 44-Jährige in ihrer Schulzeit niemals vorstellen können, im Büro zu arbeiten. Doch als sie während ihrer Zeit an der Fachoberschule Aschaffenburg ein Praktikum bei einem Steuerberater absolvieren musste, entdeckte sie ihren Spaß daran. Prompt machte sie eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin.

Parallel dazu übernahm sie im Nutzfahrzeugbetrieb ihrer Eltern, den diese erst sechs Jahre zuvor gegründet hatten, erste buchhalterische Aufgaben. Kraft blieb noch ein knappes Jahr nach ihrer Ausbildung beim Steuerberater. Dann lockte sie der Vater in den elterlichen Betrieb. Er brauchte Unterstützung in Sachen EDV. Mit 21 Jahren trat Tochter Silvia als Angestellte in das Unternehmen ein – und es flogen die Fetzen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Erste explosive Gehversuche

„Es waren harte Anfangsjahre“, erinnert sich die heutige Geschäftsführerin. Sie kam überhaupt nicht damit zurecht, dass ihr Vater gleichzeitig ihr Vorgesetzter war. Da stießen zwei „Kraft-Pakete“ aufeinander, bis die Luft Funken sprühte. Schließlich platzte der eher ruhigen und ausgeglichenen Mutter Kraft der Kragen. Sie stellte ein Ultimatum: „Entweder, Ihr einigt Euch, oder ich verlasse das Unternehmen!“ Das saß.

Vernunft brachte Vater und Tochter wieder zusammen. Trotz aller Widerstände, gegen die Silvia Kraft zu kämpfen hatte, zieht sie heute ein positives Resümee.

Sie betrachtet die Anfangsjahre rückblickend als lehrreich. Sie beteiligte sich an verschiedenen Projekten, entwickelte beispielsweise eine Software für DAF-Partner mit und unterstützte ihren Vater in seiner Amtszeit als Schatzmeister des DAF-Händlerverbandes. 1991 gründete sie schließlich ihre eigene Firma, die Kraft Nutzfahrzeuge-Vertrieb- und Teile-Großhandelsgesellschaft mbH.

Plötzlich verantwortlich sein

Als ihr Vater 1995 schwer an Krebs erkrankte, übernahm sie gemeinsam mit ihrer Mutter und dem damaligen Gesellen, der heute Betriebsleiter ist, die Führung. In dieser Zeit lernte sie, was es bedeutet, wichtige Entscheidungen treffen zu müssen und diese vorher sorgfältig zu dritt abzuwägen. „Das machen wir auch heute noch so“, erklärt sie.

(ID:320637)