Neuer Reifen Warum es bei Goodyear jetzt mehr als vier Jahreszeiten gibt

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

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Goodyear hat das Ganzjahresreifen-Segment begründet – und will mit dem neuen Vector All Season 4 wieder die technologische Spitze erklimmen. Ziel war es, einen Reifen ohne jeden Nachteil zu entwickeln. Hat das geklappt?

Alles da: Sonne, nasser Asphalt, Schnee (zumindest im Hintergrund). In der Schweiz fand Goodyear das passende Ambiente für die Präsentation seines Vector All Season 4.(Bild:  Rosenow – VCG)
Alles da: Sonne, nasser Asphalt, Schnee (zumindest im Hintergrund). In der Schweiz fand Goodyear das passende Ambiente für die Präsentation seines Vector All Season 4.
(Bild: Rosenow – VCG)

Es ist ein kleines sprachliches Detail, mit dem der US-amerikanische Reifenhersteller Goodyear deutlich macht, wie viel sich an seinem Ganzjahresprodukt Vector in der neuesten Generation verändert hat. Der Reifen trägt jetzt nicht mehr den Beinamen „4 Seasons“, sondern „All Season“. „Aber es gibt doch immer noch nur vier Jahreszeiten“, könnte man jetzt nörgeln.

Doch was die Goodyear-Leute damit meinen, ist Folgendes: Der Reifen soll auf jedwede Herausforderung und für jedweden Einsatzzweck die richtige Antwort haben. Die früher unvermeidlichen Kompromisse, die eine Reifenentwicklung für minus 20 bis plus 40 Grad Celsius, für Regen, Schnee und heißen Asphalt mit sich brachte, sollen überwunden sein. „Einen Reifen ohne Nachteile“ verspricht der Hersteller.

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Deutlich wird das im sogenannten Spinnennetz-Diagramm, in dem die Produkteigenschaften mittels radialer Linien dargestellt werden. Ziel ist es, dass die erreichten Werte einen schönen runden Kreis ergeben, dass der Reifen also überall die gleiche Leistung schafft. Und nach den Tests, die der TÜV Süd im Auftrag von Goodyear durchgeführt hat, hat der Hersteller sein Ziel erreicht. Die vier Premiumkonkurrenten Michelin, Pirelli, Bridgestone und Continental zeigen im Durchschnitt deutliche Abweichungen von den angestrebten 100 Prozent. Vor allem im Rollwiderstand und in der Schneetraktion konnte der Goodyear Vector All Season 4 die Konkurrenz hinter sich lassen.

Das V-Design ist mittlerweile alternativlos

Basis dieser Leistung ist Goodyears neue „Weather-Ready“-Technologie. Dazu gehört ein neu entwickeltes Profildesign, das sich allerdings trotzdem kaum von den vielen anderen Ganzjahres- und Winterprofilen im V-Design unterscheidet. Wahrscheinlich kommen die Reifenentwickler bei gleichen Produktanforderungen mittlerweile geradezu zwangsläufig zum gleichen Ergebnis.

Im Vergleich zum Vorgänger ist der Vector 4 weniger lamelliert und die Steifigkeit der Blöcke wurde erhöht. Steife zentrale Längsblöcke sorgen für Stabilität auf trockener Fahrbahn, während eine hohe Dichte an Schneidkanten für die erforderliche Traktion und Bremsleistung auf nassen und schneebedeckten Oberflächen sorgt. Das V-förmige Profildesign leitet Wasser aktiv aus der Aufstandsfläche ab. Das verbessert die Aquaplaning-Resistenz und sorgt für ein kontrolliertes, berechenbares Nasshandling ohne Abstriche bei der Sicherheit auf trockener Fahrbahn.

Die gleichmäßige Druckverteilung über die gesamte Aufstandsfläche hinweg verbessert den Grip unter allen Bedingungen und reduziert zugleich den Verschleiß. Laut den Untersuchungen des TÜV Süd soll der Goodyear auch in Sachen Verschleiß seine Konkurrenten deutlich ausstechen – sogar den bekannt langlebigen Michelin Cross Climate. Daran arbeitet auch die ebenfalls neu entwickelte Laufstreifenmischung mit.

Vier Jahreszeiten an einem Tag? Leider nicht

Und spürt man diesen ganzen Aufwand auf der Straße? Goodyear hat sich viel Mühe gegeben und die Präsentation des Neulings in die Schweizer Berglandschaft verlegt, wo man mit etwas „Glück“ tatsächlich alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann. Und in der Woche vor dem Pressetermin zeigte sich das Wetter wohl auch gewünscht vielseitig – beim Besuch von »kfz-betrieb« Mitte Mai hingegen herrschte Kaiserwetter. Und bei trockener Straße und dem in der Schweiz herrschenden strengen Temporegiment (maximal 80 km/h auf der Landstraße) ließ sich der Vector All Season 4 kein bisschen aus der Ruhe bringen.

Spüren ließ sich nur das exakte Einlenkverhalten auf dem Niveau eines Sommerreifens und das geringe Fahrgeräusch in den Elektroautos. Alles Weitere müssen die unabhängigen Tests der Automobilklubs und -magazine erweisen.

Vor allem 19 Zoll und größer

Gezielt haben die Ingenieure den Vector All Season 4 für Fahrzeuge ausgelegt, für die es aktuell noch keine oder nur eine sehr eingeschränkte Auswahl an Ganzjahresreifen gibt. Insgesamt sind 175 Ausführungen angekündigt, davon 136 in der Größe von 19 Zoll und darüber. Ausrüsten lassen sich beispielsweise Modelle wie der neue BMW iX3, der Audi A6 E-Tron, der Range Rover oder der Mercedes-Benz GLE. Für kleinere Größen bleibt der bewährte Vector 4 Seasons Gen-3 in 96 Ausführungen im Programm.

Nachdem Goodyear in den letzten Jahren überwiegend mit sich selbst beschäftigt war – beispielsweise mit Werksschließungen in Deutschland und der Trennung von der Marke Dunlop –, soll der neue Vector nun zeigen, dass der US-amerikanische Konzern wieder eine aktivere Rolle auf dem europäischen Markt spielen will. Dazu passt auch der neue Markenclaim „Fast is in us“, dessen Sinn sich dem Nicht-Anglophilen vielleicht nicht unmittelbar erschließt, der jedoch die Liebe zu schnellen Autos repräsentieren soll. Ob das die richtige Aussage ist in einer Zeit, in der jede sportliche Form der Mobilität kritisch beäugt wird, mag man diskutieren. Doch ein mutiges Statement ist allemal besser, als sich zu verstecken.

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