Aus vom Verbrenner-Aus ZDK begrüßt Kurskorrektur der EU

Von Nick Luhmann 3 min Lesedauer

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Für den Wirtschaftsstandort Europa ist der Vorschlag der EU-Kommission richtig und dringend erforderlich. Der ZDK begrüßt die Ankündigung, die Entscheidung zum kompletten Verbrenner-Aus kippen zu wollen.

ZDK-Präsident Thomas Peckruhn möchte sich für einen starken ZDK in Bonn und Berlin einsetzen.(Bild:  Bildschön)
ZDK-Präsident Thomas Peckruhn möchte sich für einen starken ZDK in Bonn und Berlin einsetzen.
(Bild: Bildschön)

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) begrüßt ausdrücklich die am Dienstag offiziell von der EU-Kommission vorgelegte Anpassung der CO2-Flottenziele für Neuwagen ab 2035. Die Absenkung des Reduktionsziels von 100 auf 90 Prozent sowie die geplante Einbeziehung von Plug-in-Hybriden und Range-Extendern über 2035 hinaus seien ein notwendiger und überfälliger Schritt hin zu mehr Realismus in der europäischen Klimapolitik, so der Zentralverband.

Diese Kurskorrektur sei ein notwendiger erster Schritt, denn die bisherige Electric-Only-Strategie der Europäischen Union greife ins Leere. Denn zehn Jahre vor dem Stichjahr 2035 konnte bislang nur ein Viertel der erforderlichen Ladeinfrastruktur aufgebaut. Die bisherige Ausbaugeschwindigkeit müsste verdreifacht werden, soll das Ziel von 3,5 Millionen Ladepunkten bis 2035 erreicht werden. Und die einseitige Angebotsorientierung bei der Flottenregulierung der EU kommt bei den Kunden nur schleppend an. Laut ZDK wurde die EU-Rechnung gemacht, ohne die Kundenbedürfnisse zu kennen.

„Unsere Betriebe erleben jeden Tag, wo die europäische Regulierung an der Realität scheitert: bei hohen Ladekosten, fehlender Infrastruktur und Alltagstauglichkeit für Verbraucherinnen und Verbraucher”, erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. Klimaneutrale Mobilität funktioniere nur, wenn sie für die Menschen bezahlbar, praktikabel und verlässlich ist. Alles andere bliebe Theorie.

Peckruhn: Herkunft der Kraftstoffe miteinbeziehen

„Wir haben hocheffiziente Verbrenner im Angebot, nämlich den 48-Volt-Mild-Hybrid-Motor, der mit klimaneutralem Kraftstoff betankt einen Mehrwert für den Klimaschutz bietet. Diese Technologie gehört mit in die Erfüllungsoptionen für eine künftige CO2-Flottenregulierung. Konkret: bei den Emissionsmessungen am Auspuff muss die Herkunft der Kraftstoffe eine Rolle spielen. Klimaneutrale Kraftstoffe sind bilanziell hierbei herauszurechnen. Wenn künftig nur noch reine Elektrofahrzeuge nachgefragt werden sollten, dann verschwinden diese Angebote von selbst vom Markt, ohne umständliche Regulierung mit hohen Strafzahlungen”, so Peckruhn weiter.

Aus Sicht von Autohandel und Kfz-Betrieben komme es auf vier zentrale Stellschrauben an:

  • Tempo bei Ladeinfrastruktur: Der Ausbau der Ladeinfrastruktur muss deutlich schneller erfolgen – vor allem im ländlichen Raum und in Mehrfamilienhäusern. Statt der benötigten rund 500.000 neuen Ladepunkte pro Jahr entstehen in der EU derzeit nur etwa 150.000. Zu wenig, um das 2030er Ziel von 3,5 Millionen Ladepunkten zu erreichen. Klar ist: Laden muss überall einfach, transparent und bezahlbar sein.
  • Stromnetze fit machen: Elektromobilität scheitert ohne leistungsfähige Netze und bezahlbare Ladetarife. Der Netzausbau muss mit dem steigenden Bedarf an Fahrzeugen Schritt halten, sonst bleibt die Verkehrswende abstrakte Theorie.
  • Gebrauchtwagenmarkt stärken: Die Elektromobilität muss eine breite Akzeptanz finden. Dafür sind bezahlbare gebrauchte Elektro- und Hybridfahrzeuge, stabile und kalkulierbare Restwerte sowie transparente Batteriezustände entscheidend.
  • Reparieren statt Tauschen: Diagnose und -Instandsetzung von Fahrzeugbatterien sind bereits heute in Kfz-Betrieben möglich, um hohe Austauschkosten zu vermeiden und Vertrauen in Elektromobilität zu fördern.

Der ZDK unterstützt die Klimaziele der EU ausdrücklich, betont der Verband. Gleichzeitig warnt das Kfz-Gewerbe davor, politische Zielvorgaben ohne ausreichende technische, wirtschaftliche und soziale Grundlagen festzulegen. „Die jetzt diskutierte Anpassung zeigt: Technologieoffenheit und Realismus sind keine Rückschritte, sondern klare Voraussetzungen für nachhaltigen Fortschritt“, so Peckruhn. „Wir begrüßen das Bekenntnis der EU zur Technologieoffenheit, fordern jedoch eine konsequente Umsetzung. Neben der Elektromobilität leisten effiziente Hybridtechnologien wie beispielsweise Mildhybride in der Übergangsphase einen messbaren Beitrag zur Emissionsminderung.”

Die anstehende Überprüfung der Regelungen bis 2040 sollte daher genutzt werden, um nicht nur Emissionsziele neu zu bewerten, sondern vor allem die praktischen Voraussetzungen für Verbraucher konsequent zu verbessern. Nur dann kann der Wandel der Mobilität gelingen – ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und sozial akzeptiert, so der ZDK.

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