Die Franzosen beschleunigen ihre Elektro-Pläne deutlich. Bei einer Presseveranstaltung kündigte das Management rund um Luca de Meo unter anderem neue Technologien, Investitionen und Pläne zum Umgang mit gebrauchten E-Autos an. Auch zum Verbrennerausstieg äußerte sich der Renault-Boss.
Renault will Elektroautos populär(er) machen – daher der Titel Electropop.
(Bild: Renault)
Renault drückt in Sachen Elektromobilität weiter auf die Tube. Das machte CEO Luca de Meo am Mittwoch bei einer Presseveranstaltung klar. Bis 2030 sollen bis zu 90 Prozent der verkauften Renault-Modelle mit einem vollelektrischen Antrieb ausgestattet sein, die dann auch 90 Prozent des Umsatzes ausmachen sollen.
Schon bis 2025 sollen zehn neue, rein batterieelektrische Modelle auf den Markt kommen, der E-Anteil soll dann als Zwischenziel 65 Prozent betragen. Zu den Neuheiten zählen der Renault 5 sowie ein weiteres, als „4ever“ bezeichnetes Fahrzeug, bei dem es sich ebenfalls um eine Interpretation eines Klassikers handeln soll.
Auf einen Termin für den kompletten Abschied vom Verbrenner will sich Renault im Gegensatz zu Audi und VW allerdings nicht festlegen. „Vielleicht ab 2033“, sagte de Meo in einer Fragerunde mit Journalisten. Gleichzeitig erklärte er, dass Hybride und Plug-in-Hybride den Hersteller noch „deutlich über 2030 hinaus“ begleiten werden. „Das ist keine Technologie, die wir einfach aufgeben werden“, so der Manager.
Batteriepreis soll sich halbieren
In den kommenden fünf Jahren wollen die Franzosen 10 Milliarden Euro in die Elektrifizierung investieren. Renault arbeitet an neuen Technologien, um die Leistung der Fahrzeuge zu steigern und gleichzeitig Kosten zu reduzieren. So will der Hersteller etwa den Batteriepreis in den nächsten zehn Jahren halbieren und währenddessen die Energiedichte in den Batteriezellen verdoppeln.
Eine zentrale Rolle in der Elektrostrategie der Franzosen spielen künftig NMC-Batterien, die bis zu 20 Prozent mehr Reichweite liefern sollen als andere Batterien. NMC steht für Nickel, Mangan und Cobalt. Die Technik soll in allen künftigen Elektrofahrzeugen der Renault-Gruppe zum Einsatz kommen.
Bestandteil der Strategie ist die Partnerschaft mit dem Batteriehersteller Envision AESC. Gemeinsam wollen die Unternehmen eine Batterie-Megafactory mit einer Kapazität von 9 GWh im Jahr 2024 errichten. Perspektivisch soll die Kapazität bis zum Jahr 2030 auf 24 GWh steigen. Der Standort soll sich in der Nähe von „Electricity“ befinden, einem Verbund aus drei Renault-Produktionsstandorten in Nordfrankreich. Dort sollen bis 2025 jährlich 400.000 Fahrzeuge vom Band laufen.
Festkörperbatterie ab 2030
Gleichzeitig arbeitet Renault gemeinsam mit dem Allianzpartner Nissan an der Entwicklung keramikbasierter Festkörperbatterien. Diese sollen die Performance der Fahrzeuge nach Worten von Entwicklungschef Gilles Le Borgne „drastisch verbessern“. Ungefähr ab 2030 sollen sie bereitstehen.
Was Motoren anbelangt, haben die Franzosen nach eigener Aussage als erster Hersteller einen eigenen Elektroantrieb ohne seltene Erden und basierend auf der Technologie des elektrisch erregten Synchronmotors (EESM) entwickelt. Außerdem hat Renault eine Kooperation mit dem französischen Start-up Whylot für einen Axialfluss-E-Motor vereinbart. Diesen will der Hersteller zunächst bei Hybrid-Antriebssträngen einsetzen und so die Kosten um fünf Prozent senken. Gleichzeitig soll der CO2-Ausstoß nach WLTP um bis zu 2,5 Gramm pro Kilometer sinken. Renault ist nach eigenen Angaben der erste Hersteller, der Axialfluss-E-Motoren ab 2025 in großem Maßstab produziere.
Die kommenden Fahrzeuge werden auf zwei neuen Plattformen stehen: Die CMF-EV-Plattform wird künftig im C- und D-Segment zum Einsatz kommen und WLTP-Reichweiten bis 580 Kilometer ermöglichen. Bis 2025 will die Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi 700.000 Fahrzeuge darauf aufbauen. Im B-Segment soll die CMF-BEV-Plattform im Vergleich zur aktuell im Modell Zoe eingesetzten Plattform die Kosten um ein Drittel reduzieren und für bis zu 400 Kilometer Reichweite gut sein.
Batterie-Rücknahme über das Händlernetz
Einen Fokus bei der E-Mobilität legt Renault auf Lifecycle-Management. Ziel sei es, über den gesamten Lebenszyklus einer Batterie Wert zu generieren, erklärte Finanzchefin und CEO der Renault-Mobilitätsmarke „Mobilize“, Clotilde Delbos auf der Veranstaltung. „Die Lebensdauer der Batterien ist höher als bisher angenommen“, berichtete die Managerin. Nach Anwendung im Fahrzeug könnten sie noch rund zwei Drittel ihrer Kapazität aufweisen und beispielsweise als stationäre Energiespeicher dienen.
Bei der Rücknahme gebrauchter Batterien will sich Renault auf das Händlernetz stützen. Delbos kündigte an, dass der Hersteller mit Bewertungsunternehmen, beispielsweise L'Argus kooperieren wolle, um den Restwert von Batterien zu kommunizieren. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt könne der Wert der Batterie mit bis zu 500 Euro berücksichtigt werden. Jährliche Leasingkosten für Neuwagen könnten um ein Prozent sinken, so Delbos.
An den Fahrer will Renault Statuszertifikate der Batterien („State of Health“) ausgeben und Batteriegarantie-Verlängerungsverträge sowie Inzahlungnahmeangebote unterbreiten. „So können wir Besitzer gebrauchter Elektroautos beruhigen“, ist Delbos überzeugt.
Stand: 08.12.2025
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